Torsten Sträter begeistert mit großer stilistischer Vielfalt im ausverkauften Bünder Stadtgarten
Kreatives Chaos im Plauderton

Bünde (WB). Genau zwei Stunden und 16 Minuten soll es dauern, bis Torsten Sträter zum ersten Mal sein Tablet aufklappt. Mit dem Vorlesen von Kurzgeschichten ist der Comedian bekannt geworden, inzwischen trägt er den Großteil seines Bühnenprogramms frei vor – und erhebt das Abschweifen zur großen Kunst.

Sonntag, 09.02.2020, 17:53 Uhr aktualisiert: 09.02.2020, 18:00 Uhr
Im Bünder Stadtgarten zeigt Comedian Torsten Sträter seine kumpelhafte, souverän-eloquente und stets authentische Art, die inzwischen, wie seine Mütze und seine Kurzgeschichten, zum Markenzeichen des 53-Jährigen gehört. Den Zuschauern in der Elsestadt gefällt Sträters Auftritt sichtlich. Foto: Karl-Henrik Tittel
Im Bünder Stadtgarten zeigt Comedian Torsten Sträter seine kumpelhafte, souverän-eloquente und stets authentische Art, die inzwischen, wie seine Mütze und seine Kurzgeschichten, zum Markenzeichen des 53-Jährigen gehört. Den Zuschauern in der Elsestadt gefällt Sträters Auftritt sichtlich.

„Ich hoffe, Sie müssen morgen früh nicht die Ernte einholen, das wird sich heute ziehen“, macht der 53-Jährige gleich zu Beginn deutlich. Den kleinen Provinzseitenhieb solle ihm niemand übel nehmen, er wohne ja selber in einem kleinen Kaff. Ihm sei die persönliche Ebene wichtig. „Schließlich teilen wir uns einen Samstag und sehen vielleicht noch gemeinsam den Sonnenaufgang.“

Stadtgarten restlos ausverkauft

Es dauert nicht lange, bis Sträter auf Betriebstemperatur ist. Beiläufig erzählt er von seinem neuen Programm „Schnee, der auf Ceran fällt“ und der Mühsal des Entstehungsprozesses. „Im Sommer wurde ich nach Wacken eingeladen, weil die wohl dachten, ich mag Heavy Metal.“ Dabei höre er höchstens Motörhead, um zuhause die Tapeten abzulösen, und das auch nur mit Ohropax. Der Festivalbesuch hätte aber wunderbar vom Programmschreiben abgelenkt. „Es sind einige gute … sagen wir einige neue Geschichten dabei.“ Bis das Publikum im restlos ausverkauften Stadtgarten eine Kostprobe bekommt, wird es dauern.

Er mag nicht, dass Hotelflure immer länger werden. Und Reinhold Messner sei der haarigste Mensch, den er je gesehen hat. „Es ist doch kein Zufall, dass der Yeti auf dem einzigen bekannten Foto von ihm die gleichen Badelatschen wie Messner trägt.“

Kreatives Chaos

Stichwort Homöopathie. „Globulis sind für Leute, denen Tic Tacs zu billig sind.“ Und mit Impfgegnern könne man kaum vernünftig reden. „Impfgegner … als ich zur Schule ging, stand plötzlich Doktor Mabuse im Flur und hat uns durch den Nickipullover durchgeimpft wie Vieh.“

Ob das jetzt bereits das neue oder überhaupt ein Programm ist, spielt keine Rolle. Der Mann mit der Mütze ist in Erzähllaune und damit in seinem Element. Befreit von getakteten Redezeiten, wie in Dieter Nuhrs Fernsehshow, plaudert er drauf los, bietet skurrile Alltagsbetrachtungen mit schrägem Humor, hüpft vermeintlich planlos von einem Erzählstrang zum nächsten.

Es ist ein recht beachtliches kreatives Chaos, das da auf der Bühne entsteht. Alles wirkt frisch, unverbraucht, vieles spontan, einiges sehr persönlich, und verleiht dem Auftritt eine einzigartige Note. Sträter kommt so von Hölzken auf Stöcksken und entschuldigt sich regelmäßig für die sprunghaften Themenwechsel, die in Wirklichkeit das Salz in der Suppe sind. Seine stilistische Vielfalt ist beachtlich, ob frei erzählt oder vorgelesen. Von Routine also keine Spur – zum Glück. Dabei gehört der gelernte Herrenschneider inzwischen zu den ganz Großen der deutschen Bespaßungsindustrie.

Vorsicht vor Bockwürsten

Obwohl, oder wohl doch eher weil sein Sohn nicht mehr in seinen Programmen vorkommen möchte, ist der inzwischen 16-Jährige den ganzen Abend über Thema. Und was möchte dieser werden? Natürlich Influencer. Sträter hat für diese Gestalten auf Instagram in „zu engen Leggings und geschminkt wie japanische Kabuki-Tänzerinnen“ nichts übrig.

Er möchte seinem Sohn stattdessen etwas Sinnvolles mit auf den weiteren Lebensweg geben. Zum Beispiel, warum man in Autobahn-Raststätten nur Verpacktes essen sollte – und keinesfalls die im Speisewärmer schwimmenden Bockwürste. Wortgewaltig beschwört er das Bild eines Reisebusses voller Osnabrücker Landfrauen mit „von der Feldarbeit zerkratzten Gliedmaßen und von Bepanthen verschmierten Händen“ herauf, die sich an den Bockwürsten zu schaffen machen, aber aufgrund „von Gicht und Lichtbrechung“ keine zu fassen bekommen: „Eine Wurst lacht, sie hat schon viele Busse gesehen, und davor Droschken, und davor schmutzige Männer auf Pferden.“

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