Fr., 22.02.2019

Bünder Hersteller ändert nach Kritik an »Reichsflugscheibe« den Verpackungstext Revells Plastik-Ufo ist wieder erhältlich

Die Neuauflage des »Haunebu II«-Bausatzes ist laut Herstellerangaben sei kurzem erhältlich. Revell hatte die Produktbeschreibung geändert. An der ersten Version hatte es massive Kritik gegeben. Revell hatte die Auslieferung des von mehreren Medien als »Nazi-Ufo« bezeichnete Modellbau-Kits daraufhin gestoppt.

Die Neuauflage des »Haunebu II«-Bausatzes ist laut Herstellerangaben sei kurzem erhältlich. Revell hatte die Produktbeschreibung geändert. An der ersten Version hatte es massive Kritik gegeben. Revell hatte die Auslieferung des von mehreren Medien als »Nazi-Ufo« bezeichnete Modellbau-Kits daraufhin gestoppt. Foto: Daniel Salmon

Von Daniel Salmon

Bünde (WB). Revells »Reichsflugscheibe« ist zurück: Nachdem das Bünder Unternehmen seinen Modellbausatz »Haunebu II« Mitte Juni 2018 nach massiver Kritik an der Produktbeschreibung vom Markt genommen hatte, gibt es nun eine modifizierte Neuauflage.

So groß das Medienecho auf den umstrittenen Plastikflieger vor knapp einem halben Jahr auch war, so heimlich, still und leise ist das von vielen Medien als »Nazi-Untertasse« bezeichnete Modell auf den Spielwaren-Markt zurückgekehrt.

»Fiktive Dekorationen«

Die alte Produktbeschreibung war bis vor einigen Tagen noch im Revell-Onlineshop zu lesen. Nach einem Hinweis dieser Zeitung wurde sie geändrt. Foto: Screenshot

Die Verpackung ist weitestgehend identisch zum Vorgängerbausatz. Neu ist der in Deutsch, Englisch, Französisch und weiteren Sprachen abgefasste Text auf der Rückseite des Pappkartons. Dort steht nun: »Die Haunebu II wirkt wie ein Fluggerät aus einem Science-Fiction-Film. Die Existenz und Umsetzbarkeit dieses auffälligen Modells aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges ist historisch nicht belegbar.« Zudem ist von einer fiktiven Innenraumgestaltung die Rede, für ebenfalls »fiktive Dekorationen« sind Abziehbilder beigelegt.

Die Produktbeschreibung der Erstauflage hatte laut eines Berichts des Rundfunkformats NDR Info im vergangenen Sommer noch für Irritationen gesorgt, weil »Unwahrheiten über die NS-Vergangenheit« verbreitet würden. Denn damals war auf dem Bausatz-Kit zu lesen: »1934 begannen die Arbeiten an den Rundflugzeugen. Ihr Antrieb und die Neutralisierung der Fliehkräfte im Innenraum erfolgten über Vril-Energiefelder. Flugfähige Exemplare der bis zu 6000 km/h schnellen Haunebu II starteten Mitte 1943, kamen aber kriegsbedingt über die Erprobungsphase nicht heraus.« Zudem wurde der Flieger im Maßstab 1:72 als »erstes weltraumfähiges Objekt der Welt« bezeichnet.

Erstauflage war heiß begehrt

»Beschreibung besser als vorher«

Auch der Dortmunder Politikwissenschaftler Dierk Borstel hatte sich in dem NDR-Bericht, der dem bundesweiten Medienecho vorausging, zu Revells Haunebu II-Bausatz geäußert: »Angebote, die rechtsextreme Legenden positiv umschreiben oder indirekt auf einschlägige Verschwörungstheorien hinlenken, sollten mit Sicherheit nicht im Sortiment zu finden sein.« Auf Anfrage dieser Zeitung zur überarbeiteten Produktbeschreibung erklärte Borstel nun: »Sie ist besser als vorher. Es wird immerhin nicht mehr behauptet, dass es das Ding wirklich gab.« Ihm sei zudem wichtig, das Revell die eindeutige historische Verfälschung auch aus dem Internet entfernt habe. Letztlich müssten die Käufer entscheiden, ob der Bausatz marktfähig sei.

Unter anderem hatte der Historiker Jens Wehner vom Militärhistorischen Museum Dresden dem Sender gegenüber seinerzeit erklärt: »Soweit in der Wissenschaft bekannt ist, wurde nie an diesem Objekt gearbeitet.« Er beklagte, dass die Darstellung auf der Verpackung dem Nationalsozialismus fälschlicherweise »eine überlegene Technologie zuschreibe«. Der Deutsche Kinderschutzbund kritisierte in dem Beitrag Spielzeug, »das zu einer Ideologisierung führen« ­könne.

Der Bünder Modellsatzbauer hatte sich daraufhin für den missverständlichen Verpackungstext entschuldigt, von »jeder Art der Verherrlichung von Kriegen und des Nationalsozialismus« distanziert, eine Nachbesserung der Beschreibung angekündigt und die Auslieferung des Plastikfliegers gestoppt. Letzteres führte zu einem schwunghaften Handel mit bereits verkauften Modellen, die auf Internetverkaufsplattformen teils zu einem Vielfachem des ursprünglichen Preises von 49,99 Euro angeboten wurden.

Alter Text im Onlineshop

Auf Anfrage teilte eine Sprecherin der von Revell mit der Pressearbeit beauftragten Kommunikationsagentur in knappen Worten jetzt mit: »Die Produkttexte wurden gemäß unserer Pressemeldung von Juni 2018 geändert. Das Produkt ist seit Ende letzten Jahres mit der geänderten Verpackung erhältlich.«

Allerdings: Bei seinem eigenen Onlineshop hatte das Bünder Unternehmen den kritisierten Text nach Start der Neuauslieferung der Haunebu II erst Anfang Februar ausgetauscht – nachdem das WESTFALEN-BLATT auf die alte Formulierung hingewiesen hatte.

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