Do., 13.02.2020

Rotpunkt wird 90 und sucht Zeitzeugen für eine Firmenchronik Von der Zigarrenkiste zur Premium-Küche

1930 hatte es mit der Produktion von Zigarrenkisten begonnen, später produzierten die Mitarbeiter des Unternehmens im Bünder Stadtteil Ahle auch Spielzeug und Nähkästen, erst nach dem Krieg Küchenmöbel.

1930 hatte es mit der Produktion von Zigarrenkisten begonnen, später produzierten die Mitarbeiter des Unternehmens im Bünder Stadtteil Ahle auch Spielzeug und Nähkästen, erst nach dem Krieg Küchenmöbel.

Von Bernd Bexte

Bünde (WB). Wer 90 Jahre alt wird, hat eine Menge erlebt. So wie die Firma Rotpunkt-Küchen. 1930 hatte es mit der Produktion von Zigarrenkisten begonnen, später produzierten die Mitarbeiter in Ahle auch Spielzeug und Nähkästen, erst nach dem Krieg Küchenmöbel. Doch wer kann sich noch erinnern? Anlässlich des runden Geburtstags bittet der Traditionsbetrieb um Hilfe, damit im September eine Firmenchronik erscheinen kann.

Es begann mit Zigarrenkisten

„Mein Großvater Wilhelm Meyer hatte mit Heinrich Rabe das Unternehmen gegründet“, sagt Heinz-Jürgen Meyer (64), geschäftsführender Gesellschafter in dritter Generation. Das war am 15. Februar 1930. Die Rabe & Meyer OHG, so der damalige Firmenname, begann zunächst mit der Zigarrenkistenproduktion für die zahlreichen tabakverarbeitenden Betriebe in der Region. Doppmann & Buck (Ständewappen), Rutenkröger, Paul Beinke, Heinrich Dedert, Friedrich Wilhelm Gerling, Wilhelm Wippermann, Heinrich Wiechen (Beneke, H.D.) – die Liste der Abnehmer ist lang. „Zu Spitzenzeiten wurden täglich 2000 Kisten hergestellt“, sagt der Ahler Ortshistoriker Harald Darnauer, der bereits begonnen hat, an der Firmenchronik zu schreiben. Gustav Rabe lieferte die Ware anfangs mit dem Pferdefuhrwerk aus, ab 1936 mit einem eigenen Pkw.

In der Nachkriegszeit war das Holz für Zigarrenkisten in der Massenproduktion knapp. Mit ausklappbaren Nähkästen oder Holzspielzeug erschloss sich Rabe & Meyer neue Geschäftsfelder. Von 1950 an wurden dann Möbel produziert – die Küchenbuffets aus Ahle standen in so mancher Wirtschaftswunderwohnung. Harald Darnauer hat eine Besonderheit ausgemacht: „Rabe & Meyer war das einzige Unternehmen, das den Sprung von der Zigarren- zur Küchenmöbelproduktion geschafft hat.“ Auch der Fuhrpark wurde erweitert. Die ersten Lkw lieferten die Küchenmöbel aus. Aber erst 1968 kam das Aus für die Kistenherstellung.

Seit 1996 zweiter Standort in Getmold

Die Möbelfertigung wurde in den Folgejahren erweitert. Das Jahr 1996 markiert dabei eine Zäsur: in Getmold (Preußisch Oldendorf) wurde ein zweiter Standort eröffnet. Die Produktionsfläche ist aktuell 40.000 Quadratmeter groß. Insgesamt beschäftigt Rotpunkt-Küchen 330 Mitarbeiter und erwirtschaftet mit seinen Premiumküchen einen Jahresumsatz von etwa 70 Millionen Euro. „80 Prozent gehen in den Export, vor allem in die Benelux-Länder“, sagt Andreas Wagner, seit Mai 2013 zweiter geschäftsführender Gesellschafter.

100 Küchen pro Tag

Etwa 100 Küchen fertigt das Unternehmen pro Tag. Die Designs und Gestaltungsideen sind übrigens „made in Ahle“. „Wir lassen uns da natürlich auch von Messebesuchen inspirieren“, erläutert Wagner. Seit 1982 werden die Küchen unter dem Namen Rotpunkt vermarktet. „Dieses Markenzeichen hat sich bewährt“, meint Meyer. Offiziell umbenannt wurde die Firma allerdings erst 2016. Neueste Veränderung: Seit diesem Jahr fertigt Rotpunkt mit Öko-Strom. Im Zusammenspiel mit Investitionen in Nachhaltigkeitsprojekte sei man „zu 100 Prozent klimaneutral“.

Zeitzeugen gesucht

90 Jahre – der Firmengeburtstag soll genutzt werden, um blinde Flecken in der Unternehmenshistorie zu tilgen. „Wir warten da nicht auf den 100. Je eher wir beginnen, je mehr Lücken können wir schließen“, sagt Heinz-Jürgen Meyer. Er bittet ehemalige Beschäftigte, aber auch alteingesessene Ahler, Kunden oder wer immer noch etwas beisteuern kann, sich zu melden. Alte Fotos, Nähkästen, Erinnerungen – all dies sei willkommen, um Eingang die Firmenchronik zu finden. Infos an Heinz-Jürgen Meyer (Tel. 05223 6900113 oder hjmeyer@rotpunktkuechen.de), Harald Darnauer (Tel. 05223 2858 oder harald.darnauer@gmx.de)

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