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Mo., 22.02.2016

Kate Kitchenham gibt Tipps zu Hundeerziehung und artgerechter Haltung »Tiere machen glücklich«

Kate Kitchenham (hier mit den Briards Jimmy und Loulou) dreht derzeit die dritte Staffel der Serie »Haustier-Check«. Kandidaten für die Sendung werden noch gesucht. Am Freitag fand sie Zeit, in Rödinghausen einen Vortrag über Hundeerziehung zu halten.

Kate Kitchenham (hier mit den Briards Jimmy und Loulou) dreht derzeit die dritte Staffel der Serie »Haustier-Check«. Kandidaten für die Sendung werden noch gesucht. Am Freitag fand sie Zeit, in Rödinghausen einen Vortrag über Hundeerziehung zu halten. Foto: Kathrin Brinkmann

Rödinghausen (WB). Kate Kitchenham hilft Menschen im ZDF-Haustier-Check, das passende Tier zu finden. Jetzt war sie auf Einladung der Akademie für Hundefreunde DOC n DOG in Brüngers Landwirtschaft zu Gast, um Hundehaltern Erziehungstipps zu geben. Redakteurin Kathrin Brinkmann hat ihr einige Tipps und Tricks entlockt.

Frau Kitchenham, warum wollen Menschen überhaupt ein Haustier halten?

Kate Kitchenham: Das Bedürfnis nach Zusammenleben mit einem Tier liegt in der menschlichen Natur begründet. Viele brauchen die Natur und Tiere, um sich wohl zu fühlen. Tiere machen glücklich. Schon ganz kleine Kinder reagieren intensiv auf Tiere. Sie lösen ein Wohlgefühl aus.

Gibt es Menschen, die besser kein Tier halten sollten?

Kitchenham: In manchen Lebenssituationen oder für manche Menschentypen ist es sicher nicht das Richtige. Nicht alle Menschen können sich in ihr Gegenüber einfühlen, egal ob es um Menschen oder Tiere geht. Aber eigentlich sind Haustiere eine gute Empathie-Schulung. Man lernt super von ihnen, Körpersprache zu deuten.

Wie finden Sie heraus, welches Tier zu wem passt?

Kitchenham: Oft bringen Menschen konkrete Vorstellungen mit. Die nehme ich ernst. Menschen, die ein Haustier anschaffen wollen, müssen verstehen, dass es nicht nur um sie geht. Deswegen sollten sie sich zuallererst mit den Bedürfnissen des Tieres intensiv auseinandersetzen. Nur das ist fair dem Tier gegenüber. Ein Hamster in einem engen Käfig mit Drahtgitter ist zum Beispiel falsch. Das entspricht nicht den Bedürfnissen. Viel passender ist ein umgebautes Aquarium mit Streu.

Meerschweinchen sind für Kinder nicht geeignet

Was für Tiere hatten Sie als Kind?

Kitchenham: Meine Mutter hat Labradore aus England gezüchtet. Ich bin als Kleinkind zwischen den Welpen herumgekrabbelt und habe im Welpenkorb übernachtet. Daher bin ich stark auf Hunde geprägt, habe aber auch Katzen, Eichhörnchen- oder Igelbabys großgezogen.

Sind Tiere in den Kinderzimmern nicht Tierquälerei?

Kitchenham: Ja. Kinder können durch ein Tier zwar Verantwortungsbewusstsein lernen, aber sie können allenfalls helfen. Vor allem sind es die Eltern, die die Verantwortung tragen. Aber viele Eltern machen es sich zu leicht. Da werden Meerschweinchen angeschafft, damit das Kind beschäftigt ist. Dabei sind gerade Meerschweinchen für Kinder gar nicht geeignet. Denn es handelt es sich um Beutetiere. Alles, was sich von oben nähert, deuten Meerschweinchen als absolute Gefahr. Also auch Kinderarme. Sie verfallen in eine Schreckstarre und verharren still auf dem Arm. Dabei haben sie Todesangst, auch wenn sie ganz still auf dem Schoß sitzen bleiben. Ein Meerschwein braucht immer mehrere Artgenossen. Es kann nur mit viel Geduld an Menschen gewöhnt werden. Die fehlt Kindern aber oft.

Wie kann man es besser machen?

Kitchenham: Meine Mutter sagte immer: »Bei mir lebt kein Tier im Käfig.« Wenn es schon ein Käfig sein muss, dann bitte der bestmögliche. Man sollte vor dem Haustierkauf immer Expertenrat einholen, sich umfassend informieren, Bücher lesen, Vorträge besuchen, verschiedene Tierheime oder Züchter ansehen, um Vergleiche zu haben.

Warum ist es nötig, dass man einen Hund erzieht?

Kitchenham: Der Mensch prägt den Hund. Er tritt für ihn in die Rolle des Erziehers, an dem er sich orientiert. Dabei sollte man viel über Hundeverhalten wissen und eine gute Sozialkompetenz haben, um Situationen richtig einschätzen zu können. Körpersprache, Einfühlungsvermögen und Freude am Spielen sind wichtig für eine positive, gelungene Erziehung und tolle Bindung. Auch sehr wichtig: Hunde brauchen ein Ausbildungsangebot. Sonst langweilen sie sich. Das beste Beispiel ist der Blindenführhund, der sein Herrchen sicher durch den Berliner Stadtverkehr leitet. Wenn man nach den Kommandos Sitz und Platz aufhört, unterfordert man den Hund. Das ist ähnlich wie beim Menschen: Der zieht auch um die Häuser und macht Ärger, wenn er nicht ausreichend ausgebildet wird.

Es gibt Leute, die Hunde anschaffen, um gefährlich zu wirken.

Kann man auch ältere Hunde noch erziehen?

Kitchenham: Durchaus. Es lohnt sich oft, einen Hund aus dem Tierheim zu holen. Das ist manchmal sogar einfacher, als bei Welpen ganz von vorne anzufangen. An Verhaltensproblemen muss natürlich gearbeitet werden, aber das kann auch Spaß machen und die Bindung vertiefen. Ganz wichtig: Wenn ich etwas verbiete, zum Beispiel das Jagen, muss ich dem Hund auf der anderen Seite eine Alternative bieten, damit ihm nicht langweilig wird. Ängstlichen Hunden kann ich durch Spiele Erfolgserlebnisse bieten, wenn ich sie auch mal gewinnen lasse.

Kann man auch Fehler bei der Erziehung machen?

Kitchenham: Ja. Ich kann einen Hund so erziehen, dass er liebevoller Besuchshund im Pflegeheim wird, ihn aber auch zur gefährlichen Killermaschine abrichten. Das ist keine Frage der Rasse. Viele Kampfhunde sind äußerst sensibel und hoch intelligent. Leider gibt es Leute, die diese Hunde anschaffen, um gefährlich zu wirken. Das ist immer ein sehr schlechter Grund, um sich ein Tier anzuschaffen.

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