Der Blick in die alten Zeitungsausgaben ist spannend. »Schon die Optik ist ganz anders«, sagt Renate Mögling
Zeitungsausgaben von 1906 gefunden

Bünde (WB). Beim Aufräumen staunte Renate Mögling nicht schlecht, als ihr unlängst Ausgaben der BÜNDER ZEITUNG von 1906 in die Hände fielen. »Ich vermute, sie gehörten meiner Großmutter, die in Spradow wohnte«, sagt die Bünderin, die seit 1960 im Kreis Friesland lebt.

Freitag, 05.02.2016, 11:09 Uhr aktualisiert: 05.02.2016, 15:07 Uhr
Die Taufe des deutschen Kaiserenkels Wilhelm Friedrich Franz Josef Christian Olaf ist eine der wenigen Illustrationen, die 1906 in der Zeitung zu finden waren. Renate Mögling (kleines Foto) hat die alten Bünder Zeitungen beim Aufräumen gefunden. Foto: Kathrin Brinkmann
Die Taufe des deutschen Kaiserenkels Wilhelm Friedrich Franz Josef Christian Olaf ist eine der wenigen Illustrationen, die 1906 in der Zeitung zu finden waren. Renate Mögling (kleines Foto) hat die alten Bünder Zeitungen beim Aufräumen gefunden. Foto: Kathrin Brinkmann

Der Blick in die alten Zeitungsausgaben ist spannend. »Schon die Optik ist ganz anders«, sagt sie. Einzig die Ausgabe vom 3. September 1906 enthält eine Inllustration. Zu sehen ist die Taufe des deutschen Kaiserenkels Wilhelm Friedrich Franz Josef Christian Olaf.

»Lokales und Provinzielles«

Auch »Lokales und Provinzielles« war schon damals in der BÜNDER ZEITUNG zu finden. So etwa wird von den Bestrebungen zur Gründung einer neuen Ortskrankenkasse im Kirchspiel Gohfeld berichtet.

Neben dem Zivilstand des Amtes Rödinghausen mit Geburten, Aufgeboten, Eheschließungen und Sterbefällen fallen vor allem die Stellenanzeigen ins Auge. Gesucht werden zum Beispiel ein kräftiger Kutscher, Bäckergesellen oder ein Bekleber-Lehrling. Die Werbeanzeige für die Frauen-Zeitung »Heimchen am Herd« mutet heute hingegen eher fremdartig an.

Interessant ist auch der Bericht über eine Bünder Stadtverordnetensitzung, bei der sich der Vorsitzende darüber beschwerte, dass »durch Zwischenfragen die Verhandlungen oft in die Länge gezogen würden. Zum Zwecke der regulären Abwicklung der Tagesordnung, solle dieses doch in Zukunft unterbleiben.

Wenn einer der Herren eine Sache zu verhandeln wünscht, möchte er ihm dieses frühzeitig schriftlich mitteilen, damit es auf Tagesordnung gesetzt werden kann.«

Minderwertige Ware für Einheimische auf dem Wochenmarkt

Auch über Probleme auf dem Bünder Wochenmarkt wird berichtet. So beklagen die Lokalpolitiker, dass Händler von auswärts sämtliches Obst aufkaufen. »Die Vorzüge eines Wochenmarktes müßten doch in erster Linie den hiesigen Einwohnern zu Gute kommen«, heißt es. Für diese bleibe aber oft nur minderwertige Ware übrig. All das habe eine Verteuerung des Obste bis hin zu Großstadtpreisen zur Folge. Die Politik schlug daraufhin vor, den Händlern erst nach 9 oder 10 Uhr das Auftauchen vor Ort zu gestatten.

Berichtet wird auch, dass der Verschönerungsverein die Ringstraße bepflanzen möchte. 250 Mark sollte er aus der Stadtkasse für 100 Bäume erhalten. Denn die Ringstraße werde bei gutem Wetter »als Promenade benutzt, auch würde vom hygienischen Standpunkt aus durch großblättrige Bäume die Luft verbessert.«

Bahnbau und Rotlausseuche

Eine Rolle spielen des Weiteren der Bahnbau in Hiddenhausen, die Verbreitung der Rotlausseuche bei Schweinen, ein schweres Automobilunglück in Bielefeld, bei dem Generaldirektor Dürkopp eine fünffache Mutter überfahren hat, sowie ein Lokomotivführer aus Osnabrück, dem 70 Einbrüche nachgewiesen wurden.

Auch die Schulordnung für die gewerbliche Fortbildungsschule Bünde ist abgedruckt. Derzufolge hat der Schüler »rein und in anständiger Kleidung in der Schule zu erscheinen. Die Klassenräume hat er still und unbedeckten Hauptes zu betreten.«

Wegen der Fleischnot in Deutschland werden die Landwirte aufgefordert, Kartoffeln zu pflanzen, da sie »ein vorzügliches Futtermittel« für Mastzwecke seien. Besonders amüsant mutet auch die Anweisung für Jäger an, ihr Wild nach der Jagd laut Eisenbahnverordnung nicht als Kleingepäck mitzunehmen, sondern es an den Gepäckabfertigungsstellen abzugeben.

»Einzelne, unauffällig in Taschen verpackte Stücke Kleinwild dürfen hingegen mit in die Wagenabteile genommen werden, wenn die Stücke so verpackt sind oder die Schußstellen so verbunden sind, daß ein Aussickern des Blutes unmöglich wird und die übrigen Reisenden durch die Wildstücke nicht belästigt werden«, heißt es.

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