Kreis will unbegleitete minderjährige Flüchtlinge fördern – Jugendgästehaus als Unterkunft
Beim Personal wird es eng

Rödinghausen (WB). Über die künftige Nutzung des Jugendgästehauses des Kreises Herford in Rödinghausen hat am Donnerstag der Betriebsausschuss der Einrichtung diskutiert. Geplant ist, die jetzige Notunterkunft ein weiteres Jahr lang zur Unterbringung von Flüchtlingen zu nutzen.

Freitag, 26.02.2016, 18:44 Uhr aktualisiert: 26.02.2016, 18:47 Uhr
Das Jugendgästehaus des Kreises Herford in Rödinghausen wird seit Ende September 2015 vorübergehend als Notunterkunft für bis zu 300 Flüchtlinge genutzt. Die Politik überlegt derzeit, das Gebäude für ein weiteres Jahr als Flüchtlingsunterkunft zu nutzen. Foto: Daniel Salmon
Das Jugendgästehaus des Kreises Herford in Rödinghausen wird seit Ende September 2015 vorübergehend als Notunterkunft für bis zu 300 Flüchtlinge genutzt. Die Politik überlegt derzeit, das Gebäude für ein weiteres Jahr als Flüchtlingsunterkunft zu nutzen. Foto: Daniel Salmon

Die Ausschussmitglieder stimmten einstimmig für diese Option. Endgültig muss allerdings der Kreistag am 11. März über das Thema beraten.

Nach bisherigem Sachstand soll die Nutzung des Gebäudes als Notunterkunft für bis zu 300 Flüchtlinge zum 31. März enden. Angedacht ist, dass nach Ablauf dieser Frist die Turnhalle wieder freigegeben wird.

60 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge

Im restlichen Gebäude sollen 60 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (UMF) im Alter zwischen 15 und 17 Jahren sowie 60 Flüchtlinge, die der Gemeinde Rödinghausen zugewiesen wurden, eine vorübergehende Bleibe finden.

Laut Norbert Burmann, Flüchtlingsbeauftragter des Kreises, sollen die folgenden zwölf Monate genutzt werden, um besser einschätzen zu können, wie die Flüchtlingssituation sich ab 2017 entwickeln wird. Zudem solle ein Konzept für die Wiederaufnahme des normalen Betriebes des Jugendgästehauses entwickelt werden.

In der Einrichtung wird keine Unterbringung der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge in Einzelzimmern möglich sein. Übergangsweise soll es laut Burmann wegen der Notsituation jedoch in Absprache mit dem Landesjugendamt möglich sein, dass andere Standards als die eigentlich vorgeschriebenen geduldet werden.

Er wies darauf hin, dass die vorübergehende Aussetzung des Betriebszweckes des Gästehauses steuerunschädlich sei und keine negativen Auswirkungen auf Mittel aus dem Konjunkturpaket II habe.

Kreis im Gespräch mit Trägern der Jugendhilfe

Derzeit sei der Kreis mit 13 verschiedenen Trägern der Jugendhilfe im Gespräch, um über eine geeignete Betreuung der jungen Flüchtlinge nachzudenken. Neben der Jugendhilfe Schweicheln seien auch viele kleine ambulante Träger an einer Zusammenarbeit mit dem Kreis interessiert.

Für 60 Jugendliche schreibe der Betreuungsschlüssel vor, 30 Betreuer zu stellen. Eine besondere Herausforderung sei es, jeden Jugendlichen seinen Anforderungen entsprechend zu fördern. »Wir dürfen diese jungen Menschen nicht nur verwahren, sondern müssen dafür sorgen, dass sie sich weiterentwickeln«, sagte Norbert Wellmann.

Burkhard Wolff (Linke) wollte wissen, wie verhindert werden könne, dass die Jugendlichen aus Rödinghausen »abhauen« und in Zentren wie Köln fahren. Burmann betonte, man könne niemanden einsperren. Er hoffe, dass durch Angebote wie Hausaufgabenbetreuung, Deutschunterricht und Trainings mit dem SV Rödinghausen viele Angebote geschaffen werden könnten, die die Jugendlichen im Ort halten.

Beschulung alleine nicht stemmbar

Betont wurde auch, dass die Gemeinde Rödinghausen allein die Beschulung der UMF nicht stemmen könne. Über eine Zusammenarbeit mit der Bünder Berufsschule müsse dringend nachgedacht werden.

Das Kreisjugendamt sei durch die Herausforderungen so ausgelastet, dass an anderer Stelle Angebote gestrichen werden müssten. Zum Beispiel müssten die Öffnungszeiten der Offenen Jugendarbeit verkürzt werden.

Der Markt an Sozialarbeitern, Sozialpädagogen und Verwaltungsmitarbeitern sei so leer gefegt, dass nur durch eine Umschichtung des Personals alle dringenden Aufgaben zu erfüllen seien. Am Dienstag, 1. März, findet im Haus des Gastes um 19 Uhr eine Infoveranstaltung zum Thema statt. Alle interessierten Bürger sind eingeladen.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3833630?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514621%2F
Legal vielleicht, legitim nicht
Unternehmer Clemens Tönnies. Foto: Oliver Schwabe
Nachrichten-Ticker