Sa., 15.09.2018

»Baumann und Clausen« bieten 600 Gästen im Stadtgarten leichte Unterhaltung Ein eingespieltes Duo

Clausen ist der mit dem Hut, bei der Märchenstunde tragen sie gerade das Märchen von der Digitalisierung vor

Clausen ist der mit dem Hut, bei der Märchenstunde tragen sie gerade das Märchen von der Digitalisierung vor Foto: Raphael Steffen

Von Raphael Steffen

Bünde  (WB). Wer Baumann und Clausen nur aus der Radioserie »Die Meisterbürokraten« kennt, durfte ihrem Bühnenprogramm »Die Schoff« durchaus skeptisch entgegen sehen. In Bünde haben sie aber auch nach 25 Jahren als Comedy-Duo noch ihre Fans. Immerhin 600 Gäste kamen am Donnerstagabend in den Stadtgarten.

In Anbetracht der Tatsache, dass die beiden Ordnungsamt-Komiker in naher Zukunft auch in Lübbecke, Minden und Herford auftreten, ist so viel Zulauf in einer Stadt wie Bünde beachtlich. Und wenn man bedenkt, dass ihre Radioshow irgendwo zwischen Humorödnis und der Witzelandschaft von vorgestern wabert, konnte ihre Bühnen-»Schoff« sich sehen lassen.

Irgendeine thematische Einordnung war dabei nicht wirklich ersichtlich. Mann-Frau-Beziehungen, Allergien, Digitalisierung, natürlich der alltägliche Verwaltungsirrsinn – alles kam vor und verschwand wieder so schnell, wie es einer von beiden aufgerufen hatte. Was der Laune gut tat, so hatte man nicht zu viel Zeit, sich die oftmals albernen und billigen Witze auf der Zunge zergehen zu lassen. Stattdessen: Witz hören, lachen, Witz vergessen, und das Ganze von vorne.

Von Routine oder Überdrüssigkeit keine Spur

Viel hing von der Dynamik der beiden Comedians ab, und die lief gut, richtig gut sogar, von Routine oder Überdrüssigkeit keine Spur. Oberamtsrat Alfred Clausen und Hans-Werner »HaWe« Baumann sind auch nach einem Vierteljahrhundert noch das perfekte Duo. Das wog die allzu leichte Unterhaltung auf. Lacher auf Lacher rollte wie von selbst an und schüttelte das Publikum durch.

»Goldenen Bürokratius 2018«

Dass Clausen es mit drei Einträgen im Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler – auch genannt »internes Guinnessbuch der Verwaltung« – zum stolzen Preisträger des »Goldenen Bürokratius 2018« gebracht hatte, war ein gelungener Seitenhieb auf die Bürohengste. Spätestens bei Sprüchen wie »Früher hatte man einen Mercedes, wenn man was auf sich hielt, heute hat man Laktoseintoleranz« war man sich dagegen sicher, das alles schon tausendmal gehört zu haben.

Als Baumann und Clausen die Märchenonkel gaben und das »Märchen von der Digitalisierung« erzählten, erwartete man aber schon mehr als belanglose Wortspielereien à la »Diggi lebte in einem Tal bei seiner Mutter Isierung« – ja, der braucht eine Weile – oder »Dicke-Taillesierung«. Man lachte über die Aneinanderreihung an Sinnlosigkeiten und fragte sich im nächsten Moment, was daran so witzig sein sollte. Vielleicht ist das ja die hohe Comedy-Kunst?

Womöglich braucht es aber auch gar keine hohe Kunst. Sondern einfach nur einen Abend zum Lachen und zum Vergessen. Dafür machen Baumann und Clausen ihren Job ganz passabel.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6049837?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514621%2F