Fr., 09.11.2018

Bünder Schüler Gedenken der Opfer der Pogromnacht Keine Chance für Hass und Hetze

Mehrere hundert Bünder Schüler haben am Freitag den Opfern der Novemberpogrome gedacht. Am jüdischen Mahnmal am Marktplatz legten sie Rosen nieder.

Mehrere hundert Bünder Schüler haben am Freitag den Opfern der Novemberpogrome gedacht. Am jüdischen Mahnmal am Marktplatz legten sie Rosen nieder. Foto: Daniel Salmon

Von Daniel Salmonund Anna-Sofie Berkemeier

Bünde (WB). Mit ernstem Blick lauschen mehrere hundert Bünder Schüler den Worten von Bürgermeister Wolfgang Koch: »Hass und Hetze dürfen keine Chance haben«, sagt das Stadtoberhaupt bei der Gedenkveranstaltung zur Pogromnacht.

Etwa eine Stunde lang war die Marktstraße in Höhe des jüdischen Mahnmals am Freitagvormittag gesperrt. Wo sonst reger Autoverkehr herrscht, wurde Platz geschaffen für einen kurzlebigen Ort der Trauer, des Mitgefühls und der Erinnerung.

Chor singt John Lennons »Imagine«

Die Feier zum Gedenken an die Opfer der blutigen Novemberpogrome der Nazis vor genau 80 Jahren, bei denen 400 Menschen getötet und Zehntausende jüdische Mitbürger inhaftiert und verschleppt wurden, hatten dieses Mal Schüler der Erich-Kästner-Gesamtschule gestaltet. Jugendliche aller weiterführenden Bildungseinrichtungen der Innenstadt nahmen teil. EKG-Schulleiterin Antje Stuke hatte mit ihren Kollegen im Vorfeld Rosen verteilt, die schließlich am Gedenkmal niedergelegt wurden: »Die Schüler haben den Ablauf der Veranstaltung selbst gestaltet«, erklärte sie.

Unter anderem intonierte der Chor des 11. Jahrgangs John Lennons »Imagine«. Die Friedenshymne bildete gemeinsam mit einer Instrumentalversion des Themas aus »Schindlers Liste« einen würdigen Rahmen der Veranstaltung. In einer Rede ging Wolfgang Koch auf die schicksalhaften Tage im November 1938 ein, als der Terror auch in Bünde Einzug hielt. »Am 10. November wurde die Synagoge unter Leitung von Landrat Hartmann geöffnet und verwüstet. Die Schaufenster des Kaufhauses der Brüder Otto und Willy Spanier wurden zerschlagen. Bünder SA- und SS-Männer zerstörten die Inneneinrichtung«, skizzierte das Stadtoberhaupt nur einen Teil der dramatischen Ereignisse dieses dunklen Kapitels der Bünder Geschichte.

Laut Koch zeige dieser Blick in die Vergangenheit, wozu Menschen fähig seien. Jedoch keime gleichzeitig die Hoffnung auf, aus der Geschichte Lehren ziehen zu können, dass Fehler und Verbrechen der Vergangenheit nicht noch einmal geschehen.

Ein Zeichen setzen

»Wir tragen Verantwortung dafür, dass die Wertschätzung von Freiheit und Demokratie sich als stärker erweist als Rassismus und Antisemitismus«, wandte sich Koch an die sichtlich berührten Jugendlichen. Diese hatten sich bereits im Vorfeld intensiv mit den Geschehnissen während der NS-Diktatur auseinandergesetzt. »Das haben wir alles mehrmals im Unterricht durchgenommen«, schilderte etwa EKG-Schülerin Dilara Boyratz. Zudem erklärte die 17-Jährige: »Diese Veranstaltung ist wichtig, um ein Zeichen zu setzen, da man auch im heutigen Alltag noch oft mit Rassismus konfrontiert wird.«

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