Mi., 14.08.2019

Jugendliche aus dem Raum Bünde verschönern Bedürftigen in Belarus das Zuhause Zum Renovieren nach Weißrussland

Babuschka Wlada Zabojenie ist stets dabei, wenn die Jugendlichen in ihrer Küche arbeiten.

Babuschka Wlada Zabojenie ist stets dabei, wenn die Jugendlichen in ihrer Küche arbeiten. Foto: Jaeger

Von Bernd Bexte

Bünde/Lepel (WB). Woroschko Elizaveta Iwanowna ist glücklich. So schön war ihr Zuhause schon lange nicht mehr. Ein neuer Fußboden und frische Tapeten lassen ihr bescheidenes Heim im weißrussischen Lepel erstrahlen. Jugendliche aus der Region Bünde und Weißrussland haben die 40-Quadratmeter-Wohnung der 77-Jährigen renoviert.

Seit 1996 gibt es das Internationale Jugendworkcamp Bünde-Belarus. Jedes Jahr fährt eine Gruppe der evangelischen Jugend, Region Bünde-Ost, in die weißrussische Kleinstadt (17.000 Einwohner), um Bedürftigen tatkräftig zu helfen. »Wir renovieren die Wohnungen und kleinen Häuser zumeist älterer Menschen, die für unsere Verhältnisse unter oft schlimmen Bedingungen leben«, sagt Ulrike Jaeger.

Die 54-jährige Gemeindepädagogin leitet seit Beginn den Jugendaustausch. Dutzende Male ist sie bereits in der Republik Belarus (Weißrussland) gewesen, so auch jetzt wieder mit neun Jugendlichen im Alter von 13 bis 19 Jahren aus dem Bünder Land. Das Team wird durch neun junge Weißrussen vor Ort komplettiert. Dolmetscher helfen bei der Verständigung. Drei Wochen dauert jedes Jahr der Aufenthalt in den Sommerferien. Die Weißrussen werden im Herbst zu einem Gegenbesuch nach Bünde kommen.

Ältere leiten Jüngere an

»Einige Teilnehmer waren bereits zum wiederholten Male dabei«, erzählt Jaeger. Sie opfern einen großen Teil ihrer Ferien, um Bedürftigen das Zuhause zu verschönern: tapezieren, streichen, Fußböden erneuern, einen Gartenzaun bauen – alles das erledigen die Jugendlichen in Eigenregie.

»Die Älteren, die das schon mal gemacht haben, leiten die Jüngeren an«, erklärt Jaeger, deren Hilfe sich in Weißrussland herumgesprochen hat. »Wir sind hier richtig bekannt.« Im April hat sie vor Ort gemeinsam mit dem dortigen Sozialamt die Empfänger der tatkräftigen Hilfe ausgesucht, die sich selbstverständlich aussuchen dürfen, wie sie ihre Wohnung gerne neugestaltet sehen würden. Meistens wird es dann bunt und blumig.

Sie halfen in Lepel: Nils, Wowa, Wanja, Nick-James, Delegationsleiterin Ulrike Jaeger, Tjade (hintere Reihe von links), Danik, Angelina, Julia, Sonja, Dasha, Wlada, Steffen, Lennard (mittlere Reihe von links), Sönke, Nikita, Max, Danik (vordere Reihe von links Foto: Jaeger

Sechs Baustellen haben sich die Helfer diesmal vorgenommen. Zum Schluss werden sogar Nachtschichten eingelegt, um bis zur Abreise rechtzeitig fertig zu werden. »Die jungen Menschen lernen hier, eigene Lösungen zu finden, Kreativität zu entwickeln.« Das fordert – ebenso die Unterkunft: Gemeinsam übernachten sie mit Isomatte und Schlafsack in einer Turnhalle. »Ja, man wird dabei physisch schon gut strapaziert.« So manche Überraschung bietet da Abwechslung. »Uns ist ein Hund zugelaufen, der gar nicht mehr von unserer Seite weichen wollte.« Die Jugendlichen taufen ihn Pongo.

Auf den Spuren von Holocaustopfern

Neben den Arbeitseinsätzen steht eine sechstägige Reise durch die ehemalige Teilrepublik der Sowjetunion an – auf den Spuren von Holocaustopfern und deren Nachfahren. »Wir haben uns insbesondere der Familie von Jakob Shepetinski gewidmet.« 67 Angehörige des heute 99-Jährigen, der in Israel lebt, wurden Opfer der NS-Mörder. Ulrike Jaeger hält seit 14 Jahren Kontakt zu ihm.

Finanziell unterstützt wird der Austausch unter anderem von der Kirche sowie der kirchlichen Einrichtung Hoffnung für Osteuropa, vom Kinder- und Jugendplan des Bundes, aber auch von privaten Spendern. Beim Gegenbesuch im Herbst wird die Gruppe mit den weißrussischen Gästen unter anderem die ehemalige NS-Ordensburg Vogelsang in der Eifel besuchen. Am 17. Oktober gibt es zudem einen Kulturabend in der Kirchengemeinde Dünne, bei dem die Jugendlichen noch einmal von ihrem Einsatz in Weißrussland berichten werden.

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