Sa., 13.07.2019

Gerichtsstreit nach Gülleunfall: Einigung von Angelvereinen und Verursacher fraglich Fischbestand noch nicht ausgeglichen

Bis zu 15 Jahre wird es dauern, bis der Fischbestand in der Else auf dem Niveau von vor dem Gülleunfall 2015 sein wird, wissen Mario Kalakanis (links) und Peter Bauer.

Bis zu 15 Jahre wird es dauern, bis der Fischbestand in der Else auf dem Niveau von vor dem Gülleunfall 2015 sein wird, wissen Mario Kalakanis (links) und Peter Bauer. Foto: Kathrin Weege

Von Kathrin Weege

Bünde (WB). Die gute Nachricht vorab: Die Wasserqualität der Else ist in Ordnung. Spurlos an dem Fluss vorbeigegangen sind die inzwischen drei Gülleunfälle allerdings nicht. Der Fischbestand ist immer noch nicht wieder auf dem Niveau von vor dem Unglück aus dem Jahr 2015.

» Nach dem Vorfall Pfingsten 2015 gab es neben dem von vor 14 Tagen auch noch einen kleineren im Frühjahr. Davon war uns zuvor nichts bekannt«, sagt Mario Kalakanis, Vorsitzender des Bünder Angelvereins.

Glück im Unglück hatten die Bünder in diesem Jahr , denn die Gülle – wie groß die Menge genau war, ist unbekannt – war stark verdünnt in der Else angekommen. »Zuerst lief sie jedes Mal in Melle in den Violenbach. Die dortigen Angler hatten den Fischbestand nach 2015 so langsam wieder vergrößert – nun aber schwimmt dort erneut gar nichts mehr«, weiß Peter Bauer, stellvertretender Vorsitzender des Angelvereins.

Angesichts eines solchen Szenarios sind auch die Bünder alarmiert. Während 2015 noch viel zu spät aus dem Osnabrücker Land Bescheid gegeben wurde, sah dies vor 14 Tagen anders aus. »Da wurde ich am Wochenende um 21 Uhr direkt angerufen«, lobt Kalakanis. Schon am nächsten Tag wurden Wasserproben genommen – und es konnte Entwarnung gegeben werden.

Verursacher soll für Kosten aufkommen

Nach Schätzungen gelangten im Mai 2015 bis zu 300 Tonnen eines Gülle-Silage-Gemischs aus einer noch nicht fertiggestellten Biogasanlage in den Violenbach. Ein Großteil des Fischbestands in der Else verendete.

Seit diesem Vorfall sind die Bünder Angler sowie weitere benachbarte Vereine mit Unterstützung des Landesverbands vor Gericht gezogen. Ihr Ziel: Der Verursacher soll für die entstandenen Kosten aufkommen. »Von unseren Anglern wurden Pfingsten 2015 etliche Arbeitsstunden geleistet. Wir haben eine Woche lang am frühen Morgen die toten Fische aus dem Fluss geholt. Das war echte Drecksarbeit«, meint Kalakanis.

Rund 15 Jahre wird es laut einem Gutachten wohl dauern, bis sich der Fischbestand komplett regeneriert hat. »Es fehlen verschiedene Fischgrößen, weil ganze Jahrgänge nicht da sind«, so der 49-Jährige. Der Verein hat etliche Fische neu eingesetzt – entsprechend hoch waren die Kosten. Sowohl dafür als auch für die Hilfe der Mitglieder soll der Verursacher aufkommen.

Eigentlich sollte im Juli der letzte Prozesstag sein, doch die Seiten konnten sich nicht einigen. Es sollte auf einen Vergleich hinauslaufen. »Die Anwälte des Verursachers fordern allerdings eine Halbierung der Kosten. Das kann aber nicht funktionieren, denn mindestens die Kosten für Gutachten, Gericht sowie die gekauften Fische sind fix und lassen sich nicht halbieren«, meinen die beiden Angler. Nächster Termin ist nun Ende September.

Wehre funktionieren sich

Die Angelfreunde kritisieren zudem, dass das Wehr in Ahle und das Elsemühlenwehr defekt sind. 2015 funktionierte das in Ahle noch. »Das war unser Glück und verhinderte Schlimmeres für die Else«, ist sich das Führungsduo des Angelvereins einig. Heute sei diese Abriegelung so nicht mehr möglich.

Derzeit hat die Else einen niedrigen Wasserstand. »Das kommt zwar zum einen von der Trockenheit, hat aber zum anderen auch mit den defekten Wehren zu tun«, sagt Peter Bauer. Das Wasser ist nun wärmer, fließt langsamer, es kommt wenig Sauerstoff hinein. Kurz: Das bedeutet Stress für die Fische.

Die Gülleunfälle haben für die Seerosen wie Dünger gewirkt. Sie sind kräftig gewachsen. Auch das führt zu weniger Sauerstoff im Fluss.

Kommentar

Eine ganze Woche lang waren die Angler nach dem Gülleunfall 2015 im Einsatz und haben die toten Fische schon in den frühen Morgenstunden aus der Else geholt. Fiele das Gerichtsurteil am Ende zu Gunsten der Angler aus, würde ihre Arbeit auch entsprechend gewürdigt.

Andernfalls dürfte ihnen bei einem weiteren Vorfall dieser Art möglicherweise auch die Motivation fehlen, wieder mit anzupacken.

Wird der Verursacher nicht entsprechend zur Rechenschaft gezogen, hätte dies wohl auch Auswirkungen auf den Verein. Schließlich mussten jede Menge Fische nach dem Unfall in die Else eingesetzt werden. Es entstanden Kosten, gleichzeitig konnte nicht entsprechend gefischt werden.

 

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6774812?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514621%2F