Mi., 13.02.2019

Deiche sollen sicherer werden – naturnahe Verlegung des Strangbachs Stadt investiert in Hochwasserschutz

Dezember 2017: Durch die Überflutung der Else stand der Parkplatz am Rathaus komplett unter Wasser, Autos konnten nicht mehr fahren.

Dezember 2017: Durch die Überflutung der Else stand der Parkplatz am Rathaus komplett unter Wasser, Autos konnten nicht mehr fahren. Foto: Hilko Raske

Von Hilko Raske

Bünde (WB). Überschwemmte Parkplätze, geflutete Äcker und Weiden – dieser Anblick bietet sich den Bündern häufig in den Monaten April und Dezember. Dann nämlich tritt die Else oft über ihre Ufer. Damit die City nicht überflutet wird, investieren Stadtverwaltung und das Land NRW in den Hochwasserschutz.

140 Kilometer an Fließgewässern gibt es im Gebiet der Stadt, etwa zehn Kilometer Deich sorgen dafür, dass die Bünder trockene Füße behalten. Zuständig ist dafür innerhalb der Stadtverwaltung Christoph Wittler. Er koordiniert seit 1992 den Hochwasserschutz vor Ort, hat aber gleichzeitig auch die naturnahe Gewässerentwicklung im Blick.

Vier Meter Schutzstreifen

Beide Aspekte sollen bei einer ökologischen Baumaßnahme berücksichtigt werden, die man spätestens zum Jahresende fertigstellen will: die Sicherung des Deiches an der Dorfstraße in Hunnebrock und die naturnahe Verlegung des bislang parallel zum Deich verlaufenden Strangbaches. Der Grund dafür sind Gesetzesvorgaben: »Vor dem Deichfuß muss es einen vier Meter breiten Schutzstreifen Grünland geben.« Stattdessen fließe dort derzeit der Strangbach. Das solle sich noch in diesem Jahr ändern.

Vorgesehen sei, den Strangbach in Richtung Süden zu verlegen. Zwischen dem neuen Bachverlauf und dem Deich sollen zudem ein Regenreinigungsbecken und auf etwa 200 Metern Länge hin zur Else Flutmulden entstehen, in die Regenwasser strömen könne. »Das Regenwasser aus den Bereichen Engerstraße und Kurt-Schumacher-Straße fließt derzeit schon in den Strangbach. Künftig soll es erst gereinigt und dann in den Mulden zum Versickern zurückgehalten werden.«

Durch diese Maßnahme werde das Hunnebrocker Elsebruch auch ökologisch aufgewertet – das dürfte das in der Nachbarschaft regelmäßig brütende Storchenpaar freuen. Die Stadt lässt sich dieses Vorhaben eine Summe im mittleren sechsstelligen Bereich kosten.

Einfluss durch Klimawandel

Doch wie ist es generell um die Bünder Deiche bestellt? »Die ersten wurden in den 1920er Jahren bei der Elsebegradigung erbaut, viele stammen aus den späten 1960er Jahren, als die Autobahn gebaut wurde.« Nur etwa ein Drittel davon würde den heutigen Normen für Flussdeiche entsprechen. »Eine Grundlage für die Deichhöhe ist das sogenannte 100-jährige Hochwasser«. Dieses extreme Hochwasser solle, wie der Name schon sage, nur alle 100 Jahre eintreten.

»Aufgrund klimatischer Veränderungen kann es aber inzwischen auch häufiger vorkommen – das haben die Überflutungen im Bereich Elbe und Oder gezeigt.« Über diesen errechneten Hochwasserstand müssten noch 50 Zentimeter hinzugerechnet werden – Fachleute sprechen hier von einem »Freibord«. »Die Deichkrone am Strangbach liegt aber beispielsweise im Schnitt 30 Zentimeter unter dieser Vorgabe.« Auch Baum- oder Strauchbewuchs habe auf den Deichen nichts zu suchen – bestehende Bepflanzung lasse man aber in den meisten Fällen stehen.

Stadt gehören alle Flächen

Große Fortschritte habe man im Elseabschnitt zwischen Lettow-Vorbeck-Straße und Werfer Straße erzielt. Die Stadt sei inzwischen zu 100 Prozent im Besitz der Flächen, die für die erforderlichen Hochwasserschutzmaßnahmen und eine naturnahe Gewässerentwicklung erforderlich seien. Vorgesehen sei beispielsweise ein Deichlückenschluss nördlich der Autobahn zwischen Sachsen- und Blankensteinstraße.

Für die Stadt noch wichtiger dürfte die Anlage eines Polders im Stadtteil Ahle sein. Darunter versteht man eine eingedeichte Rückhaltefläche, die bei Bedarf geflutet werden kann. »Damit wird bei Hochwasser die Abflusswelle gebrochen und somit eine Bedrohung der Innenstadt durch Wasser gemindert«, informiert Wittler.

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