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Mi., 22.03.2017

Diskussion zwischen Landwirten und Verwaltungsspitzen – Häcker-Erweiterung Thema Flächenverbrauch bereitet Sorgen

Hans-Theo Bredemeier (Vorsitzender Ortsverband Kirchlengern), Rüdiger Meier (Bürgermeister Kirchlengern), Günther Berg (Erster Beigeordneter Stadt Bünde) und Karl-Heinz Uthoff (Vorsitzender Ortsverband Bünde) diskutierten über den Flächennutzung.

Hans-Theo Bredemeier (Vorsitzender Ortsverband Kirchlengern), Rüdiger Meier (Bürgermeister Kirchlengern), Günther Berg (Erster Beigeordneter Stadt Bünde) und Karl-Heinz Uthoff (Vorsitzender Ortsverband Bünde) diskutierten über den Flächennutzung.

Von Thorben Lippert

Bünde (WB). »Wo drückt der Schuh?«: Diese Frage stellten sich die landwirtschaftlichen Ortsverbände Kirchlengern und Bünde in ihrer Diskussion am Dienstagabend. Mit dabei: Kirchlengerns Bürgermeister Rüdiger Meier und Bündes Erster Beigeordneter Günther Berg. Auch ihnen war am Ende klar, dass der Schuh an mehreren Stellen gehörig drückt.

Schon das Interesse an der Diskussion mit den Stadtvertretern war groß. So hatten sich mehr als 50 Teilnehmer in der Gaststätte Erdbrügger eingefunden, mit Friedhelm Diebrok war auch ein Vertreter des Naturschutzbundes (Nabu) gekommen. Und das war auch gut so. Denn in erster Linie stand der Interessenskonflikt zwischen Gewerbe, Landwirtschaft und Naturschutz im Raum.

Der Streitpunkt zwischen den Parteien ist immer wieder die Flächennutzung. Werden Flächen für die gewerbliche Nutzung freigegeben, müssen Ausgleichsflächen für den Naturschutz her – und das sind meistens landwirtschaftliche Flächen.

»Die Industrie ist wichtig – aber wir sind es auch«

Bündes Ortsverbandsvorsitzender Karl-Heinz Uthoff fasste das Problem vieler Landwirte treffend zusammen: »Wir konkurrieren alle um die Flächen. Die Industrie ist wichtig – aber wir sind es auch.« Berg konnte die Anwesenden indes beruhigen: »In Bünde ist die landwirtschaftliche Nutzfläche in den vergangenen Jahren kaum zurückgegangen, wir sprechen da von ungefähr drei Prozent.« Brachliegende Flächen zum Ausgleich wolle auch die Stadt loswerden, Probleme gebe es dann aber unter anderem beim Denkmalschutz.

Beispielhaft für die Auseinandersetzung um die Flächennutzung wird der Disput um das geplante Häcker-Werk in Muckum sein. Das vom Küchenkonzern favorisierte Gebiet steht wegen seiner guten Lage auch bei den Landwirten hoch im Kurs – und liegt zudem in einem Landschaftsschutzgebiet, das charakteristische Merkmale des Ravensberger Hügellandes bewahren soll.

Kirchlengerns Bürgermeister Meier mahnte aber: »Wir von den Städten und Gemeinden sind Dienstleister für die Bürger – und die haben verschiedene Interessen. Wir müssen bei solchen Sachen eine möglichst hohe Trefferquote erreichen.« Und die größte Trefferquote ergibt sich – laut Berg – wohl bei einer Erweiterung des Werks. Denn: »Das Unternehmen hat eine Bedeutung über Rödinghausen und auch über Bünde hinaus. Deswegen muss die Umsetzung eine regionale Kraftanstrengung sein.« Zum Zeitplan konnte er dann aber weniger sagen: »Das Unternehmen braucht auch irgendwann Sicherheit. Wir wollen in absehbarer Zeit ein Ergebnis erzielen.«

Grundsteuersystem ungerecht

Ebenfalls wichtig für die Anwesenden war das Thema Grundsteuer. Denn sowohl die zwei Verwaltungsvertreter als auch die Landwirte waren sich einig, dass das jetzige Grundsteuersystem ungerecht sei – und das schon seit Jahren. Aufwertungen von Flächen würden sich zu wenig in den Abgaben widerspiegeln. Berg und Meier konnten aber nicht groß weiterhelfen. Die Gestaltung der Grundsteuer sei größtenteils Bundessache. Eine Änderung erwarten beide in den nächsten Jahren nicht.

Durch steigende Kosten bezüglich des Naturschutzs, aber auch durch sinkende Preise für die eigenen Erzeugnisse werde die Belastung für die einzelnen landwirtschaftliche Betriebe immer größer, betonte Ortsverbandsvorsitzender Karl-Heinz Uthoff. Er mahnte: »Für uns wird alles teurer, aber wir müssen das in den Betrieben kompensieren. Das geht nur, wenn wir die Stückkosten senken, also die Produktion erhöhen.« Das wiederum sei für viele Betriebe nicht leistbar, Flächen seien rar gesät und außerdem würden so auch die Preise für ihre Erzeugnisse immer weiter sinken. Die Landwirtschaft befindet sich in einem Teufelskreis – an diesem Abend konnte er noch lange nicht durchbrochen werden. Dennoch waren sich alle Anwesenden darin einig, dass es eine fruchtbare Diskussion gewesen sei.

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