Doberg: Bezirksregierung lässt Abbruch an Steilwand zu – illegale Fossiliensuche
Lockere Felsnase: Gefahr für Fußgänger

Bünde  (WB). Abbrucharbeiten am Doberg? Sind strengstens verboten. Immerhin handelt es sich bei dem Bodendenkmal seit dem vergangenen August um ein nationales Geotop. Wenn allerdings die Sicherheit von Spaziergängern gefährdet ist, sieht die Lage schon anders aus. So ist es zu erklären, dass am Mittwochvormittag ein Bagger anrollte und mit einem speziellen Steingreifer tonnenschwere Stücke aus einer der Steilwände herausgebrochen hat. Die Felsen wurden anschließend für den Abtransport auf einen Tieflader gelegt.

Donnerstag, 26.03.2020, 11:00 Uhr
Mit dem Bagger war das Bünder Baugeschäft Meyer vor Ort, um die Felsnase aus der Steilwand zu brechen Foto: Hilko Raske
Mit dem Bagger war das Bünder Baugeschäft Meyer vor Ort, um die Felsnase aus der Steilwand zu brechen Foto: Hilko Raske

„Wir haben hier gezielt eine Felsnase aus einer der Steilwände herausgebrochen“, sagt Karin Bohrer vom Amt für Umwelt, Natur und Klima des Kreises Herford. Diesen Überhang gebe es schon so lange, wie sie zurückdenken könne. Seit jeher sei ein Spalt durch die Felsnase gelaufen. Der habe sich aber in der letzten Zeit verbreitert. Gemeinsam mit der Bezirksregierung – „denn dieser Bereich des Dobergs gehört der Bezirksregierung“ – habe man die betreffende Stelle inspiziert. Die zuständige Behörde in Detmold sei zu der Einschätzung gelangt, dass der Felsbrocken sich von alleine lösen und somit Spaziergänger gefährden könnte. Deshalb sei entschieden worden, vorbeugend die Felsnase aus der Steilwand herauszubrechen. Bereits im Vorfeld habe man sich mit dem Paläontologischen Arbeitskreis des Dobergmuseums in Verbindung gesetzt, der die Aktion begleitete.

In gewisser Weise profitiert der Arbeitskreis vom Abbruch der Felsnase. Denn unter normalen Umständen ist es strengstens verboten, aus dem Bodendenkmal Steine herauszubrechen, um beispielsweise nach Fossilien zu schürfen. „Die Felsbrocken werden zum Dobergmuseum transportiert und im Außenbereich der Museumsinsel gelagert“, informiert Lutz Müller, Professor für Geotechnik und Geothermik an der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe. Der Wissenschaftler ist auch gleichzeitig Mitglied im Förderverein für das Dobergmuseum. „Die Felsstücke enthalten reichlich Fossilien“, so Müller. Für die Jugendgruppe des Paläontologischen Arbeitskreises sei das eine ideale Gelegenheit, um die Freilegung von Fossilien zu üben und beispielsweise versteinerte Muscheln aus dem Felsen zu holen.

Auf der Suche nach Fossilien müssen auch einige „Hobbyforscher“ ganz in der Nähe der Abbruchstelle gewesen sein. „Wahrscheinlich mit einer Spitzhacke ist hier ein riesiges Loch in die Felswand geschlagen worden“, sagt Fritz Hasenbürger vom Arbeitskreis und verweist darauf, dass ein derartiges Schürfen nach Fossilien in Wildwestmanier nicht nur verboten, sondern illegal ist. „Diese illegalen Grabungen stellen einen Verstoß gegen das Denkmalschutzgesetz dar und können mit einem Bußgeld bis zu 250.000 Euro geahndet werden“, informiert Patrick Albrecht von der Pressestelle des Kreises Herford.

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