Fr., 13.09.2019

Polizei zeigt Schülern, wie sie sich im Straßenverkehr gegenüber Lkw richtig verhalten Unterricht auf dem Fahrersitz

Verkehrssicherheitsberaterin Andrea Humpert (links) zeigt Ekatharina und Fabian, welche Sicht ein Brummi-Fahrer von seinem Sitz aus auf die Straße hat. Unter anderem verdeutlicht die Beamtin dem Duo anschaulich, was ein toter Winkel ist.

Verkehrssicherheitsberaterin Andrea Humpert (links) zeigt Ekatharina und Fabian, welche Sicht ein Brummi-Fahrer von seinem Sitz aus auf die Straße hat. Unter anderem verdeutlicht die Beamtin dem Duo anschaulich, was ein toter Winkel ist. Foto: Daniel Salmon

Von Daniel Salmon

Bünde  (WB). Ekatharina (8) blickt in den gewölbten Außenspiegel des Zwölf-Tonners. »Ich seh’ niemanden«, sagt die Grundschülerin. Und doch stehen ihre Klassenkameraden fast direkt neben dem schweren Lastwagen – im sogenannten toten Winkel.

Verkehrssicherheitsberater Michael Hanke steht inmitten der Jungen und Mädchen. »Ihr müsst aufpassen, dass ihr euch niemals im toten Winkel aufhaltet. Der Lkw-Fahrer sieht euch dann nicht«, sagt der Beamte der Herforder Kreispolizeibehörde. Die Kinder nicken. Gemeinsam mit seiner Kollegin Andrea Humpert und Michael Steffen, Leiter des Verkehrsdienstes der Kreispolizei, ist Hanke am Donnerstag an der Grundschule in Spradow zu Gast.

Das Trio zeigt den etwa 70 Dritt- und Viertklässler anlässlich des bundesweiten Polizei-Aktionstages »Brummis im Blick«, wie sie sich im Straßenverkehr gegenüber Lastwagen verhalten müssen.

Toter Winkel

Bereits zuvor hatten die Kinder im Schulunterricht einige Videos zum Thema »toter Winkel« geschaut. Nun darf jeder von ihnen die Perspektive eines Brummifahrers einnehmen, um sich des Problems bewusst zu werden.

»Bei uns im Kreis gab es in letzter Zeit glücklicherweise keine Lkw-Unfälle, an denen Schüler beteiligt waren. Aber wir stellen trotzdem fest, dass Kinder und auch Erwachsene oft zu leichtsinnig sind, wenn sie es mit Lastwagen zu tun bekommen. Sie unterschätzen die Gefahr in solchen Situationen häufig«, sagt Michael Steffen.

»Großen Gefährt stets mit Respekt begegnen«

Denn trotz der zahlreichen Außenspiegel und sonstiger Sicherheitstechnik, über die Brummis heutzutage verfügen müssen, sei der Blick, den ein Fahrer auf seine Umgebung habe, nicht mit dem aus einem normalen Auto vergleichbar. Man könne nicht immer automatisch davon ausgehen, dass man als Fußgänger in jeder Situation wahrgenommen werde. »Man sollte einem solch großen Gefährt stets mit Respekt begegnen, sich nie direkt vor oder hinter einem Lastwagen aufhalten«, mahnt Michael Steffen.

Den Respekt, den der Beamte fordert, gewinnen die Schüler bei ihrer speziellen Unterrichtsstunde recht schnell. Viele von ihnen müssen sich anstrengen, überhaupt die Stufen zur Fahrerkabine des Lasters zu erklimmen, den die Fahrschule Michael Buschmann für den Aktionstag zur Verfügung gestellt hat.

Nur Ekhatarina klettert die Leiter recht flott hoch. »Ich bin schon mal in so einem Lastwagen gefahren – mit meinem Onkel«, verrät die Achtjährige. Die Drittklässlerin ergänzt: »Aber erst jetzt habe ich auch gelernt, dass man immer gut aufpassen muss, wenn man einem Lkw begegnet.«

Worte, die auch Michael Steffen freuen: »Man muss den Kindern so ein schweres Thema anschaulich vermitteln. Reine Theorie reicht da nicht aus«, sagt der Leiter des Verkehrsdienstes, bevor er zu einem der Lkw-Kontrollpunkte ganz in der Nähe aufbricht, die ebenfalls Bestandteil des Aktionstages sind.

Zwei Kontrollpunkte

An zwei Stellen im Kreisgebiet haben Polizeibeamte am Donnerstag im Zuge des Brummi-Aktionstages den Schwerlastverkehr unter die Lupe genommen: die Hüller-Kreuzung in Kirchlengern und die B239 in Herford. An einer Bushaltestelle in der Elsegemeinde haben Matthias Feld, Karsten Pieper und Wilhelm Kreft Position bezogen. »Unsere Beamten sind speziell ausgebildet, haben einen Blick dafür, bei welchen Lkw etwas nicht stimmen könnte«, sagt Verkehrsdienstleiter Michael Steffen

Ladung unzureichend gesichert

Bis zum frühen Mittag kontrolliert das Trio ein gutes Dutzend Lastwagen. »Einige Fahrer haben ihre Lenkzeiten nicht eingehalten«, sagt Matthias Feld. Gravierender ist, was den Beamten bei einem Lkw eines Unternehmens aus Bielefeld auffällt. Denn die Ladung – rund zehn Tonnen Stahlrohre und -bleche – ist nur unzureichend gesichert.

Das Fahrzeug wird vorerst stillgelegt, muss einen nahen Parkplatz ansteuern. Auf Fahrer und Halter des Lasters kommen Bußgelder zu: 60 und 140 Euro inklusive Bearbeitungsgebühren werden fällig, hinzu kommt jeweils ein Punkt in der Verkehrsünderkartei. Ein Kollege des Fahrers kommt später mit einem zweiten Lkw und hilft dabei, das schwere Metall umzuladen und ordnungsgemäß zu sichern.

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