Versuchter Totschlag: Junger Bünder (18) muss viereinhalb Jahre in den Knast
Haftstrafe für Messerstecher

Bünde (WB). Die juristische Aufarbeitung der blutigen Messerattacke auf dem Parkplatz an der Bünder Laurentiuskirche hat am Mittwochmittag ein – vorläufiges – Ende gefunden. Dem 18-jährigen Angreifer droht ein lange Haftstrafe.

Donnerstag, 19.10.2017, 07:00 Uhr
Auf dem Parkplatz an der Laurentiuskirche hatte sich die Bluttat im April diesen Jahres ereignet. Blutspuren und Polizei-Zeichnungen auf dem Pflaster zeugten von der Attacke. Foto: Daniel Salmon
Auf dem Parkplatz an der Laurentiuskirche hatte sich die Bluttat im April diesen Jahres ereignet. Blutspuren und Polizei-Zeichnungen auf dem Pflaster zeugten von der Attacke. Foto: Daniel Salmon

Die Jugendkammer des Bielefelder Landgerichts verurteilte den jungen Mann wegen versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung zu einer viereinhalbjährigen Jugendstrafe. Er hatte einem 19-Jährigen mit einem Messer viermal in den Rücken gestochen. »Das Opfer war lebensgefährlich verletzt worden, hatte die Hälfte seines Blutes verloren, bevor es von einer zufällig vorbeikommenden Polizeistreife entdeckt wurde«, so Landgerichtssprecher Guiskard Eisenberg. Da der Angeklagte zum Tatzeitpunkt im April diesen Jahres noch nicht volljährig war, hatte das mehrtägige Schwurgerichtsverfahren unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattgefunden.

Streit unter Jugendlichen eskalierte

Die Tat hatte sich am späten Abend des 9. April ereignet. Auf dem Parkplatz in der Bünder City waren zunächst zwei Gruppen Jugendlicher und Heranwachsender in Streit geraten. Auslöser des Konflikts soll nach Angaben der Staatsanwaltschaft eine Beleidigung gewesen sein. Demnach soll sich der Ex-Freund (25) eines Mädchens abfällig über den neuen Partner der jungen Frau geäußert haben. Bei letzterem handelt es sich um das 19-jährige Opfer.

Die zunächst verbale Auseinandersetzung eskalierte schließlich. Zwischen Freund und Ex-Freund kam es zu einer Schlägerei. Dann verletzte der nun Verurteilte, der den 25-Jährigen zu dem Treffen begleitet hatte, erst zwei weitere Beteiligte mit Reizgas, ehe er das Messer zückte und gleich mehrmals zustach. Später in der Nacht hatte sich der Täter dann der Polizei gestellt.

Anklage lautete auf versuchten Mord

Die Anklage hatte ursprünglich auf versuchten Mord gelautet. Die Vertreter der Bielefelder Staatsanwaltschaft sahen das Delikt-Merkmal der Heimtücke bei der Messerattacke erfüllt. »Das setzt allerdings auch die Arg- und die Wehrlosigkeit des Opfers voraus. Und diesen Umstand sah die Kammer nicht als gegeben an«, so Guiskard Eisenberg. Schließlich habe das Opfer, während es sich mit seinem Kontrahenten prügelte gewusst, dass der spätere Angreifer auch auf dem Parkplatz war.

Als strafverschärfend habe das Gericht jedoch den »denkbar geringfügigen Anlass« gewertet, der letztlich der Auslöser für den blutigen Messerangriff war. »Hinzu kam noch, dass der Angeklagte vom Streit eigentlich gar nicht betroffen war«, betonte der Gerichtssprecher.

Strafverteidiger Carsten Ernst hatte auf eine Verurteilung seines Mandanten nur wegen gefährlicher Körperverletzung plädiert. Dem folgte das Gericht aber nicht.

Wenn binnen einer Woche keine Rechtsmittel eingelegt werden, wird das Urteil rechtskräftig.

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