Politiker beauftragen Verwaltung, ungenutzte Flächen zu veräußern
Freie Friedhofsflächen neu nutzen

Bünde (WB). Wenn es rein nach dem Platzbedarf ginge, könnte die Stadt Bünde zehn ihrer 14 Friedhöfe schließen. Denn nur 36 Prozent aller Friedhofsflächen sind tatsächlich belegt. Diese Zahlen sorgten am Montagabend im Haupt- und Finanzausschuss für reichlich Diskussionsbedarf.

Mittwoch, 11.05.2016, 09:35 Uhr aktualisiert: 11.05.2016, 09:37 Uhr
Neben den belegten Grabflächen auf dem Feldmarkfriedhof im Vordergrund gibt es große Gehölz- und Rasenflächen im Südwest-Bereich entlang der Herforder Straße, die herausgetrennt und als Wohnbaufläche veräußert werden könnten. Foto: Kathrin Brinkmann
Neben den belegten Grabflächen auf dem Feldmarkfriedhof im Vordergrund gibt es große Gehölz- und Rasenflächen im Südwest-Bereich entlang der Herforder Straße, die herausgetrennt und als Wohnbaufläche veräußert werden könnten. Foto: Kathrin Brinkmann

Vorangegangen war ein Antrag der Grünen, die forderten, einen Beitrag zur Haushaltskonsolidierung zu leisten, indem geprüft werden soll, welche Friedhofs- und Friedhofserweiterungsflächen nicht mehr benötigt werden und sich für eine andere Nutzung anbieten.

Axel Biermann von der Stadt Bünde präsentierte den Politikern das Zahlenwerk. Er betonte, dass durch die Veräußerung von Freiflächen langfristig ein großer Beitrag zur Haushaltskonsolidierung geleistet werden könne, wenn Flächen nicht mehr gepflegt werden müssten, jedoch stelle sich der Einspareffekt erst langfristig ein. Zudem sei ein »gehöriges Maß an Sensibilität« gefragt.

Die dichteste Belegung von Gräbern ist laut Verwaltung auf den Friedhöfen Ennigloh-Holtackerweg (63,5 Prozent), Bustedt (51,1 Prozent), Feldmark (45,3 Prozent) und Südlengern (44 Prozent) zu finden. Auf den Friedhöfen Habighorst (21,8 Prozent), Nordring (11,65 Prozent) und Ennigloh-Wollfeldstraße (18,6 Prozent) ist die Belegung so niedrig, dass bereits ein Auslaufen dieser Friedhöfe beschlossen wurde. Zwar werden dort keine neuen Nutzungsrechte für Gräber mehr vergeben, bestehende Rechte finden jedoch noch Berücksichtigung. Unter Umständen könnten sich diese noch auf die nächsten 100 Jahre auswirken.

Urnenbestattungen sind inzwischen häufiger als Sargbestattungen.

In Bünde sei ein klarer Wandel in den bevorzugten Bestattungsformen erkennbar. 2015 lag die Zahl der Urnenbestattungen mit 274 im zweiten Jahr in Folge über der Zahl der Sargbestattungen (217).

501 397 Euro seien 2015 für die Friedhofsunterhaltung ausgegeben worden. Durch die Erhebung von Grabgebühren seien im gleichen Jahr aber nur 286 099 Euro verfügbare Mittel eingenommen worden.

Die Zunahme der Urnenbestattungen in Bünde bedeute nicht unmittelbar, dass zusammenhängende Freiflächen entstehen. Vielmehr entstehe zunächst ein »Flickenteppich« aus freien und belegten Grabstätten. Eine mögliche andere Nutzung der ehemaligen Bestattungsflächen sei genau zu prüfen und nur sehr behutsam möglich. Ziel der Verwaltung sei die Schaffung zusammenhängender Grabflächen und dadurch die Entstehung freier, pflegeleichterer Vorhalteflächen. Es müssten Tabuflächen festgelegt werden, auf denen keine Bestattungen mehr durchgeführt und keine neuen Nutzungsrechte mehr vergeben werden dürften. Im Bedarfsfall müssten Ersatzgrabstätten angeboten werden können. Die Umnutzung von Teilflächen verringere die Pflegekosten. Auch eine Veräußerung von Teilflächen, die vermarktungsfähig seien, sei zu prüfen.

Verwaltung soll mit Veräußerung freier Flächen sofort beginnen.

Andrea Kieper (SPD) forderte, auf die Entwicklung zu reagieren. Man müsse auf frei werdenden Friedhofsflächen Bestattungsformen wie den Friedwald oder besondere Bestattungsarten anbieten, um attraktive Friedhöfe vorhalten zu können.

Joachim Simke (SPD) sagte, er könne sich nicht vorstellen, dass auf ehemaligen Grabflächen Bagger anrücken und Skelette entfernen. Selbst am Laurentiuskirchplatz, wo seit 150 Jahren niemand mehr bestattet worden sei, gebe es Beschwerden, wenn Autos dort parken. Einen Friedhof einfach so zu planieren, halte er für undenkbar.

Georg Kruthoff wünschte sich von der Verwaltung ein schnelleres Handeln und forderte, einen Plan vorzulegen, wie es weitergehen soll. Er forderte, bereits jetzt mit dem Veräußern freier Flächen zu beginnen. Auch Elmar Holstiege (Grüne) betonte, man müsse bereits heute überlegen, welche Flächen man über die Jahrzehnte nicht mehr belegen wolle, damit sich später irgendwann einmal Erfolg zeige. Einstimmig beschlossen die Politiker, dass die Verwaltung bis zur nächsten Sitzung eine Übersicht mit allen Flächen erstellen soll, die für andere Bestattungsformen genutzt werden könnten. Zudem sollen Friedhofsflächen, die bisher nicht für Gräber genutzt wurden (siehe Kasten), zeitnah einer anderen Nutzung zugesprochen werden.

Mögliche Flächen, die nicht genutzt werden:

Zu Friedhofsflächen, die nicht für Bestattungen genutzt wurden, die also anderweitig genutzt werden könnten, zählen: Ennigloh-Holtackerweg : 10 000 Quadratmeter Rasenfläche an Westseite, Eignung als Ackerfläche, Acker oder Grünland. Vorab ist die Prüfung des Flächenbedarfs für eine eventuelle Erweiterung des muslimischen Gräberfeldes nötig. Feldmarkfriedhof: Gehölz-/Rasenfläche im Süd-Westen entlang der Herforder Straße, Heraustrennen als Wohnbaufläche möglich. Holsen: 4400 Quadratmeter Acker (Westseite) und 2100 Quadratmeter Rasen im Südwesten sind als Baulandfläche ausgewiesen, Erschließung wegen isolierter Lage schwierig. Südlengern: 2550 Quadratmeter Rasenfläche an Südgrenze, Heraustrennen als Wohnbaufläche möglich. Habighorst: 3050 Quadratmeter extensives Grünland, Heraustrennen als Ausgleichs-/Forstfläche möglich. Spradow: 12 300 Quadratmeter Fichtenkultur. Heraustrennen als Ausgleichs-/Forstfläche möglich. Auf den Friedhöfen Ahle , Bustedt und Feldmark gibt es zusammenhängende Flächen, die nicht herausgetrennt werden können.

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