Mi., 03.07.2019

Nach Vorfall im Bünder Elsebruch: Jagdpächter erstattet Anzeige – Wo ist das Kitz? Hund treibt Reh in Fluss: Wildtier ertrinkt

Spaziergänger Hans-Walter Becker (kleines Bild) hatte die tote Ricke am Montag in der Else treibend entdeckt. Mithilfe der Feuerwehr konnte Jagdpächter Tobias Meyer die tot Ricke bergen.

Spaziergänger Hans-Walter Becker (kleines Bild) hatte die tote Ricke am Montag in der Else treibend entdeckt. Mithilfe der Feuerwehr konnte Jagdpächter Tobias Meyer die tot Ricke bergen. Foto: Daniel Salmon

Von Daniel Salmon

Bünde  (WB). Das Bünder Elsebruch am Sonntag: Sonnenschein, 30 Grad, Idylle pur – und im Fluss ertrinkt ein Reh. Ins Wasser gehetzt von einem unangeleinten Hund. Jagdpächter Tobias Meyer ist nun auf der Suche nach dem Kitz der toten Ricke.

»Ich hatte das Jungtier auch schon entdeckt. Aber es ist jetzt vier Wochen alt, hat mittlerweile einen Fluchtinstinkt entwickelt und ist immens schnell. Da komme ich nicht ran«, sagt der Hunnebrocker. Er weiß: Ohne seine Mutter und ohne Hilfe hat das Kitz in freier Wildbahn keine Überlebenschance. »Normalerweise wäre es noch bis November gesäugt worden. Wenn ich es nicht finde, wird es zugrunde gehen.« Er will sich jetzt mit dem Kreisveterinäramt abstimmen, wie er in der Sache weiter vorgehen soll.

Den im Fluss treibenden Kadaver der Ricke hatte Hans-Walter Becker am Montag gegen 18 Uhr in der Nähe des so genannten Hundestrandes entdeckt. »Ich war spazieren und habe am anderen Ufer etwas im Wasser treiben sehen, das wie ein größeres Tier aussah. Er machte ein Foto und schickte es an Tobias Meyer«, erzählt Becker.

Feuerwehr um Hilfe gerufen

Hans-Walter Becker hatte das tote Tier am Montag im Wasser entdeckt. Foto: Daniel Salmon

»Auf dem Bild habe ich erkannt, dass es sich um ein Reh handelt«, sagt Meyer, der sich umgehend auf den Weg ins Bruch machte. Weil er das tote Tier im Wasser selbst nicht erreichen konnte, rief er die Freiwillige Feuerwehr zur Hilfe. Die Einsatzkräfte kamen mit einem Boot, zogen das Reh aus der Else.

»An Land habe ich dann gesehen, dass es eine Ricke ist, die vor einiger Zeit bei einem Unfall an der Werfer Straße verletzt wurde. Sie war damals aber weggelaufen«, so der Jagdpächter. Immer wieder hätten Spaziergänger seither die am Auge und an einem Vorderlauf verletzte Ricke im Elsebruch gemeldet.

Im Frühjahr hatte Meyer selbst das Tier entdeckt: »Sie war seinerzeit tragend. Brachte später zwei Kitze zur Welt. Eines war in einem Feld totgemäht worden. Das andere war bei der Mutter geblieben.« Bis vergangenen Sonntag. Beobachtet hatte die tragische Hatz gegen Nachmittag ein junger Mann, der sich am Hundestrand sonnte. »Plötzlich sprang das Reh aus dem Gebüsch und ins Wasser«, schildert der Zeuge, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte.

Reh hatte keine Chance

Dem Wildtier sei seiner Aussage nach ein großer hellbrauner Hund hinterhergejagt: »Welche Rasse war, weiß ich nicht.« Später sei eine Frau aufgetaucht, bei der es sich um die Besitzerin handeln soll. Fest steht: Das Wildtier hatte keine Chance. »Die Else führt wenig Wasser, die liegt daher höher als sonst. Es kam nicht mehr aus dem Fluss raus und ist jämmerlich ertrunken«, sagt Tobias Meyer.

Erst im November vergangenen Jahres hatte ein Hund im Bruch ein Rehkitz gerissen . Immer wieder komme es zu Problemen mit freilaufenden Hunden, die Wildtiere jagen. »Ich habe so langsam die Schnauze voll davon«, sagt Meyer. Wegen des jüngsten Vorfalls hat er Anzeige bei der Polizei gestellt, zudem den Kontakt zum Bünder Ordnungsamt gesucht. Aufgrund der Ereignisse mit nicht angeleinten Hunden in letzter Zeit fordert er: »Im Bruch muss es eine komplette Anleinpflicht geben. Mit dem Auto sollte man da auch nicht mehr reinfahren dürfen.«

Kommentar

Und schon wieder musste ein Wildtier sterben, weil ein Mensch seinen Hund nicht unter Kontrolle hat. Das ist nicht nur ärgerlich, sondern vor allem unfassbar verantwortungslos. Es ist bekannt, dass sich im Elsebruch zahlreiche Wildtiere aufhalten. Verantwortungsvolle Hundebesitzer wissen das, genießen die Natur mit Bello und Co. daher lieber an der Leine. Einige sind leider unbelehrbar. Die Wut des Jagdpächters ist nur allzu verständlich.Besonders bitter dieses Mal: Das nun mutterlose Kitz dürfte ebenfalls dem Tod geweiht sein. Auch das muss sich die noch unbekannte Hundehalterin ankreiden lassen.

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