Fr., 09.11.2018

Mediziner Hans-Jürgen Beckmann geht mit gutem Beispiel voran – Kassen zahlen Vierfach-Wirkstoff Bünder Ärztenetzwerk rät zu Grippeimpfung

»Es wird allen Menschen ab 60 empfohlen, allen, die eine Grunderkrankung. Etwa Lungen- oder Herzerkrankte, alle die viel Kontakt mit anderen Menschen haben und außerdem allen Schwangeren«, sagt die Bünder Medizinerin Gesa Fiedler.

»Es wird allen Menschen ab 60 empfohlen, allen, die eine Grunderkrankung. Etwa Lungen- oder Herzerkrankte, alle die viel Kontakt mit anderen Menschen haben und außerdem allen Schwangeren«, sagt die Bünder Medizinerin Gesa Fiedler. Foto: dpa

Von Daniel Salmon

Bünde (WB). Die Grippesaison steht vor der Tür: Das Bünder Ärztenetzwerk Medizin und Mehr (MuM) empfiehlt den Bürgern daher, sich gegen die Krankheit impfen zu lassen. Ein heimischer Mediziner geht dabei mit gutem Beispiel voran.

61 Jahre ist Dr. Hans-Jürgen Beckmann alt. Sich gegen die Grippe impfen zu lassen, das hielt das MuM-Vorstandsmitglied in all den Jahren nicht für nötig. Zumindest bis jetzt. »Ich bin bisher immer verschont geblieben. Bei der schweren Krankheitswelle im vergangenen Jahr hatte ich zwei bis drei Bekannte in meinem Umfeld, die es total von den Beinen gehauen hat«, schildert der Chirurg und fährt fort: »Einer meiner Freunde war völlig fertig, lag mehrere Wochen mit Influenza flach. Der hat mir erzählt, er dachte, er müsse sterben.«

Wer sollte sich impfen lassen?

Gesa Fiedler (links), Hans-Jürgen Beckmann und Annette Hempen wollen die Bürger zur Grippeimpfung animieren. Foto: Daniel Salmon

So was wolle er nicht erleben, führt Beckmann aus, während seine MuM-Vorstandskollegin Dr. Gesa Fiedler ihm die Spritze in den Arm gibt. Während 2017 noch ein sogenannter trivalenter Impfstoff, der gegen drei Virenstämme wirken soll, per kurzem Pieks verabreicht wurde, ist in diesem Jahr ein tetravalenter Wirkstoff in den Spritzen. Dieser soll gegen vier Virenstämme immunisieren. Laut Fiedler übernehmen die Krankenkassen in dieser Saison die Kosten für die Impfung. Zudem sei die Maßnahme – wie von zahlreichen Impfgegnern in der Bevölkerung allerdings immer befürchtet wird – auch nicht gefährlich, wie die Ärztin betont.

Doch wer sollte sich aus Sicht der MuM-Mediziner überhaupt gegen Grippe impfen lassen? »Es wird allen Menschen ab 60 empfohlen sowie allen, die eine Grunderkrankung, etwa Lungen- oder Herzleiden haben, allen, die viel Kontakt mit anderen Menschen haben und außerdem allen Schwangeren. Die geben, wenn sie geimpft sind und in der Grippesaison entbindet, den Neugeborenen noch einen gewissen Nestschutz mit«, sagt die Bünder Ärztin. Auch Kinder könnten geimpft werden. Binnen 10 bis 14 Tage nach dem Termin beim Arzt würde sich der Impfschutz dann aufbauen.

Letzte Saison viele Grippetote

Wie wichtig eine Impfung für diese Gruppen sein kann, zeige ein Blick in die Statistik der letzten Grippesaison. Laut eines Berichts des Robert-Koch-Instituts war bei weit mehr als 300.000 Menschen in Deutschland zwischen November 2017 und April 2018 eine Erkrankung mit Influenza-Viren nachgewiesen worden. Die Dunkelziffer habe vermutlich noch viel höher gelegen. Es habe weiterhin rund neun Millionen grippebedingte Arztbesuche gegeben. Mehr als 1600 Patienten waren gestorben, jeder Fünfte habe im Krankenhaus behandelt werden müssen.

Typische Symptome der Grippe seien plötzliches hohes Fieber über 39 Grad, Schüttelfrost, trockener Husten, Kopf- und Gliederschmerzen und ein allgemeines schweres Krankheitsgefühl. Im Gegensatz zur einfachen Erkältung, dem grippalen Infekt, treten Schnupfen und Heiserkeit nur selten auf.

»Die eigentliche Grippesaison geht normalerweise erst im Dezember oder Januar los, daher raten wir, jetzt zu impfen«, sagt Gesa Fiedler. Zwar sollte man dafür möglichst gesund ein: »Aber wenn man einen leichten Schnupfen hat, kann man auch zum Arzt gehen.«

Impfschlappheit macht sich breit

Die Mediziner der Bünder Ärztenetzwerks haben bei ihrer Arbeit in der Bevölkerung nach eigenen Angaben zudem auch eine allgemeine Impfschlappheit ausgemacht. »Und das, obwohl wir mittlerweile viele Menschen aus anderen Ländern bei uns haben, wo zum Beispiel Tuberkulose, Diphtherie und Polio noch ein Thema sind«, sagt Dr. Hans-Jürgen Beckmann. Er appelliert daher an die Bürger, genauer auf ihren aktuellen Impfstatus zu achten: »Zumindest wenn man überhaupt einen Impfpass hat.«

Gemeinsam mit seinen Kollegen hat er in jüngerer Vergangenheit bei Patienten auch oftmals Tetanus-Impflücken ausgemacht. »Das ist in den letzten zehn Jahren schlimmer geworden. Zumindest gefühlt nimmt die Zahl der Impfverweigerer zu.«

Vor allem viele Eltern würden nicht wollen, dass ihre Kinder geimpft werden. »Das ist schlimm, wenn Eltern ihrem Nachwuchs diesen Schutz verweigern«, sagt MuM-Geschäftsführerin Annette Hempen und fügt hinzu: »Impfungen sind einfach der effektivste Schutz gegen Infektionskrankheiten.«

 

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