Mann (50) übergießt sich und seine Ex-Freundin mit Benzin
Versuchter Totschlag bringt Bünder in den Knast

Bünde/Detmold (WB). Er wollte spektakulär aus dem Leben scheiden, doch die Sache ging schief: Weil ein 50-jähriger Bünder bei einem Selbstmordversuch seine Ex-Freundin beinahe in Mitleidenschaft gezogen hätte, muss der Mann jetzt ins Gefängnis. Das Landgericht Detmold fällte am Freitag das Urteil in einem ungewöhnlichen Fall.

Samstag, 27.01.2018, 07:00 Uhr aktualisiert: 27.01.2018, 10:46 Uhr
Wegen versuchten Totschlags wurde der Bünder zu 31 Monaten Haft verurteilt. Foto: dpa
Wegen versuchten Totschlags wurde der Bünder zu 31 Monaten Haft verurteilt. Foto: dpa

Der Bünder hatte im Dezember 2016 sich selbst und seine jetzt 39 Jahre alte Lebensgefährtin vor deren Haus im lippischen Kalletal mit Benzin übergossen und dieses anzünden wollen. Die Frau konnte dem 50-Jährgen das Feuerzeug wegnehmen – und rettete so beiden das Leben.

Lebensgefährtin wollte sich trennen

Auslöser für die Tat: Die Altenpflegerin hatte sich nach wechselvoller Beziehung getrennt, der Partner kam damit nicht klar. Versuchter Mord, lautete die Anklage vor dem Landgericht, die allerdings am zweiten Verhandlungstag so auch von der Staatsanwaltschaft nicht für zutreffend gehalten wurde.

Ein psychiatrischer Gutachter kam zu dem Ergebnis, dass der Angeklagte zum Tatzeitpunkt depressiv gewesen sei. Für ihn spiele aufgrund einer sehr schweren Kindheit mit jahrelangen Heimaufenthalten das »familiäre Beziehungsleben« eine große Rolle – die Trennung und die zuvor gescheiterte Aussprache hätten zu einer »akuten psychischen Belastungsreaktion« geführt. Ergebnis sei der Wunsch gewesen, sich selbst umzubringen. Auch aufgrund der Einnahme eines starken Schmerzmittels müsse von einer eingeschränkten Steuerungsfähigkeit ausgegangen werden.

Verteidiger fordert Freispruch

Staatsanwalt Alexander Görlitz ging in seinem Plädoyer von einem versuchten Totschlag aus: Die Frau sei zwar nur zufällig mit Benzin aus dem Kanister übergossen worden, es sei aber auch nur dem Zufall zu verdanken, dass der Angeklagte das Feuerzeug nicht habe betätigen können. Görlitz forderte eine Gesamtstrafe von vier Jahren und drei Monaten – der 50-Jährige hatte vor der Tat z wei Mal seine Partnerin körperlich attackiert.

Verteidiger Dr. Carsten Ernst plädierte auf Freispruch in dem Hauptvorwurf. »Er wollte so dramatisch aus dem Leben scheiden, dass sich die Ex-Partnerin für diese Schlimmste aller Selbstmordarten schuldig fühlt.« Es sei seinem Mandanten nicht darum gegangen, die Frau in diesen Untergang mit hineinzuziehen – also gehe es hier lediglich um einen versuchten Suizid.

Offener Vollzug möglich

Das Schwurgericht folgte der Argumentation der Staatsanwaltschaft und verhängte für versuchten Totschlag und zweifache Körperverletzung eine Gesamtstrafe von 31 Monaten Haft. »Er wollte sterben, und in diesem Moment war es ihm egal, ob die Frau auch stirbt«, erklärte Richter Carsten Niemeyer. Der 50-Jährige habe jedoch aufgrund eines festen Jobs und seines bisher straflosen Lebenslaufs die Chance, die Haft im offenen Vollzug zu verbüßen.

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