Kleiner Mops-Rüde verschwindet und taucht zwei Stunden später 70 Kilometer entfernt wieder auf
»Lillebrør ist entführt worden«

Bünde (WB). Wie kann ein kleiner Mops-Mischling binnen zwei Stunden alleine eine Strecke von 70 Kilometern zurücklegen? »Natürlich gar nicht. Lillebrør ist entführt worden. Er muss mit einem Auto dort hingebracht worden sein«, sagt Heike Meyer, Besitzerin des Rüden mit dem treuen Blick.

Samstag, 20.02.2016, 11:26 Uhr aktualisiert: 20.02.2016, 11:35 Uhr
Melanie Könker und die Helfer ihrer Facebook-Gruppe hatten maßgeblich Anteil daran, dass Mischlingsrüde Lillebrør nun wieder zu Hause ist. Foto: Daniel Salmon
Melanie Könker und die Helfer ihrer Facebook-Gruppe hatten maßgeblich Anteil daran, dass Mischlingsrüde Lillebrør nun wieder zu Hause ist. Foto: Daniel Salmon

Freitagmittag vor einer Woche, ein Garten an der Wittekindstraße: Die 46-Jährige will mit ihren Hunden Lillebrør (3) und Chihuahua-Mix Jette (4) Gassi gehen. »Ich habe die beiden schon mal in den umzäunten Garten gelassen und bin dann noch mal schnell zurück ins Haus, um mir eine Jacke anzuziehen«, erzählt die Bünderin im Gespräch mit dieser Zeitung.

Als sie wieder nach draußen kommt, steht das Gartentor sperrangelweit offen. »Jette saß auf einer Bank und zitterte. Lillebrør war einfach weg«, erinnert sich Heike Meyer. Sie sagt: »Er hätte die Pforte keinesfalls alleine öffnen können, das muss jemand anderes gemacht haben. Ich bin die Straße rauf und runter gerannt und habe ihn gesucht.« Doch von dem kleinen Rüden fehlt jede Spur. Nur wenig später taucht der Vierbeiner in einem Vorgarten in Ibbenbüren auf, 70 Kilometer von seinem Zuhause in Bünde entfernt. Doch davon weiß Heike Meyer zu diesem Zeitpunkt noch nichts.

Hund bereits im April 2015 verschwunden

Stattdessen bittet die 46-Jährige ihre älteste Tochter auf einschlägigen Facebookseiten, auf denen entlaufene und wiedergefundene Tiere gepostet werden, nach Lillebrør Ausschau zu halten. Denn schon einmal – am 17. April vergangenen Jahres – war der Hund spurlos verschwunden. Und damals hatte Meyers Tochter über die Facebookgruppe »Entlaufene/Gefundene Tiere Bünde und Umgebung«, die von der Bünderin Melanie Könker und ihrem Team betreut wird, nach dem Rüden gefahndet – und letztendlich sogar wiedergefunden. Allerdings erst vier Monate nach seinem Verschwinden.

»Wie wir erfahren haben, soll er seinerzeit bereits am 18. April in einer Gärtnerei in Bielefeld gesehen worden sein. Die Eigner haben ihn gefüttert, konnten ihn aber zunächst nicht anfassen. Im August haben sie Lillebrør im Tierheim abgegeben«, sagt Meyer. Damals hatte sie sich zwar gewundert, dass der Hund binnen so kurzer Zeit einen so weiten Weg zurücklegen kann. »Aber dass er gestohlen worden sein könnte, daran habe ich nicht gedacht«, sagt Heike Meyer.

Bis Lillebrør nun abermals verschwand. Wiedergefunden wurde der kleine Mops-Mischling erneut mithilfe der ehrenamtlichen Mitarbeiter von Melanie Könkers Facebookgruppe, die sein Bild im Internet entdeckten. »Uns war Lillebrør noch von seinem Verschwinden damals bekannt«, sagt die 31-Jährige. Gemeinsam mit ihrem Team recherchierte sie, dass der Mops am vergangenen Freitag, bereits zwei Stunden nachdem er aus dem Vorgarten der Meyers verschwunden war, in Ibbenbüren gesehen wurde. Tags darauf wurde der Rüde in eine Pflegestelle gebracht, die ein Foto von Lillebrør online stellte. Seit Anfang der Woche ist der Hund wieder in Bünde.

