Bahn fällt fast alle Bäume – Kritik vom Nabu
Kahlschlag entlang der Gleise

Bünde (WB). Einen radikalen Kahlschlag nimmt die Deutsche Bahn derzeit entlang der Gleisstrecke durch Bünde vor. Praktisch alle Bäume entlang der Bahn werden gefällt, Sträucher bis auf den Stock zurückgeschnitten. Mit dieser Aktion stößt die Bahn nicht nur bei Anwohnern, sondern auch beim Naturschutzbund (Nabu) auf Kritik.

Freitag, 03.02.2017, 10:21 Uhr aktualisiert: 03.02.2017, 15:34 Uhr
Fällaktion an der Grabenstraße in Spradow: Die komplette Baumreihe an den Bahngleisen ist innerhalb weniger Stunden gefällt worden. Darunter gesunde Eichen, Erlen und Ahorne, die teilweise mehrere Jahrzehnte alt waren. Foto: Hilko Raske
Fällaktion an der Grabenstraße in Spradow: Die komplette Baumreihe an den Bahngleisen ist innerhalb weniger Stunden gefällt worden. Darunter gesunde Eichen, Erlen und Ahorne, die teilweise mehrere Jahrzehnte alt waren. Foto: Hilko Raske

Die Bahn begründet ihr Vorgehen mit der Verkehrssicherungspflicht. »Wir müssen nicht mehr standsichere Bäume fällen«, sagt ein Bahnsprecher. Zudem müsse die Bahn Gleise und andere Bahnanlagen von Bewuchs freihalten, der zum Beispiel die Sicht auf die Signale behindert. Alle Bäume, die gefällt würden, seien Pappeln oder lange, sehr dünne Gewächse, die ganz oder teilweise in Hanglage stehen würden und beispielsweise bei durch Regen aufgeweichtem Boden umzustürzen drohten. Generell gelte, dass die Bahn Bäume und die betroffenen Gleisabschnitte regelmäßig begutachte. »Hier hat sich aber der Baumbewuchs so schlecht entwickelt, dass Fällungen erforderlich wurden«, so der Bahnsprecher. Die Bahn sei aber bemüht, im Rahmen der Vegetationsarbeiten den Eingriff in die Natur so gering wie möglich zu halten. »Auch der Schutz der Anlieger vor Gefahren wie herabfallende Äste oder umstürzende Bäume ist uns wichtig.«

»Rückschnitt wäre auch abschnittsweise möglich«

Selbstverständlich gehe es der Bahn auch um die Verkehrssicherheit, sagt Friedhelm Diebrok , Vorsitzender des Nabu-Kreisverbandes Herford . Wenn man sich aber mit Bahnmitarbeitern unterhalte, bekomme man regelmäßig zu hören, dass durch Bäume oder Äste auf den Gleisen oder in den Oberleitungen Schäden entstünden. »Das bedeutet für die Bahn Kosten in Millionenhöhe. Hinzu kommen dann noch die Verspätungen.« Mit diesem Argument sei die Bahn auch an Anwohner an der Bahnstrecke herangetreten, auf deren Grundstücken Bäume in Nähe der Gleise wachsen würden. »Man hat sie aufgefordert, die Bäume in den Privatgärten fällen zu lassen – mit dem Hinweis darauf, dass sie haftbar gemacht würden, wenn Bäume beispielsweise durch einen Sturm auf die Gleise stürzen.« Die alten Sicherheitsabstände und das Prinzip »nur kranke Bäume weg« gelten anscheinend nicht mehr, so Diebrok. Natürlich habe er als Naturschützer Verständnis für das Bedürfnis nach Verkehrssicherheit. »Aber es sind auch andere Vorgehensweisen möglich. So hätte man abschnittsweise einen angemessenen Rückschnitt vornehmen können. Und das Totholz hätte man liegen lassen sollen, um entlang der Bahnstrecke Lebensräume für Kleintiere zu schaffen.« Über Jahrzehnte hinweg, so Diebrok, habe die Bahn derartige Pflegearbeiten vernachlässigt. »Jetzt soll alles auf einmal vorgenommen werden.«

Stadtverwaltung muss Genehmigung erteilen

Werden derartige Fällarbeiten im innerstädtischen Bereich vorgenommen, muss die Stadt sie genehmigen. »Da es hier um Fragen der Verkehrssicherheit geht, mussten wir unser Einverständnis erklären«, sagt der zuständige Amtsleiter Klaus Walter . Die Bahn sei aber aufgefordert worden, entsprechende Ersatzpflanzungen vorzunehmen.

In Außenbereichen muss die Zeit beachtet werden

Für die Außenbereiche – beispielsweise im Ortsteil Spradow – muss die Bahn überhaupt keine Genehmigung einholen. »Hier müssen die Verantwortlichen nur darauf achten, dass die Fällarbeiten innerhalb der dafür vorgesehenen Zeitspanne vom 1. Oktober bis zum 28. Februar vorgenommen werden«, informiert Karl-Heinz Diekmann, Abteilungsleiter für den Bereich Naturschutz beim Kreis Herford. Bei den Bäumen und Hecken entlang der Bahnstrecke würde es sich zudem um so genanntes »Verkehrsbegleitgrün« handeln. »Das bedeutet, dass es sich um keine Hecke im Sinne des Naturschutzgesetzes handelt.« Von der Gesetzeslage her könne die Bahn also alles schneiden und fällen, was sie auf ihrem Gelände wolle.

Kommentare

Michael Schönow  schrieb: 06.02.2017 13:28
nun ja
die Bahn, wie wäre es mit einer Verkehrssicherheitspflicht und Lärmschutz? Alleine an der Bahnlinie von Herford in Richtung Hannover - SCHWEICHELN- da kann man immer auf die Gleise laufen, Kinder und dann der Lärm, 24 Stunden land, aber das interessiert diese Bahn rein gar nichts. Dafür sollen die mal sorgen und die zuständigen Behörden und Bürgermeister sollten mal da was unternehmen, oder ist das zuviel verlangt???
1 Kommentare
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