Sa., 09.11.2019

Kerstin Linnenbrügger bereitet sich auf jede Menge tierischen Nachwuchs vor Trächtige Katzen einfach ausgesetzt: Bünderin gibt ihnen ein Zuhause

Jan Reischies (mit Clara) und Kerstin Linnenbrügger (mit Finja) haben den beiden trächtigen Katzen ein dauerhaftes neues Zuhause gegeben. Und ab kommender Woche wollen sie sich auch um den Nachwuchs der beiden ausgesetzten Tiere kümmern.

Jan Reischies (mit Clara) und Kerstin Linnenbrügger (mit Finja) haben den beiden trächtigen Katzen ein dauerhaftes neues Zuhause gegeben. Und ab kommender Woche wollen sie sich auch um den Nachwuchs der beiden ausgesetzten Tiere kümmern. Foto: Daniel Salmon

Von Daniel Salmon

Bünde (WB). Eigentlich wollte Kerstin Linnenbrügger mit ihrer Familie am Sonntagnachmittag nur einen Spaziergang machen. Abends war sie dann Besitzerin von zwei trächtigen Katzen. Unbekannte hatte die Tiere scheinbar einfach ausgesetzt.

»Das ist wirklich eine Sauerei. Wer macht nur so was?«, fragt sich die 46-Jährige und blickt auf Katze Clara, die es auf einem bequemen Sessel in der Sonne döst.

Mit ihrem Lebensgefährten Jan Reischies und Sohn Vincent hatte Kerstin Linnenbrügger am 3. November den Parkplatz der Freilicht-Bühne Kahle Wart in Hüllhorst-Oberbauerschaft angesteuert. »Wir wollten dort durch den Wald laufen«, erinnert sie sich.

Keine wilden Katzen

Auf einem Wanderweg entdeckte das Trio dann eines der beiden Tiere, das in Richtung Parkplatz trottete. »Sie lief vor einer Familie her, die auch dort spazierenging«, so die Bünderin. Es sei ihr komisch vorgekommen, an so einer abgelegenen Stelle auf eine Katze zu treffen. Mit ihrem Lebensgefährten und ihrem Sohn folgte sie dem Tier. »Es lief dann zu einem Schutzhäuschen am Parkplatz und begrüßte eine weitere Katze.«

Für Kerstin Linnenbrügger war klar: Jemand musste die Tiere ausgesetzt haben. »Wir sind dann hingegangen und haben gemerkt, dass es sich nicht um wilde Katzen handelt. Die sind an Menschen gewöhnt. Sie kamen zu uns und wir konnten sie ganz einfach auf den Arm nehmen. Als ob sie bei uns Hilfe gesucht hätten. Eine war schon recht abgemagert, aber uns ist gleich der dicke Bauch aufgefallen.«

Check bei Tierärztin

Kein Kavaliersdelikt

Was viele nicht wissen: Ein Haustier einfach auszusetzen, ist alles andere als ein Kavaliersdelikt, sondern eine Ordnungswidrigkeit, und kann mit einer Geldbuße von bis zu 25.000 Euro geahndet werden – selbst wenn dem Tier noch nicht einmal was passiert. In besonders schweren Fällen – etwa wenn dem Tier durch das Aussetzen ein Leid zugefügt wird oder es sogar verstirbt – sieht der Gesetzgeber sogar eine Haftstraße von bis zu drei Jahren oder aber eine Geldstrafe vor. Dann handelt es sich um eine Straftat.

Weil es mittlerweile stark regnete und auch recht kalt war, fackelten die drei Bünder nicht lange und nahmen das tierische Duo mit zu sich nach Hause. Denn Kerstin Linnenbrügger hat ein Herz für Katzen: »Ich hatte zehn Jahre selbst einen Kater. Oskar war im Sommer aber leider überfahren worden.«

Wieder zuhause angekommen, gab sie den beiden Vierbeinern erst mal Futter: »Die hatten ordentlich Appetit, haben den Rest des Tages und auch in der Nacht immer wieder was gegessen.« Später ging’s dann zu einer Tierärztin. »Wir wollten eigentlich nur wissen, ob die Katzen – es handelt sich scheinbar um Geschwister – gechipt sind. Sind sie aber nicht«, so Jan Reischies. Bei der Untersuchung bestätigte sich dann die Vermutung der Familie: Die beiden neun bis zwölf Monate alten Tiere sind trächtig. »Vermutlich wurden sie deshalb ausgesetzt und sich selbst überlassen. Die Ärztin meinte auch, dass sie auf jeden Fall vorher bei Menschen gelebt hätten. Beide sind ganz zahm«, ergänzt Kerstin Linnenbrügger.

Kitten kommen nächste Woche

Für sie und ihre Familie stand fest, die beiden Tiere, die Sohn Vincent auf die Namen Finja und Clara taufte, zu behalten. Und natürlich dürfen sie auch ihren Nachwuchs bei den Bündern zur Welt bringen. »Das ist wahrscheinlich schon in der nächsten Woche soweit«, sagt die 46-Jährige, die insgesamt mit acht bis zehn kleinen Kitten rechnet.

Drei Monate lang will die Bünder Familie dann auch dem Nachwuchs ein Heim geben. »Das wird sicher ganz schön trubelig. Aber wir sind schon in freudiger Erwartung. Danach wollen wir für die Kleinen liebevolle Besitzer finden«, sagt Linnenbrügger, die zwei der noch ungeborenen Katzen-Babys schon Freunden versprochen hat.

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