Sprachcafé für Flüchtlinge bietet vielfache Hilfe bei den Problemen des Alltags
Ein Ort des Verstehens

Kirchlengern(WB). »Ich mag Deutschland, und ich mag Kirchlengern. Hier möchte ich wohnen bleiben.« Der Mann, der das sagt, heißt Firas Khalil (32). Seit gut einem Jahr lebt der Syrer in der Elsegemeinde – und zählt zu den eifrigsten Besuchern des Sprachcafés für Flüchtlinge.

Freitag, 22.01.2016, 10:30 Uhr aktualisiert: 22.01.2016, 10:33 Uhr
Freizeitangebote gibt es natürlich auch im Sprachcafé (von links): Leiterin Petra Weichelt, Firas Khalil und Zllate (11, aus Albanien) spielen Kicker. Foto: Hilko Raske
Freizeitangebote gibt es natürlich auch im Sprachcafé (von links): Leiterin Petra Weichelt, Firas Khalil und Zllate (11, aus Albanien) spielen Kicker. Foto: Hilko Raske

Zweimal in der Woche, jeweils am Mittwochabend von 17 bis 19 Uhr und am Freitagmorgen von 10 bis 12 Uhr, haben Zuwanderer die Möglichkeit, sich in den Räumen des evangelischen Gemeindehauses »Auf der Wehme« mit der deutschen Schrift und Sprache, aber auch mit den gesetzlichen Grundlagen, Sitten und der jüngeren Geschichte vertraut zu machen.

»Full House« im Gemeindezentrum

Ein fester Kern von etwa 15 ehrenamtlichen Mitarbeitern engagiert sich für dieses Angebot, das von der evangelischen Kirchengemeinde unterstützt und von Presbyterin Petra Weichelt geleitet wird. Besonders am Mittwochabend heißt es »Full House« im Gemeindezentrum. Bis zu 90 Besucher können dann begrüßt werden. Überwiegend sind es Syrer – sie machen etwa 60 Prozent der Gäste aus.

Stark vertreten sind außerdem noch Flüchtlinge aus dem Irak, Iran und Afghanistan. »Anfangs waren es auch Menschen aus den unterschiedlichen Balkanländern – deren Zahl ist aber inzwischen deutlich zurückgegangen«, sagt Petra Weichelt.

Keine Berührungsängste

Die Idee zu dem Sprachcafé sei ihr vor einem Jahr gekommen, erzählt die Presbyterin. Damals habe es mit Beginn der Flüchtlingsbewegung einen runden Tisch in Kirchlengern gegeben. »Ich fühlte mich einfach dazu berufen, etwas zu tun und zu helfen.« Berührungsängste mit Menschen aus anderen Kulturkreisen habe sie nicht gehabt: »Meine Tochter hat ein Jahr in Afrika gelebt.«

Deshalb sei sie ins kalte Wasser gesprungen und habe mit weiteren Mitstreitern das Sprachcafé aus der Taufe gehoben. Bei dem reinen Sprachunterricht sei es nicht lange geblieben. Ein Begrüßungsdienst für neue Flüchtlinge folgte. »Inzwischen gibt es den aber nur noch für Familien, weil es zu viele geworden sind.«

Hilfe bei alltäglichen Problemen gehöre ebenfalls zum Angebot. »Beispielsweise erklären wir, wie Arztbesuche geregelt werden, welcher Mediziner wofür zuständig ist und kümmern uns um Termine beim Arzt.«

Kosten aus eigener Tasche getragen

Da sowohl der Kinder- als auch der Frauenarzt in Kirchlengern keine neuen Patienten mehr annehme, müssten Fahrten ins benachbarte Bünde organisiert werden. Die Fahrtkosten würden die ehrenamtlichen Helfer überwiegend aus eigener Tasche tragen. »Wir haben von der Gemeinde einen einmaligen Zuschuss von 700 Euro erhalten – das hat aber nicht lange vorgehalten.«

Kaffee, Tee und Kuchen für die Besucher finanziere man genauso aus Spenden wie die Weihnachtsfeier, die im Dezember veranstaltet wurde. Ganz neu im Programm sei das Sprach-Selbstlernzentrum in einem Raum, den die Gemeindeverwaltung zu Verfügung gestellt habe. »Das Projekt wird von Dagmar Nold geleitet. Auf Computern, die man uns gespendet hat, sind Programme, die das Erlernen der deutschen Sprache ermöglichen.«

Horst Hartmann hat sich eine Beamerpräsentation ausgedacht.

Horst Hartmann hat sich eine Beamerpräsentation ausgedacht. Foto: Hilko Raske

Regeln, die in Deutschland gelten

Etwas Besonders hat sich Horst Hartmann einfallen lassen. Er hat für die Flüchtlinge eine Beamerpräsentation entwickelt, die anhand von Bildern unter anderem erklärt, welche Regeln in Deutschland gelten und was Deutschland von den Herkunftsländern der Zuwanderer unterscheidet.

»Das Ganze ist selbst erklärend und kann im Prinzip nonstop laufen«, sagt Hartmann. So erfahren die Zuwanderer, dass in Deutschland das Gesetz absoluten Vorrang vor Bibel oder Koran hat. Auch das richtige Verhalten beispielsweise in Hallenbädern und die Gleichberechtigung von Mann und Frau werden thematisiert.

Firas Khalil hat sich das alles ganz genau angeschaut. Der 32-Jährige, der inzwischen als Flüchtling anerkannt worden ist, möchte bald eine Ausbildung beginnen. »Ich habe in Syrien Brillen verkauft und will nun Augenoptiker werden.« Seine Heimatstadt Aleppo sei durch den Krieg zu 80 Prozent zerstört worden. Bis auf den Vater habe die ganze Familie Syrien inzwischen verlassen und sei in Deutschland eingetroffen. Und hier sieht er seine Zukunft.

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