Di., 06.08.2019

Übergriff vor Bowlingcenter: Angeklagte erhalten Bewährungsstrafen Brutale Attacke – mildes Urteil

In der Nacht auf den 5. November 2017 war es vor dem Bowlingcenter an der Osnabrücker Straße zu dem Übergriff auf zwei Bünder gekommen. Gegen fünf Angeklagte verhängte das Landgericht Bielefeld jetzt Bewährungsstrafen.

In der Nacht auf den 5. November 2017 war es vor dem Bowlingcenter an der Osnabrücker Straße zu dem Übergriff auf zwei Bünder gekommen. Gegen fünf Angeklagte verhängte das Landgericht Bielefeld jetzt Bewährungsstrafen. Foto: Daniel Salmon

Von Bernd Bexte

Bünde/Bielefeld (WB). Der Vorwurf lautete zunächst versuchter Mord, am Ende kamen alle fünf Angeklagten mit Bewährungsstrafen davon: Im Fall der nächtlichen Attacke vor dem Bowlingcenter an der Osnabrücker Straße sind die Urteile milde ausgefallen.

Denn anders als zu Beginn des Prozesses hatten sich die fünf Angeklagten doch noch zu den Vorwürfen eingelassen. Alle räumten ein, in der Nacht auf den 5. November 2017 an dem Übergriff auf zwei Bünder beteiligt gewesen zu sein. Das wirkte sich strafmildernd auf das Urteil der Jugendkammer des Landgerichts Bielefeld unter Vorsitz von Richter Carsten Nabel aus. »Die Erleichterung meines Mandanten ist natürlich groß«, sagte Rechtsanwalt Christian Thüner aus Herford, der den Hauptangeklagten, einen 21-Jährigen aus Hiddenhausen, vertreten hatte.

Dieser war zusammen mit vier Komplizen – die Brüder K. und K. (beide 28) aus Enger, Z. (24) aus Kirchlengern, M. (28), bisher wohnhaft in Herford – angeklagt, in der Tatnacht zwei Bünder vor der Bowlingbahn »Red Bowl« grundlos brutal angegriffen und zu Boden geprügelt zu haben . Die Angeklagten, allesamt aus dem Kosovo und aus Serbien, sollen, auch als ihre Opfer bereits hilflos am Boden lagen, weiter auf sie eingeschlagen und -getreten haben.

Opfer hat bleibende Schäden

Erst als Zeugen sich näherten, ließen vier der Beschuldigten von den Männern ab. Z. soll sogar mit voller Wucht gegen Kopf eines Opfers getreten haben, während ein Mittäter dessen Kopf festgehalten habe. Das Opfer, das in dem Prozess als Nebenkläger auftrat, erlitt unter anderem einen Schädelbasisbruch, eine Hirnblutung und ein schweres Schädel-Hirn-Trauma, verlor zwei Schneidezähne sowie seinen Geruchs- und Geschmackssinn.

Letztlich ließ sich der genaue Tathergang aber nicht mehr rekonstruieren. Die Täter räumten nach anfänglichem Schweigen Schläge gegen die Opfer ein, Fußtritte habe es aber nicht gegeben. So kam es zu Bewährungsstrafen wegen gemeinschaftlicher schwerer Körperverletzung zwischen einem Jahr und einem Jahr und neun Monaten. Die Staatsanwaltschaft hatte für sämtliche Angeklagten Gefängnisstrafen gefordert.

Beweislage vage

Die Beweislage war allerdings so vage, dass bereits am vierten Verhandlungstag ein Haftbefehl gegen den mutmaßlichen Haupttäter aufgehoben wurde. Aufgrund seines Alters wurde die Verhandlung vor einer Jugendstrafkammer geführt. Unter anderem waren einige Zeugen auch erst mehr als ein Jahr nach der Tat angehört worden. Genau so lange hatte es auch gedauert, bis der mutmaßliche Haupttäter in Untersuchungshaft genommen worden war. Ohne die Einlassung der Angeklagten hätte letztlich sogar ein Freispruch – allerdings nicht für den Hiddenhauser – im Raum gestanden.

