Do., 06.06.2019

Bünder Ärztenetzwerk MuM will Notfalldose bekannter machen Diese Infos können Leben retten

In der Notfalldose befindet sich ein Formular, auf dem wichtige Patientendaten eingetragen werden können. Bei einem Notfall können Rettungskräfte so schnell eventuell lebensrettende Informationen erhalten.

In der Notfalldose befindet sich ein Formular, auf dem wichtige Patientendaten eingetragen werden können. Bei einem Notfall können Rettungskräfte so schnell eventuell lebensrettende Informationen erhalten. Foto: Daniel Salmon

Von Daniel Salmon

Bünde (WB). Bei einem medizinischen Notfall zählt jede Sekunde. Deshalb will das Bünder Ärztenetzwerk Medizin und Mehr (MuM) die so genannte Notfalldose bekannter machen – mit einer besonderen Aktion.

3000 Exemplare hat das Netzwerk mit Sitz an der Viktoriastraße geordert. Diese sind generell kostenlos erhältlich. »Allerdings würden wir uns über eine freiwillige Spende freuen. Jeder kann so viel geben, wie er möchte. Wir selbst wollen damit nichts verdienen. Die Spenden gehen an die Bünder Tafel und die DKMS«, sagt MuM-Geschäftsführerin Annette Hempen.

Lebensrettende Informationen

Doch wozu dient die Dose überhaupt? Kommt es zu einem Notfall im Haushalt, sind Rettungsdienste in der Regel schnell vor Ort. »Aber wenn die Betroffenen allein zuhause oder Angehörige bei einem solchen Notfall einfach zu aufgeregt sind, ist es für die Einsatzkräfte möglicherweise schwer, an lebensrettende Informationen zu gelangen«, sagt die MuM-Geschäftsführerin. In solch einer Situation kann die Notfalldose, die ein Formular mit relevanten Patientendaten enthält, wertvolle Hilfe leisten.

Hier gibt’s die Dosen

In die Dose kommt ein Formular, das Infos zum Gesundheitszustand des Besitzers liefert. So werden darauf Angaben zu chronischen Erkrankungen und Allergien vermerkt. Gefragt wird auf dem Formular auch nach der regelmäßigen Einnahme von Medikamenten.

Wichtig: In einer Dose dürfen keinesfalls die Daten mehrerer Personen enthalten sein. Jeder Haus- oder Wohnungsbewohner sollte eine eigene haben.

Erhältlich sind die Notfall-Dosen in allen rund 40 MuM-Arztpraxen in Bünde, Rödinghausen, Kirchlengern, Preußisch Oldendorf, Spenge und Löhne, im Lukas-Krankenhaus sowie in der Bünder MuM-Zentrale. Dort sind auch Spendendosen aufgestellt. Eine Liste der teilnehmenden Praxen gibt’s im Internet.

Diese soll in allen Haushalten am selben Platz aufbewahrt werden, nämlich in der Kühlschrank-Tür. Dass es eine solche Dose in der Wohnung gibt, können die Retter über einen an der Haustür angebrachten Aufkleber erfahren.

Nicht nur für alte Menschen

Bislang kommen die Notfalldosen meist in Senioreneinrichtungen zum Einsatz. Die MuM-Aktion soll sich allerdings keinesfalls nur an alte Menschen richten, wie Annette Hempen betont. Sie selbst war vor geraumer Zeit auf die kleinen Behältnisse aufmerksam geworden, schaffte sie gleich für ihre ganze Familie an. »Ich habe drei Kinder, zwei haben chronische Erkrankungen. Wenn ein Babysitter auf sie aufpasst und es kommt zu einem Notfall, sind diese Dosen sehr praktisch.«

Optimale Patientenversorgung

Notfalldosen sind unter anderem schon in Apotheken erhältlich, können auch im Internet bestellt werden. Bislang werden sie in der Region aber eher selten genutzt. »Ich habe bislang noch keine Rückmeldung, ob unsere Einsatzkräfte bislang bei einem Notfall eine Dose gefunden haben«, sagt Felix Heidenreich, Leiter des Bünder Rettungsdienstes. Er fährt fort: »Die Behältnisse können aber ein großer Schritt hin zu einer optimalen Patientenversorgung in der Notfallrettung sein.«

Bundesweit sei die Notfalldose zwar eine altbekannte Sache, sagt Dr. Tim Lendzian, Sprecher der Notärzte im Wittekindskreis: »Es ist aber gut, dass nun auch verstärkt im Kreis darauf aufmerksam gemacht wird.« Denn die ganze Informationskette zwischen Rettungsdiensteinsatz und Versorgung im Krankenhaus könne durch die Notfalldose beschleunigt und vereinfacht werden.

Unterstützt wird die MuM-Aktion von der Stadt Bünde, dem Lukas-Krankenhaus, der Volksbank Bad Oeynhausen Herford, der IKK Arge OWL sowie dem Pharma-Konzern Boehringer -Ingelheim.

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