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Di., 23.09.2014

Viele Soldatenwohnungen in Hunnebrock und Bünde-Mitte stehen schon länger leer Briten geben zum Monatsende 60 Häuser zurück

In Hunnebrock stehen viele der 98 Wohneinheiten für britische Soldaten leer – so auch diese Doppelreihenhäuser in der Robert-Schumann-Straße.

In Hunnebrock stehen viele der 98 Wohneinheiten für britische Soldaten leer – so auch diese Doppelreihenhäuser in der Robert-Schumann-Straße. Foto: Christina Ritzau

Von Christina Ritzau

Bünde (WB). Der Abzug der britischen Streitkräfte macht sich in Bünde mehr und mehr bemerkbar. Sowohl im Bereich Engelstraße als auch im Bereich Eichholzstraße in Hunnebrock steht ein Großteil der britischen Wohneinheiten leer. Ende des Monats sollen 60 Häuser in Hunnebrock von der Rheinarmee zurückgegeben werden.

Wo früher britische Soldaten mit ihren Familien lebten, sind die Wohnungen jetzt verlassen, kahle Fenster geben die Sicht in leere Räume frei, hier und da hängen noch Gardinen, stehen unbenutzte Möbel, überall wuchert Unkraut, Briefkästen und Lichtschutzschächte sind zugeklebt, die Spielplätze menschenleer. Nur vor vereinzelten Gebäuden in geisterhaft wirkenden Häuserzeilen stehen noch Autos, Blumentöpfe und Mülltonnen, die darauf schließen lassen, dass dort jemand wohnt.

Zugeklebte Briefkästen zeugen davon, dass viele Wohnungen leerstehen.

Briten in Bünde

Angaben darüber, wie viele britische Soldaten derzeit noch in Bünde wohnen, gibt es nicht (die jüngste Einwohnerstatistik vom April verrät lediglich, dass von den 46 700 Einwohnern 127 aus dem Vereinigten Königreich sind. 37 von ihnen wohnten in Bünde-Mitte, 16 in Hunnebrock). Erst dann, wenn die Häuser durch die Rheinarmee offiziell wieder abgegeben wurden, gelten die Streitkräfte als abgezogen.

90 Tage Rückgabefrist

Nach derzeitigen Überlegungen der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), die Eigentümerin der britischen Liegenschaften ist, sollen alle Gebäude in Bünde im Laufe des kommenden Jahres zurückgegeben werden. Unabänderlich seien diese Planungen allerdings nicht, sagt Technischer Beigeordneter Dr. Andreas Siepenkothen. »Die Rückgabefrist beträgt 90 Tage nach Truppenstatut«, informiert er, und unterstreicht damit, wie spontan die Abzüge seitens der Briten verlaufen können.

Fest stehe bisher lediglich der nächste Termin: »Zum 30. September gehen 60 Häuser an die BImA zurück. Auch der Naafi-Shop und das Community-Center mit Kindergarten in Hunnebrock sollen bis Jahresende zurückkommen.« Fridolin Stephan, stellvertretender Leiter der Abteilung Verkauf bei der BImA, bestätigte das.

135 Einheiten

Insgesamt gibt es in Bünde 135 Wohneinheiten für britische Streitkräfte, davon 37 im Bereich Behringstraße/Engelstraße und 98 in Hunnebrock. Die Einfamilien-Reihenhäuser und Doppelhaushälften, die britischen Armeeangehörigen und deren Familien zur Verfügung standen, wurden in den 50er und 60er Jahren gebaut, die Häuser in Hunnebrock wurden Ende der 1990er/Anfang der 2000er Jahre restauriert. »Die Objekte im Bereich Engelstraße wurden für höhere Offiziere gebaut«, weiß Dr. Siepenkothen. »Uns wurde gesagt, dass dort vorwiegend Offiziere aus dem Hauptquartier Bielefeld wohnen«, berichtet Siepenkothen, »und die werden bis zuletzt in Deutschland bleiben.«

Bezahlbarer Wohnraum

Bis zuletzt heißt – wenn man auf die vorläufigen Planungen vertraut – bis 2015. Dann sind also auf einen Schlag 135 Wohnungen mehr auf dem Markt. Dass Miet- und Immobilienpreise dadurch extrem gedrückt würden, glaubt Ute Eggersmann vom Maklerbüro »Haus der 1000 Wünsche« nicht. »Es wäre toll, wenn wir die Wohnungen endlich auf den Markt bekämen«, findet sie.

Eigentumswohnungen seien allerdings viel weniger gefragt als bezahlbare Mietwohnungen, weiß die Maklerin. Denn die seien Mangelware. »Hochwertiger Wohnraum wird in Bünde im Moment viel gebaut. An preiswerten, ganz normalen Wohnungen fehlt es aber«, informiert die Fachfrau.

Verkauf und Nutzung

Um die Wohnungen überhaupt vermieten zu können, müsste sich zunächst ein Käufer finden. Die sogenannte Erstzugriffsoption, also ein Vorkaufsrecht, liegt bei der Stadt Bünde. Aber auch private Investoren kommen als Käufer in Frage. »Wenn wir keine Anschlussverwertung finden, dann stehen die Häuser herum und kosten«, verdeutlicht Norbert Stahl, BImA-Abteilungsleiter Gewerbe.

Der aktuelle Wert der Immobilien muss erst noch bestimmt werden. Dass 135 Wohneinheiten für eine Stadt wie Bünde aber nicht problemlos zu erwerben sind, liegt auf der Hand. Es gibt Fördermöglichkeiten für die Konversion, also die Umnutzung militärischer Flächen. Diese greifen jedoch laut Fridolin Stephan erst nach dem Erwerb der Objekte. Im Koalitionsvertrag sind 100 Millionen Euro zur Unterstützung der Kommunen bei der Konversion, also der Umnutzung militärischer Flächen, vorgesehen. Die Laufzeit beträgt vier Jahre, ab 2015 werden die Mittel voraussichtlich zur Verfügung stehen.

Eine ganz andere Art der Nutzung hat sich gerade erst in Herford ergeben, wo am Wochenende überraschend 350 Flüchtlinge in ehemaligen Britenwohnungen untergebracht wurden. Prinzipiell sei ein solcher Fall in jeder Kommune, in der die BImA Liegenschaften habe, denkbar, erläutert Norbert Stahl. »Aber hier war es ein absoluter Notfall, da musste alles sehr schnell gehen.«

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