Antrag auf Nutzungsänderung liegt vor – Besitzerin will Immobilie verkaufen
Wird aus dem Rüschener Hof bald ein Swingerclub?

Rödinghausen (WB). Der Rüschener Hof in Bieren zählt zu den wenigen noch traditionellen Landgasthöfen im Bünder Land. Das könnte sich aber ändern. Vielleicht befindet sich hier bald ein Swingerclub. Ein entsprechender Antrag auf Nutzungsänderung liegt der Gemeinde Rödinghausen und der zuständigen unteren Bauaufsichtsbehörde des Kreises Herford vor.

Mittwoch, 10.02.2016, 06:00 Uhr
Der Rüschener Hof an der Hansastraße. Besitzerin Esther Hassel will die Immobilie verkaufen. Einer der Interessenten will hier einen Swingerclub eröffnen. Über dieses Thema diskutiert der Ausschuss für Gemeindeentwicklung am 18. Februar. Foto: Rainer Grotjohann
Der Rüschener Hof an der Hansastraße. Besitzerin Esther Hassel will die Immobilie verkaufen. Einer der Interessenten will hier einen Swingerclub eröffnen. Über dieses Thema diskutiert der Ausschuss für Gemeindeentwicklung am 18. Februar. Foto: Rainer Grotjohann

Bauliche Veränderungen im Gebäude sollen zwar nicht vorgenommen werden. Es ist aber geplant, den Außenbereich mit Sichtschutzzäunen und Anpflanzungen zu versehen. Die Errichtung eines Pools, einer Hütte und ein Unterstand für Raucher sind ebenfalls vorgesehen.

Auf dem Grundstück soll zudem eine Parkfläche für Wohnmobile errichtet werden. Im Gebäude ist ein neuer Wellnessbereich mit Sauna und Whirlpool geplant. Auch die gewünschten Öffnungszeiten liegen schon vor: mittwochs bis sonntags und an Feiertagen. Der Antragsteller rechnet mit 25 bis 250 Besuchern täglich.

Derzeit noch als Pension genutzt

Derzeit wird das Landgasthaus als Pension einschließlich Schank- und Speisewirtschaft betrieben. Seit fast 130 Jahren befindet sich der Rüschener Hof im Besitz der Familie Hassel. Inhaberin ist Esther Hassel (68). »Ich will den Gasthof verkaufen«, sagte sie gegenüber dieser Zeitung. Sie sei eigentlich schon seit drei Jahren im Rentenalter. »Momentan habe ich noch die Kraft dazu, den Gasthof zu betreiben.«

Aus Altersgründen wolle sie sich aber zurückziehen. »Schließlich möchte ich nicht mit einer Schnabeltasse in der Hand eines Tages hier herausgebracht werden.« Es gebe mehrere Interessenten – darunter auch denjenigen, der einen Swingerclub aufmachen wolle. »Sollte das nicht klappen, stehen andere bereit, die möglicherweise die Gastronomie weiterführen.«

Eisenbahnbrücke ein großes Handicap

Generell, so Esther Hassel, hätten es Landgasthöfe in der heutigen Zeit sehr schwer. »Die Jugend kann man für einen Besuch kaum noch begeistern.« Und wenn neue Pächter ein Konzept umsetzen wollten, das bei den Stammgästen nicht ankomme, könne dies zu großen Problemen führen – das habe man erst kürzlich im Bünder Ortsteil Muckum erlebt.

Für den Rüschener Hof sei überdies die nahe gelegene marode Eisenbahnbrücke ein großes Handicap. »Die Brücke, die sich nur wenige Meter vom Rüschener Hof entfernt befindet, darf derzeit von Lkw nicht mehr genutzt werden.«. Im Spätsommer solle sie zwecks Neubau ganz abgerissen werden. »Dann ist die Straße nicht mehr passierbar. Gäste aus Bünde können uns auf direktem Wege gar nicht mehr erreichen.«

Das Grundstück, auf dem sich der Landgasthof befindet, ist im Flächennutzungsplan als landwirtschaftliche Nutzfläche dargestellt. Zudem liegt es im Landschaftsschutzgebiet. Das Grundstück ist außerhalb des räumlichen Geltungsbereiches eines Bebauungsplanes und außerhalb eines im Zusammenhang bebauten Ortsteiles, sprich im Außenbereich. Die Zulässigkeit von derartigen Bauvorhaben im Außenbereich ist im Paragraf 35 BauGB geregelt. Eine Privilegierung wie sie beispielsweise landwirtschaftliche Betriebe besitzen, liegt nicht vor.

Thema am 18. Februar im Gemeindeentwicklungsausschuss

Bauplanungsrechtlich ist ein Swinger Club als Vergnügungsstätte einzuordnen. Ein Bestandsschutz aus dem vorhandenen Betrieb besteht nicht. Mit diesem Thema muss sich unter anderem der Ausschuss für Gemeindeentwicklung in seiner Sitzung am 18. Februar auseinandersetzen. Die Verwaltung schlägt vor, das gemeindliche Einvernehmen nicht zu erteilen.

Die abschließende Entscheidung über die Zulässigkeit des Vorhabens liegt jedoch in den Händen der unteren Bauaufsichtsbehörde des Kreises Herford. »Derzeit befinden wir uns noch in der Anhörung – eine Entscheidung ist noch nicht gefällt«, sagt Bernhard Wenzel, zuständiger Abteilungsleiter bei der Bauaufsicht des Kreises.

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