Do., 15.11.2018

Polizisten nehmen nach einem Jahr Ehemann einer verschwundenen Frau in Bünde fest Wird Vermisstenfall zur Mordsache?

Kriminalbeamte besprachen sich gestern früh vor dem Einfamilienhaus in Bünde, bevor sie hineingingen und den Ehemann festnahmen.

Kriminalbeamte besprachen sich gestern früh vor dem Einfamilienhaus in Bünde, bevor sie hineingingen und den Ehemann festnahmen.

Von Christian Althoff

Bünde (WB). Ein Jahr nach dem spurlosen Verschwinden einer zweifachen Mutter aus Bünde (Kreis Herford) haben Polizisten am Mittwoch ihren Ehemann festgenommen. Am Donnerstag wurde auf Antrag der Staatsanwaltschaft Bielefeld Haftbefehl gegen den Ehemann der zweifachen Mutter erlassen.

Der Ehemann sei dringend verdächtig, seine Ehefrau getötet zu haben. Für die Ermittler gilt es nun, die genauen Umstände der vorgeworfenen Tat zu klären, teilte die Polizei am Donnerstag mit.

Die Verkäuferin lebte in einem älteren Einfamilienhaus am Stadtrand von Bünde mit ihrem Mann und zwei Kindern – einem Sohn aus ihrer ersten Ehe und einer gemeinsamen, neun Jahre alten Tochter.

Mutter meldet Frau vermisst

Es war nicht der Ehemann, der seine Frau bei der Polizei vermisst meldete, sondern ihre Mutter. Sie erschien am 30. November 2017 auf der Wache und erstattete Vermisstenanzeige. Die Frau gab an, dass ihre Tochter seit dem 27. November verschwunden sei.

Die Polizeidienstvorschrift 389 regelt, wie Behörden mit Vermisstenfällen umzugehen haben. Als Hinweis auf ein Verbrechen wird demnach zum Beispiel gewertet, wenn es kein Motiv fürs Weglaufen gibt, wenn eine Mutter ihre Kinder zurücklässt, wenn die Vermisstenanzeige verzögert erstattet wird, oder wenn nicht das unmittelbare familiäre Umfeld zur Polizei geht, sondern ein anderer Verwandter oder Bekannter.

Tiefgehende Untersuchungen sollen ausgeblieben sein

Obwohl einige Kriterien im Fall der 34-Jährigen vorlagen, soll die Kripo Herford nicht entsprechend in den Fall eingestiegen sein. Es soll damals weder eine Wohnungsdurchsuchung noch intensive Zeugen- oder Umfeldbefragungen gegeben haben. Auch soll das Polizeipräsidium Bielefeld, das in Ostwestfalen-Lippe für Tötungsdelikte zentral zuständig ist, nicht informiert worden sein. Monate nach der Vermisstenanzeige soll die Polizei lediglich einen Leichenhund durch das Haus geschickt haben, um auszuschließen, dass dort eine Leiche versteckt war.

Vor einiger Zeit erfuhr die Staatsanwaltschaft Bielefeld von der ungeklärten Vermisstensache.  Staatsanwalt Christopher York sah in der Akte Anhaltspunkte für ein mögliches Verbrechen und beauftragte das Polizeipräsidium Bielefeld mit den Ermittlungen. Dort wurde die »Mordkommission Rödinghausen« aufgestellt – der Name ist angelehnt an die Adresse der Familie.

Seit einem Jahr keine Kontobewegungen der Frau

Es gibt eine WhatsApp, die am Tag des Verschwindens vom Handy der Frau auf dem Telefon des Ehemannes eingegangen sein soll. Sinngemäß soll die Frau damals geschrieben haben, die Familie müsse jetzt ohne sie klarkommen. Doch dass diese Nachricht tatsächlich von der Vermissten verschickt wurde, steht keinesfalls fest. Die Kriminalbeamten haben vielmehr den Verdacht, dass die Ehefrau nicht freiwillig gegangen ist – zumal es seit einem Jahr keine von ihr veranlassten Kontobewegungen mehr gegeben haben soll.

Wochen nach dem Verschwinden der Mutter zog der Sohn zu seinem leiblichen Vater in den Kreis Gütersloh, die Tochter blieb bei ihrem Vater.

Polizisten durchsuchen Haus am frühen Morgen

Gestern früh, als die Tochter zur Schule gegangen war, fuhren zwölf Beamte der Mordkommission vor dem Haus des Beschuldigten vor. Im Gebäude trafen sie den Ehemann und seine neue Lebensgefährtin an – eine Frau, mit der der Mann schon in Kontakt gestanden haben soll, als seine Ehefrau noch nicht vermisst war. Der Beschuldigte wurde festgenommen und zur Vernehmung ins Polizeipräsidium nach Bielefeld gebracht. Dann begannen Polizisten, das Haus und angrenzende Schuppen zu durchsuchen und den Einsatzort zu dokumentieren.

Der Ehemann, der in einer Möbelfabrik beschäftigt ist, gab in seiner Vernehmung an, er wisse nicht, wo seine Frau sei. Das nimmt ihm die Mordkommission wegen der Gesamtumstände des Falls aber nicht ab. Deshalb wurde gestern Abend überlegt, ob man den Mann nicht heute im Laufe des Tages einem Haftrichter vorführt.

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