Eines der Opfer (31) hatte vor Gericht erklärt, die Eskalation sei für ihn unvorhersehbar gewesen. Von ihm und seinen Begleitern sei, soweit er sich erinnere, keinerlei Aggression ausgegangen. Die Verteidiger verwiesen hingegen auf eine Zeugenaussage, nach der es schon im Vorfeld »Schubsereien« zwischen beiden Gruppen gegeben habe. Gegen das Urteil kann Revision eingelegt werden. Az. 3Ks 51/18

Kommentare

Deutschland, kein Rechtsstaat mehr

Ein beschämendes Urteil "Made in Germany"... Irgendwie auch typisch für den Wandel in Deutschland... Deutschland stumpft ab, und in den Gerichten regiert schon lange keine Gerechtigkeit mehr...

Ich wünsche mir zudem auch noch eine größere offenere Berichterstattung über solche Taten seitens der Medien bzw. des WB. Es kann nicht sein, dass Sanés möglicher Kreuzbandriss mehr Beachtung bekommt, als solch ein Justiz- und Prügelskandal. Bei dem das Opfer doppelt leiden muss, und die Täter (und deren Anwälte) sich für die lächerliche Bewährungsstrafe feiern.

Das erinnert mich....

mich doch glatt an den Prozess, bei dem es um die Frau ging die letztes Jahr mit Brandbeschleuniger übergossen wurde und der Täter, im Juni 2019, aus Mangel an Beweisen, frei gesprochen wurde. Noch nicht einmal Bewährung....einfach frei.
Was ist das nur für eine Kuscheljustiz.....zum kotzen. Der Täter ist übrigens nicht Deutsch. Wäre sonst vielleicht anders ausgegangen.
Die Frau hat nun ihr Leben lang mit 90% verbrannter Haut zu leben.....Unfassbar!!

Die Justiz riskiert mit solchem eklatanten Unrecht, daß der allgemeine Glaube in die Gerechtigkeit der Justiz vollständig zerstört wird. Wurde der Richter eingeschüchtert/erpresst? Als Opfer oder Angehöriger der Opfer würde ich ernsthaft Rache nehmen. Ich wette das würde 20x so hart bestraft werden..

Schändlich

Das Urteil ist kaum schändlicher als die Tat...
Wenn das die Art und Weise ist mit solchen Straftaten umzugehen, muss man sich über nichts mehr wundern was in Deutschland seit geraumer Zeit möglich ist... ich stelle mir diese Tat eins zu eins mit umgekehrten Rollen vor...
Tatort Serbien, Täter 5 Deutsche, Opfer 2 Serben....
Ich glaube jeder weiss, dass da ein anderes Urteil rauskommt. Und die deutsche Mainstream- Presse würde sich dabei womöglich noch überschlagen diese schändliche Tat durch deutsche Täter zur nationalen Schande zu erklären...komisches Land, in dem ich mittlerer weile Leben muss... und darin Leben muss ich, weil Pflichten und Verantwortlichkeiten mich an diesen Staat binden... an einen Staat, an den ich bis vor kurzem noch geglaubt habe. Der aber mittlerer Weile mit der bisher gefestigten Infrastruktur dieser Gesellschaft spielt... ich bin gespannt, wo wir in 10 Jahren stehen...Ich fürchte es wird nicht besser sein wie heute und bei weitem schlechter wie es vor kurzem noch war...

Das Niedergang des Rechtsstaats

Lächerlich, dass zwei Männer gegen fünf Streit angefangen haben sollen.
Bleibt zu hoffen, dass der Richter, die Beisitzer und Verteidiger auch mal
geschubst werden, bis die Zähne rausfliegen und die Knochen brechen.

Tritte gegen den Kopf, sofern nicht von Notwehr gedeckt, sollten immer als versuchter Totschlag eingestuft werden. Aber unsere Gefängnisse sind ja schon soo voll mit solchen Individuen!

Justizskandal

Ein (weiterer) Justizskandal !
Was haben wir nur für Richter in diesem Land, wenn selbst schwerste Gewaltverbrechen nicht einmal annähernd angemessen bestraft werden ?

7 Kommentare

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