Anzeige gegen Unbekannt erstattet

»Wir haben bemerkt, dass sich sein Verhalten geändert hat. Er ist misstrauischer geworden, ängstlicher. Und er fährt nicht mehr so gerne Auto«, sagt sein Frauchen Heike Meyer. Sie sieht darin ein Indiz, dass der Vierbeiner wohl in ein Fahrzeug gezerrt wurde.

Warum irgendjemand ihren Hund – wahrscheinlich gleich zweimal – stehlen und woanders aussetzen sollte, weiß die Besitzerin nicht. Sie sagt: »Der tut doch keinem was. Das muss jemand gewesen sein, der Lillebrør nicht leiden kann.« Mittlerweile lässt die Bünderin ihre beiden Vierbeiner nicht mehr allein in den Garten.

Bei der Polizei hat die 46-Jährige Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Heike Meyer und Melanie Könker fragen nun: »Wer hat am 12. Februar verdächtige Personen oder Fahrzeuge gesehen, die mit dem Verschwinden von Lillebrør in Verbindung stehen könnten?«

Polizeisprecher Michael Al­brecht bestätigte auf Anfrage, dass Ermittlungen wegen des Verdachts eines Eigentumsdeliktes aufgenommen wurden. Hinweise nimmt die Polizei in Herford unter Telefon 05221/8880 entgegen.

Facebookgruppe

Die Facebookgruppe »Entlaufene/Gefundene Tiere Bünde und Umgebung« wurde im August 2014 von Melanie Könker gegründet und hat mittlerweile etwa 2200 Mitglieder. Mit einem harten Kern aus zehn Helfern und zahlreichen weiteren ehrenamtlichen Mitstreitern hilft Könker bei der Suche nach entlaufenen oder verschwundenen Tieren. Vielen Tierbesitzern hat das Team bereits geholfen, ihre Lieblinge wiederzubekommen. »Wir sind gut vernetzt und haben oft Erfolg. Wir geben ein verschwundenes Tier niemals auf. Ohne so viele engagierte Helfer wäre das alles aber nicht möglich«, sagt Melanie Könker, der ein Fall wie der von Mops Lillebrør aber noch nicht untergekommen sei.

Kommentare

Hans  schrieb: 20.02.2016 16:26
Vielleicht fährt Lillebrør gern Bahn?
Mit fehlt das Motiv ein und denselben Hund wiederholt zu entführen und kurz darauf weit entfernt wieder auszusetzen. Der (Wiederholungs-) Täter hätte Lillebrør zudem vor der Entführung observieren oder eine günstige Gelegenheit abpassen müssen. Doch dazu der Aufwand und das Risiko der Enttarnung? Nicht undenkbar, aber meines Erachtens doch irgendwie unwahrscheinlich.

Ich würde deshalb auch einmal die Möglichkeit in Betracht ziehen, ob Lillebrør zu der Gattung Hund gehört, die gerne Bahn fährt. Es gibt eine Reihe von Hunden, die das gerne auch immer wieder mal unbegleitet tun.

Von Bünde nach Ibbenbüren gibt es freitags stündlich Direktverbindungen mit einer Fahrtzeit von 43 Minuten. Wenn Frau Meyer nahe eines Bahnhofs wohnt könnte Lillebrør leicht innerhalb von 2 Stunden in Ibbenbüren angekommen sein. Nach Bielefeld gibt es ebenfalls eine Direktverbindung. Ein weiteres Indiz wäre gegeben, wenn Lillebrør bereits mit Bahnfahrten vertraut ist.
Wenn Frau Meyer meine These für stichhaltig erachtet, könnte sie einmal an einem Freitag auf der in Frage kommenden Bahnstrecke zu gleichen Zeit wie am Tag des Verschwindens mit Lillebrør eine Fahrt machen. Vielleicht erinnert sich einer der Reisenden an Lillebrør. Sie hätte dann zumindest die Gewissheit, dass es niemand auf Lillebrør abgeshen hat. Die folgende Pressemeldung könnte dann zudem Reisende und Bahnangestellte für das Thema sensibilisieren.
Sinnvoll wäre im Fall Lillebrørs auch, ihn mit einer Identifikationsnummer auszustatten, so dass ein Finder ihn zukünftig schneller seiner Halterin melden könnte.
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