Fertigeigenheim aus dem Iran bei Transport beschädigt – Bünder stellt Strafanzeige gegen Bauträger
Pfusch-Haus ruiniert Familienvater (34)

Bünde/Melle (WB). Mit einem dicken Leitz-Ordner in der Hand steht Dirk H. (34) vor der Innentreppe seines Eigenheims, in dem er nie wohnen wird. In der Mappe: Ein Gutachten, das den desaströsen Zustand des Fertighauses beschreibt. Auf den Familienvater wartet nun die Privatinsolvenz.

Samstag, 01.07.2017, 07:00 Uhr aktualisiert: 01.07.2017, 12:08 Uhr
Das Wunscheigenheim in Neuenkirchen wurde für Dirk H. zum Albtraum. Ein von ihm in Auftrag gegebenes Gutachten bescheinigt, den desaströsen Zustand des Hauses. Foto: Daniel Salmon
Das Wunscheigenheim in Neuenkirchen wurde für Dirk H. zum Albtraum. Ein von ihm in Auftrag gegebenes Gutachten bescheinigt, den desaströsen Zustand des Hauses. Foto: Daniel Salmon

Das Haus des Bünders steht im Meller Ortsteil Neuenkirchen. Ein hessischer Bauträger hat das Gebäude in Modulbauweise direkt an der Hauptstraße errichten lassen. Eigentlich wollte Dirk. H. mit Ehefrau Jessica, seiner Tochter (3) und dem kleinen Sohn (1) bereits seit letztem Sommer dort wohnen. »Es war unser Traumhaus, aber es hat sich in einem Albtraum verwandelt.« Denn: Die Module wurden im Iran gefertigt, kamen nach einem Zwischenstopp in der Türkei durchnässt, verschimmelt und verrostet in Deutschland an.

Aufgebaut wurde das Haus trotzdem. Für Dirk H. und seine Familie begann eine Odyssee, die man seinem schlimmsten Feind nicht wünscht. Zwar habe der Bauträger immer wieder versichert, die Schäden zu beseitigen. Teilweise verlaufen hinter manchen Wasserhähne jedoch heute noch keine Leitungen – aber das ist nur die Spitze des Eisbergs. Zudem: An dem vernichtenden Ergebnis, das ein Gutachten nun bescheinigt, änderten auch vermeintlichen Ausbesserungsversuche nichts. »Keiner weiß, ob das Haus standfest ist. Die gesamte Statik ist gar nicht abgenommen. Es bleibt nur der Abriss«, sagt Dirk H. ernüchtert. Selbst die Experten der TV-Doku Reihe »Die Bauretter« hätten ihm nicht helfen können. Laut dem 34-Jährigen macht der Bauunternehmer den Spediteur für die massiven Schäden an dem Pfusch-Haus verantwortlich.

WESTFALEN-BLATT hatte Wohnung vermittelt

Für den Traum vom 120 Quadratmeter großen Eigenheim in ländlicher Idylle – inklusive zwei Kinderzimmern und einem Nähraum für seine Frau – hatte der Familienvater Kredite in sechsstelliger Höhe aufgenommen. »Nachdem wir dank eines Berichts im WESTFALEN-BLATT zwischenzeitlich mietfrei in einer Wohnung in Herford wohnen konnten, leben wir nun in Bünde. Da ich Miete und Darlehenstilgung nicht gleichzeitig stemmen kann, bediene ich die Kredite seit diesem Monat nicht mehr«, sagt Dirk H., der mittlerweile auch zur Schuldnerberatung nach Löhne geht: »Das ist die Vorbereitung auf die Privatinsolvenz.«

Die Statik an dem Haus ist fehlerhaft. Es muss laut Dirk H. abgerissen werden.

Die Statik an dem Haus ist fehlerhaft. Es muss laut Dirk H. abgerissen werden. Foto: Daniel Salmon

Der Familienvater sagt: »Hinter uns liegt eine harte Zeit, aber wir wollen nach vorne blicken. Auch wegen der Kinder.« Dirk H. will auch andere auf seine Geschichte aufmerksam machen. »Mein Wunsch ist, dem Bauträger das Handwerk zu legen, damit er nicht einfach so weiter machen kann und auch andere Familien ins Unglück stürzt. Ich rate jedem: Vor dem Hausbau sollte man die Verträge von einem Anwalt prüfen lassen. Die 400 Euro Kosten sind es wert. Leider haben wir das nicht gemacht.«

Strafanzeige gestellt

Der Neu-Bünder hat sich mittlerweile einen Anwalt genommen, Strafanzeige gegen den Unternehmer gestellt – wegen Betrugs und arglistiger Täuschung. Es ist die einzige Chance für Dirk. H., vielleicht noch einen Teil seines Geldes wiederzubekommen.

Der hessische Bauträger hatte für seine Angebote unter anderem mit dem Qualitätsmerkmal »Made in Germany« geworben. »Hätte ich gewusst, dass das Haus aber im Iran gefertigt wird, hätte ich es niemals gekauft. Angeblich soll sich ›Made in Germany‹ nur auf die Beratungsleistungen bezogen haben.« Ein angebliches Sperrkonto, auf das Dirk H. die Gelder für den Hausbau einzahlte, habe sich später als einfaches Tagesgeldkonto herausgestellt.

Der Familienvater sagt: »Alles, was uns nun geblieben ist, sind ein Haufen Schrott und ein Schuldenberg.«

Das sagt der Bauträger

»Wir sind in der Sache nicht mehr zuständig. Das macht mittlerweile ein Berliner Unternehmen«, erklärt Detlev O. auf Anfrage. Die Firma in der Hauptstadt habe aber früher ebenfalls zur Unternehmensgruppe gehört, so der ehemalige Bauträger. Er meint: »Das Haus abzureißen wäre totaler Blödsinn mit einigen wenigen Handgriffen könnte man dort in vier Wochen einziehen. Bei Heizung, Elektrik und Balkontüren müsste man etwas nachbessern und fertig.« Auf die Statik des Hauses angesprochen sagt Detlev O.: »Wir haben mit einem Statiker aus Deutschland gesprochen. Der würde die Statik neu berechnen und gut. Das würde 10 000 Euro kosten.«

Für die massiven Schäden am Haus macht der Bauunternehmer das Transportunternehmen verantwortlich. »Uns tat das wirklich leid, dass das alles so gekommen ist.« Laut O.’s Aussage habe er das Haus auch bis auf die Grundmauern zurückbauen wollen, um die Mängel zu beheben. Aus seiner Sicht habe Dirk H. in der Sache aber nicht kooperiert.

Zudem behauptet O. der Bünder habe im Vorfeld auch gar kein Sperrkonto einrichten lassen wollen – obwohl es im angeboten worden sein soll: »Das hätte Bankgebühren gekostet. Und die wollte er wohl nicht bezahlen.«

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