Fr., 22.12.2017

Hammer Forum will medizinische Versorgung in Guinea-Bissau verbessern Verträge sind unterzeichnet

Das Caritas-Hospital »Sao José em Bôr« ist das einzig gut ausgestattete Krankenhaus in Guinea-Bissau. Hier operierte Dr. Theophylaktos Emmanouilidis neun Kinder – schwere Fälle, wie er selber die Operationen beschreibt.

Das Caritas-Hospital »Sao José em Bôr« ist das einzig gut ausgestattete Krankenhaus in Guinea-Bissau. Hier operierte Dr. Theophylaktos Emmanouilidis neun Kinder – schwere Fälle, wie er selber die Operationen beschreibt.

Von Hilko Raske

Bünde (WB). Krankenhausbetten, die noch aus der Zeit als portugiesische Kolonie stammen, praktisch keine Chirurgie – die medizinische Versorgung in der westafrikanischen Republik Guinea-Bissau kann katastrophal genannt werden. Ändern will das Dr. Theophylaktos Emmanouilidis. Der Vorsitzende des medizinischen Hilfswerks Hammer Forum hat nun in Guinea-Bissau entsprechende Verträge unterzeichnet.

Normalerweise untersucht und operiert Dr. Emma, wie er von den Bündern genannt wird, bei seinen zahlreichen Einsätzen in Afrika Kinder, die vor Ort nicht angemessen medizinisch versorgt werden können. Diesmal jedoch war der Vorsitzende des Hammer Forums fast schon in einer diplomatischen Mission unterwegs. Und suchte deshalb das Gespräch mit dem Gesundheitsminister in der Hauptstadt Bissau. »Ich wollte erreichen, dass das Hammer Forum in Guinea-Bissau als humanitäre Nichtregierungsorganisation anerkannt wird«, berichtet der ehemalige Chefarzt des Bünder Lukas-Krankenhauses. Anfangs sei die Kontaktaufnahme relativ zäh verlaufen.

Klare Botschaft angekommen

Im Ministerium habe man zu hören bekommen, dass der Minister keine Zeit habe – Dr. Emma sollte ihm doch einfach schreiben. »Ich habe allerdings nicht nachgegeben und gesagt, dass ich solange hier sitzen bleibe, bis der Minister bereit ist, uns zu sprechen.« Diese Taktik habe Erfolg gezeigt. Der Direktor des Gesundheitsministeriums habe dann das gemeinsame Gespräch gesucht. Dabei ging es in erster Linie darum, den Status des Hammer Forums zu klären. »Ich habe darauf hingewiesen, dass wir selbstverständlich die Landesgesetze respektieren, unsere Autonomie aber unantastbar ist. Wir verstehen uns als Partner und nicht als Befehlsempfänger.« Diese klare Botschaft sei angekommen. »Vielleicht lag es auch daran, dass der persönliche Sekretär des Ministerpräsidenten intervenierte. Immerhin ist das Gesundheitswesen in Guinea-Bissau am Boden.« Entsprechende Verträge wurden unterzeichnet. »Und zu unserer Überraschung ohne dass wir einen Cent dafür bezahlen mussten.« Für afrikanische Verhältnisse sei das geradezu einmalig gewesen, so Dr. Emma.

Es folgte ein Besuch des staatlichen Krankenhauses in Bissau. »Bei meinem ersten Aufenthalt hier vor einiger Zeit war mir gar nicht aufgefallen, dass keine chirurgische Abteilung existiert. Seit zehn Jahren hat es keine Operationen gegeben.« Es fehle an Material und ausgebildeten Fachärzten. Sowohl die dort angestellten Ärzte als auch die Krankenschwestern seien nur stundenweise anzutreffen. »Sie verdienen zwischen 100 und 300 Euro. Davon kann man nicht leben. Deshalb sind sie noch in Privatpraxen tätig.«

Neun Kinder operiert

Im Anschluss reiste der Bünder Mediziner weiter zur Provinzhauptstadt Gabu. Dort habe man ebenfalls mit der örtlichen Krankenhausleitung einen Vertrag unterzeichnet. »Wir erhalten jetzt Räume für eine Ambulanz, in der wir Kinder behandeln können.« Dem Hammer Forum sei dabei 100-prozentige Autonomie zugesichert worden. »Wir müssen noch Umbauten vornehmen, beispielsweise einen neuen Eingangsbereich schaffen. Aber ein Container mit der Ausrüstung ist schon unterwegs und wird Anfang des nächsten Jahres dort eintreffen.« Man wolle Ende Februar in der Ambulanz dann den Betrieb aufnehmen.

Nachdem alle Formalitäten erledigt waren, blieben dem Chirurgen noch drei freie Tage in Bissau. Die nutzte er natürlich, um im Caritas-Hospital »Sao José em Bôr« – es wird von der katholischen Kirche unterhalten und ist bestens ausgestattet – Operationen vorzunehmen. »Ich habe neun Kinder operiert. Das waren die richtig schweren Fälle, die mehrere Stunden dauerten«, berichtet Dr. Emma.

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