Di., 10.11.2015

Volkstrauertag: Zentrale Veranstaltung fällt aus Kein Gedenken am Nordring

Eine zentrale Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag – unser Bild zeigt die letzte Veranstaltung im Jahr 2013 – wird es nicht geben. Auslöser des Streites war die kaiserliche Kriegsflagge (links im Bild) der Marinekameradschaft.

Eine zentrale Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag – unser Bild zeigt die letzte Veranstaltung im Jahr 2013 – wird es nicht geben. Auslöser des Streites war die kaiserliche Kriegsflagge (links im Bild) der Marinekameradschaft. Foto: Grotjohann/Brinkmann – Montage: Brinkman

Von Kathrin Brinkmann

Bünde (WB). Seit 1952 gedenken die Deutschen am Volkstrauertag der Opfer von Kriegen und Gewaltherrschaft. In Bünde war vor zwei Jahren eine heftige Diskussion um die Gedenkfeier entbrannt. Die SPD hatte kritisiert, dass die Marinekameradschaft die Reichskriegsflagge zum Ehrenmal am Nordring mitbrachte. Seither gibt es in Bünde keine zentrale Gedenkfeier mehr.

Gedenkfeiern in den Ortsteilen

Hunnebrock: 10.30 Uhr, Trauerkapelle des Bestattungshauses Winter, Mitwirkende: Posaunenchor, Männerchor, CVJM. Redner: Dr. Tim Ostermann. Organisator: Ulf Dreier vom Dorfförderverein.
Spradow: 10 Uhr Kirche. 11.15 Uhr Mahn- und Gedenkfeier am Friedhof, Stettiner Straße. Ausrichter: Förderverein Spradow 2000. Mitwirkende: Posaunenchor, Löschgruppe Spradow, Konfirmandenkreis.
Ennigloh: 11.30 Uhr Ehrenmal an der Hochstraße. Redner: Bürgermeister Wolfgang Koch. Mitwirkende: Schützen, TGE, Sozialverband, Ennigloh aktiv, Ratsvertreter.
Holsen: 11.15 Uhr. Friedhofskapelle Holsen. Redner: Werner Sewing. Ausrichter: Sozialverband Holsen. Mitwirkende: Freiwillige Feuerwehr, Vereine und Bürger.

Kritisiert worden war von der SPD vor zwei Jahren, dass das Hissen der Flagge in Deutschland zwar nicht verboten ist, dass sie jedoch von vielen als Symbol für die Verherrlichung des Krieges gesehen wird. Von der rechten Szene wird die Flagge beispielsweise als legale Alternative zur Hakenkreuzflagge genutzt.

Die Marinekameradschaft hingehen hatte erklärt, die Flagge befinde sich seit 1900 in ihrem Besitz. Es handle sich um eine alte Traditionsflagge der Kaiserlichen Marine. Mit dem Dritten Reich habe die Flagge nichts zu tun. Dennoch sorgte dieser Streit um die Flagge dafür, dass Realschullehrer Thorsten Kröger, der als Vorsitzender vom Verband der Deutschen Kriegsgräberfürsorge (VdK) lange Jahre die Feier mit seinen Schülern der Realschule Nord mit gestaltet hatte, nicht mehr bereit war, eine weitere Gedenkfeier zu organisieren.

Die Feierstunde am Nordring sowie die zentrale Gedenkfeier im Rathaus, an der sich traditionell DRK, Schützen, Feuerwehr, Marinekameradschaft, Realschüler, Reservistenkameradschaft und THW beteiligten, findet seither nicht mehr statt. Auch in diesem Jahr wird es am Sonntag, 15. November, keine große Gedenkfeier in Bünde-Mitte mehr geben. Anders sieht es in den Ortsteilen aus. In Ennigloh beispielsweise treffen sich die Schützen, die TGE, der Sozialverband und der Verein »Ennigloh aktiv« um 11.30 Uhr am Ehrenmal an der Hochstraße, um einen Kranz niederzulegen. Bürgermeister Wolfgang Koch wird eine Ansprache halten. Auch Vertreter aus dem Rat werden erwartet.

»Leider nimmt die Gesamtschule, die die Gedenkfeier lange Jahre musikalisch begleitet hat, nicht mehr teil, seitdem der zuständige Lehrer an eine andere Schule gegangen ist«, bedauerte Karola Clausmeier (CDU), die sich um die Organisation der Feierstunde kümmert. Auch Günter Wieske, der die Gedenkfeier seit 35 Jahren organisierte, habe sich aus Altersgründen zurückgezogen, stehe ihr aber noch beratend zur Seite. »Im Frühjahr möchte ich noch mal versuchen, Kontakt zur Schule aufzunehmen, um die Feier im kommenden Jahr neu zu gestalten«, sagte Karola Clausmeier, der es sehr wichtig ist, dass der Volkstrauertag nicht in Vergessenheit gerät. »Die Bedeutung und der Inhalt dieses Tages haben sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt. Früher wurde der Tag oft als Gedenktag für die Verstorbenen der beiden Weltkriege verstanden. Heute gedenken wir der Opfer von Krieg und Gewalt auf der ganzen Welt auch in der heutigen Zeit. Gerade in unserer jetzigen Situation ist es ganz wichtig, dass so ein Tag bestehen bleibt. Es ist eine Mahnung für den Frieden«, sagt Clausmeier.

Ähnlich sieht es Ernst Tilly (FDP). »Wenn man so eine Tradition erst mal aufgibt, ist sie kaputt. Aber kollektives Gedenken ist ganz wichtig. Das Geschichtsbewusstsein muss erhalten bleiben«, sagt er. Tilly selbst habe 1945 seinen sechsjährigen Bruder verloren, der an den Folgen der Vertreibung starb. Viele ältere Bünder hätten den Zweiten Weltkrieg noch selbst oder aus den Erzählungen ihrer Eltern erlebt. Es sei wichtig, dass die Erinnerung auch für künftige Generationen wach gehalten werde. Neben Ennigloh wird es auch in Hunnebrock, Holsen und Spradow Gedenkfeiern zum Volkstrauertag geben.

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