Meinungen der Fraktionen gehen stark auseinander
Freibad-Areal sinnvoller nutzen?

Bünde (WB). Als »Ressourcenverschwendung« hat Bürgermeister Wolfgang Koch das Freibad am Standort in Bünde-Mitte neben dem Steinmeisterpark am Mittwoch in einem Pressegespräch bezeichnet. Er sei optimistisch, dass man das Areal anders besser nutzen könne.

Freitag, 10.06.2016, 06:00 Uhr
Das Freibad in Bünde-Mitte ist sanierungsbedürftig. Nach den Sommerferien muss die Politik entscheiden, wie es weitergehen soll. Foto: Daniel Salmon
Das Freibad in Bünde-Mitte ist sanierungsbedürftig. Nach den Sommerferien muss die Politik entscheiden, wie es weitergehen soll. Foto: Daniel Salmon

Das Freibad selbst werde nämlich nur vier Monate im Jahr genutzt und bildlich gesprochen klebe die Stadt jedem Besucher, der das Bad nutze, einen 10-Euro-Schein an die Badehose, um das Bad zu finanzieren.

Andrea Kieper, SPD-Fraktionsvorsitzende, erklärte auf Anfrage, dass sie diese Ansicht des Bürgermeisters nicht teilt. »Die SPD ist, was den Standort des Freibades angeht, generell ergebnisoffen, favorisiert aber den Standort Bünde-Mitte. Dieser Standort hat sich seit Jahrzehnten etabliert und liegt wunderschön«, sagte sie. Zudem habe sich herauskristallisiert, dass der überwiegende Teil der Bevölkerung für das Freibad am Standort Bünde-Mitte sei. Und zwar für die Variante mit 50-Meter-Becken.

»Natürlich ist das teuer. Aber es ist auch ein Alleinstellungsmerkmal. Die nächste 50-Meter-Schwimmbahn gibt es erst in Herford im Kleinen Feld«, so Kieper. Betriebswirtschaftlich gesehen sei vielleicht eine Zentralisierung am Standort Ennigloh sinnvoller. »Aber wir haben zwei große Schulstandorte. Bünde-Mitte und Ennigloh. Aus unserer Sicht ist es auch deshalb nicht sinnvoll, das Freibad nach Ennigloh zu verlegen. Bei einem Neubau in Bünde-Mitte müsste man allerdings energetisch absolut drauf achten, das Optimum rauszuholen.«

Ich weiß nicht, ob allen Bürgern klar ist, was sie eigentlich für das Freibad zahlen müssen.

Stefanie Janßen (Bündnisgrüne)

Wenn der Bürgermeister von »anderen Plänen« für den Steinmeisterpark spreche, werde sie sofort hellhörig. »Es gab mal einen Antrag von CDU, UWG und FDP, das Areal zu bebauen und als ›Wohnen am Fluss‹ zu vermarkten. Wer weiß denn schon, ob diese Pläne wirklich komplett ad acta gelegt wurden«, so Kieper.

Stefanie Janßen (Bündnisgrüne) sagte, es sei nicht einfach, das Für und Wider abzuwägen. »Vielleicht hätte ich vor einem halben Jahr noch gesagt, dass in Bünde das Freibad komplett überflüssig ist. Aber inzwischen ist klar, dass viele Bürger das Freibad unbedingt wollen.« Innerhalb der Fraktion seien die Grünen bei diesem Thema nicht gänzlich einer Meinung. »Ich weiß nicht, ob allen Bürgern klar ist, was sie eigentlich für das Freibad zahlen müssen.«

Wenn die Bürger für das Freibad seien, dann müsse dieser Wunsch jedoch umgesetzt werden. »Politik ist für die Bürger da, nicht umgekehrt.« Zunächst gelte es, die Machbarkeitsstudie abzuwarten. »Danach sollte man die Bürger fragen, was sie wollen. Denn die sind es ja auch, die das Freibad am Ende bezahlen. Daher müssen sie unbedingt mit ins Boot geholt werden.«

Das Freibad in Bünde-Mitte sollte an dieser Stelle keinesfalls aufgegeben werden.

Armin Kuschel (UWG)

Armin Kuschel (UWG) erklärte, für die UWG habe das Freibad am Standort Bünde absolute Priorität. »Wenn es finanziell irgendwie möglich ist auch mit Erhaltung der 50-Meter-Bahn. Für eine ergänzende Nutzung, zum Beispiel durch Sportangebote an dieser Stelle, sind wir offen. Aber das Freibad sollte an dieser Stelle keinesfalls aufgegeben werden.«

Für die FDP formulierte Stadtverbandsvorsitzender Martin Lohrie: »Wir müssen wissen, wohin die Reise in Sachen Freibad geht: Wird Bünde-Mitte saniert oder Ennigloh ausgebaut?« Standortvorlieben hätten die Liberalen zwar nicht, aber man solle den Kostenaspekt nicht aus den Augen verlieren. »Man kann mit uns über alles sprechen, nur nicht über Wohnbebauung«, meinte Lohrie mit Blick auf eine etwaige andere Nutzung des derzeitigen Standorts Bünde-Mitte.

Fest steht, dass das Freibad in einem guten Sommer höchstens drei Monate genutzt wird.

Georg Kruthoff (CDU)

Bei den Bünder Christdemokraten gebe es in Sachen Freibad noch keine abschließende Meinungsbildung, sagte Fraktionschef Georg Kruthoff: »Aber vielleicht denkt unsere Fraktion in dieser Sache ja auch nicht einheitlich.« Fest stehe, dass spätestens nach den Sommerferien eine politische Entscheidung zur Zukunft der Bünder Bäderlandschaft fallen sollte. Kruthoff: »Fest steht auch, dass das Freibad in einem guten Sommer höchstens drei Monate genutzt wird.« Man könne daher auch darüber nachdenken, auf dem Areal andere Angebote zu platzieren, »die man dann vielleicht elf Monate nutzen könnte.« »Aber auch das wäre mit Investitionen verbunden«, so der Fraktionssprecher. Kruthoff betonte, dass Entscheidungen in dieser Sache nicht emotional, sondern rational fallen sollte. »Aber man sollte auch die Schulen nicht vergessen, die Schwimmunterricht anbieten müssen.«

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