Bei einer Verurteilung zu einer langen Gefängnisstrafe droht Ljuan M. (46) die Abschiebung
Auto-Attacke: viereinhalb Jahre Haft gefordert

Bünde/Bielefeld (WB). Viereinhalb Jahre Haft: Dieses Strafmaß hat die Staatsanwaltschaft für den Bünder Ljuan M. gefordert, der sich wegen versuchten Mordes in sieben Fällen seit Monatsbeginn im so genannten »Auto-Attacke-Prozess« vor der I. Großen Strafkammer des Bielefelder Landgerichts verantworten muss. Zudem soll der Mann seinen Führerschein abgegeben.

Samstag, 25.02.2017, 07:00 Uhr aktualisiert: 25.02.2017, 16:56 Uhr
In diesem Hinterhof eines Nachtclubs an der Bahnhofstraße hatte sich die Auto-Attacke im August 2016 ereignet. Foto: Daniel Salmon
In diesem Hinterhof eines Nachtclubs an der Bahnhofstraße hatte sich die Auto-Attacke im August 2016 ereignet. Foto: Daniel Salmon

Dr. Detlev Binder , der Verteidiger des 46-Jährigen, hat in der Sitzung des Schwurgerichtsprozesses am Donnerstag auf zwei Jahre Haft für seinen Mandanten plädiert.

Wagen in Gästegruppe gesteuert

Wie berichtet, steuerte der Angeklagte in den frühen Morgenstunden des 28. August vergangenen Jahres seinen VW Passat in den Hinterhof eines Nachtclubs an der Bahnhofstraße, bremste kurz ab und fuhr dann in eine Bierzeltgarnitur, an der zehn Gäste einer Geburtstagsfeier saßen. Mehrere Personen wurden dabei verletzt. Festgehalten wurden die dramatischen Szenen auf einer Überwachungskamera. Die Anklage wirft Ljuan M. vor, in voller Absicht gehandelt zu haben.

Im Anschluss an diese Auto-Attacke wollte der 46-Jährige mit seinem Wagen türmen. Als ihm das nicht gelang, soll er mit einem Schraubendreher aus seinem Auto heraus auf die Umstehenden eingestochen und so eine weitere Person verletzt haben. Ljuan M. flüchtete, stellte sich aber wenig später der Polizei. Seither sitzt der Bünder in Untersuchungshaft.

Ljuan M. stand unter Drogeneinfluss

Am zweiten Verhandlungstag standen vor den Plädoyers von Anklage und Verteidigung auch noch die Aussagen von einigen Sachverständigen zu dem Fall an. »Einer erläuterte, dass mein Mandant zum Tatzeitpunkt vermindert steuerungsfähig war. Er hatte vorher Alkohol, Kokain und Crystal Meth konsumiert«, erklärte Detlev Binder.

Entgegen den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft glaubt der Verteidiger, dass man dem Bünder nur gefährliche Körperverletzung vorwerfen könne. »Ich gehe nicht von einem Tötungsvorsatz meines Mandanten aus.« Dieser hatte sich bei der Verhandlung am vergangenen Donnerstag für seine Tat entschuldigt.

Abschiebung droht

Für Ljuan M., der bereits mehrfach wegen anderer Delikte polizeilich in Erscheinung getreten ist, hängt von der Höhe des Strafmaßes einiges ab. Denn er ist kein deutscher Staatsangehöriger, sondern Serbe. Und sollte das Gericht bei seinem Urteil den Forderungen der Anklage folgen, könnte ihm die Abschiebung aus der Bundesrepublik drohen. »Es hängt von der Höhe der Strafe ab, ob ausländerrechtliche Maßnahmen ergriffen werden. Ab einer Verurteilung zu drei Jahren Haft könnte es problematisch werden, dann könnte eine Abschiebung drohen«, so Detlev Binder.

Das Urteil in dem Prozess wird die Kammer voraussichtlich am Mittwoch, 1. März, verkünden.

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