Mi., 11.12.2019

70-Jähriger erhält Bewährungsstrafe – Staatsanwalt: „Eine Spur der finanziellen Verwüstung“ Hausverwalter veruntreut 80.000 Euro

Das Amtsgericht Bünde verurteilte den 70-Jährigen.

Das Amtsgericht Bünde verurteilte den 70-Jährigen. Foto: Salmon

Von Daniel Salmon

Bünde  (BZ).Wegen gewerbsmäßiger Untreue in 50 Fällen hat ein 70-Jähriger vor dem Bünder Amtsgericht eine 18-monatige Freiheitsstrafe kassiert, ausgesetzt zur Bewährung. Der ehemalige Hausverwalter hatte über mehrere Jahre insgesamt rund 80.000 Euro von ihm anvertrauten Konten veruntreut.

Zwar sind für den Prozess am Montag keine Zeugen geladen. Dennoch haben mehrere Zuschauer auf den Stühlen im Saal 1 des Gerichtsgebäudes Platz genommen. Es sind Mitglieder der Wohnungseigentümergemeinschaften, für die der angeklagte Senior in Bünde über Jahre hinweg Immobilien verwaltet und durch sein Handeln geschädigt hat. Fast fünf Jahre lang soll es zu Unregelmäßigkeiten gekommen sein. Bis zur Selbstanzeige des Mannes – er wohnt mittlerweile in Jeßnitz – hatte niemand etwas davon mitbekommen. „Sie haben eine Spur der finanziellen Verwüstung hinterlassen“, sagt Staatsanwalt Guido Hartmann.

50 Vorwürfe

Es dauert seine Zeit, bis der Ankläger alle 50 Vorwürfe gegen den Mann aufgezählt hat. Wasserfallartig rattert der Jurist Euro-Beträge und IBAN-Nummern herunter. Mal sind es zweistellige Beträge, die der Ex-Hausverwalter von den Konten der Eigentümergemeinschaften in bar abgehoben hat. „Mit dem Geld habe ich Leute bezahlt, die mir geholfen haben: und zwar beim Entrümpeln von Kellern der Wohnungen, die verwaltet habe“, so der Beschuldigte. Denn die Eigentümer wohnten oft selbst nicht in den verwalteten Wohnungen. Und die Mieter hätten oft Müll hinterlassen, teils Nebenkosten nicht gezahlt. Auch diese Fehlbeträge habe er mit seinen Überweisungen ausgleichen wollen.

Teils waren es aber auch vierstellige Summen, die vom Konto einer Eigentümergemeinschaft zum nächsten transferiert wurden – ebenfalls um Fehlbeträge auszugleichen. Mal überwies sich der 70-Jährige zudem selbst Geld. Nicht um sich zu bereichern, wie er in der Verhandlung ausführt. „Das war das Geld für meine Verwaltertätigkeit.“

Irgendwann, das lässt der Beklagte über seinen Pflichtverteidiger einräumen, habe er die Übersicht über das Überweisungsgeflecht verloren. „Es ist nachvollziehbar, dass sie das alles nicht mehr im Kopf hatten“, meint auch der Richter. Der 70-Jährige sei überfordert gewesen, habe psychische Probleme gehabt, unter anderem wegen Stress innerhalb der Familie, räumt er ein. Erst 2016 habe er sich in ärztliche Behandlung begeben („Mein Arzt sagte: „Sie stehen vor einem Burnout“), später dann in Therapie. 2017 zeigt er sich schließlich selbst an.

Rentner zeigt sich reuig

Mit gesenkten Blick und leiser Stimme zeigt sich der Rentner auf der Anklagebank reuig. „Ich will mich dafür entschuldigen, was ich getan habe. Ich habe gewusst, dass es strafbar ist.“ Mit einigen der Eigentümergemeinschaften hat er vor dem Bielefelder Landgericht bereits finanzielle Vergleiche geschlossen. Knapp 30.000 Euro stottert er bereits in Raten ab.

Staatsanwalt Hartmann hegt Zweifel an der kompletten Version des Rentners. Auffällig sei für ihn, dass immer vor Weihnachten höhere Geldbeträge in bar abgehoben wurden. „Aber ob Sie sich das Geld in die eigene Tasche gesteckt haben oder Löcher auf anderen Konten stopfen wollten, ist für die Strafbarkeit ohne Belang.“ Der Ankläger hält eine zur Bewährung ausgesetzte Freiheitsstrafe von 21 Monaten für tat- und schuldangemessen. Der Pflichtverteidiger fordert ein milderes Urteil.

Am Ende werden es dann 18 Monate auf Bewährung. Zudem soll er auch die übrigen Wohnungseigentümer entschädigen, die bereits geschlossenen Vergleiche weiterhin bedienen. Auch die Prozesskosten gehen auf seine Kappe. „Dass Sie nicht eher die Reißleine gezogen haben, müssen Sie sich selbst anlasten“, so der Richter abschließend.

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