Do., 16.05.2019

Prozess gegen Markus W.: Freundinnen des Opfers berichten von zerrütteter Ehe Wegen Trennungsabsicht erwürgt?

In diesem Haus an der Rödinghauser Straße in Bünde-Holsen wohnte das Paar, hier starb Natalie W. im November 2017.

In diesem Haus an der Rödinghauser Straße in Bünde-Holsen wohnte das Paar, hier starb Natalie W. im November 2017. Foto: Kathrin Weege

Von Bernd Bexte

Bünde  (WB). Als Natalie W.s Stimme durch den Gerichtssaal schallt, schüttelt sich ihre Mutter (57) in Weinkrämpfen. »Hey, mir geht’s gut, wie geht’s dir«, mit diesen Worten beginnt die Audionachricht vom 27. November 2017, die Natalie W. an eine Freundin verschickt hat, um sich mit ihr für den nächsten Tag zum Frühstück zu verabreden.

Dazu kam es nicht mehr, kurz darauf war die 34 Jahre alte Bünderin tot. Ihr Mann Markus W. (48) muss sich seit Dienstag wegen Totschlags vor dem Landgericht Bielefeld verantworten. Er hatte angegeben, seine Frau sei bei riskanten Sexspielen – sie habe nur bei »Würgeakten« zum Höhepunkt kommen können – verstorben . Es sei ein Unfall gewesen. Aus Panik habe er ihre Leiche in einer am Tag darauf unter falschem Namen angemieteten Garage in Bielefeld versteckt. Erst gut ein Jahr später wurde die Leiche gefunden.

W., der den Prozess regungslos verfolgt, will keine Fragen zu seiner Einlassung beantworten. Dafür sprechen Menschen, die ihm nahestanden. »Nein, eine solche Tat passt nicht zu ihm«, sagt seine frühere Partnerin (44) aus Dortmund, mit der er eine gemeinsame Tochter (23) hat. Sie spielt in der Beziehung zwischen Markus W. und Natalie W. eine zentrale Rolle: Weil sie nicht im Haushalt geholfen habe, sei es immer wieder zum Streit zwischen ihr und ihrer Stiefmutter gekommen. Im Frühjahr 2017 war sie dann aus dem gemeinsamen Zuhause in Holsen ausgezogen. »Seitdem haben sich Natalie und Markus ständig gestritten«, sagt eine Freundin des Opfers als Zeugin. Markus W. habe heimlich Kontakt zu seiner Tochter gehalten, das habe Natalie W. gestört. Auf Versöhnungsangebote ihrerseits sei die Stieftochter nicht eingegangen.

Immer wieder Kontakt zu anderen Frauen

Zudem habe Markus W. über Internetchats immer wieder Kontakt zu anderen Frauen gehabt, verwies die Freundin auf Gespräche mit dem späteren Opfer. Ihr Mann sei faul, habe Natalie W. gesagt, sie müsse alles stemmen. Auch Geldprobleme habe es gegeben. Die frühere Heroinabhängige Natalie W., die mit Markus W. eine Tochter (11) hat sowie einen Sohn (17) aus einer früheren Beziehung, habe das alles schwer mitgenommen. Die Bäckereiverkäuferin war wegen psychischer Probleme krankgeschrieben. »Sie sagte mir, dass sie mit ihrem Mann schon länger keinen Sex mehr habe«, entkräftet die Freundin die Version des Angeklagten. »Sie wollte sich trennen, die Kinder alleine großziehen«, erklärt eine weitere Freundin von Natalie W. »Ich habe sie am Tag vor ihrem Verschwinden darin noch bestärkt.«

Natalie W.s Mutter fällt der Auftritt als Zeugin so schwer, dass sie in weiten Teilen nur auf Russisch und mit Hilfe einer Dolmetscherin ihre Aussage machen kann. »Vor allem die Kinder waren ihr immer wichtig«, sagt sie mit tränenerstickter Stimme.

Verteidiger Dr. Holger Rostek will von einer zerrütteten Ehe nichts wissen. Er lässt Whatsapp-Nachrichten verlesen. Demnach hatten sich die Ehepartner noch wenige Tage vor Natalie W.s Tod ihre gegenseitige Liebe versichert. »Ich liebe dich!«, »Ich dich auch!« heißt es etwa am 24. November 2017. Der Prozess wird am 28. Mai fortgesetzt. Dann könnte es schon zu den Plädoyers kommen.

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