Corona-Krise: fünf Bünder Ärzte wollen öffentliche Diskussion
Gesundheitliche Folgeschäden befürchtet

Bünde (WB/sal). Fünf Bünder Ärzte bezweifeln, dass sich die derzeit in der Corona-Krise federführenden Wissenschaftler die Frage nach den gesundheitlichen Folgen ihrer Empfehlungen regelmäßig stellen. Sie befürchten aufgrund der Corona-Beschränkungen gesundheitliche Kollateralschäden in der Bevölkerung, die nicht direkt mit einer möglichen Infektion in Verbindung stehen.

Dienstag, 28.04.2020, 05:52 Uhr aktualisiert: 28.04.2020, 07:22 Uhr
Die fünf Bünder Ärzte befürchten unter anderem gesundheitliche Folgeschäden bei nicht-infizierten Bürgern, die aus Angst und wegen behördlicher Auflagen andere Erkrankungen nicht behandeln lassen. Foto: dpa.
Die fünf Bünder Ärzte befürchten unter anderem gesundheitliche Folgeschäden bei nicht-infizierten Bürgern, die aus Angst und wegen behördlicher Auflagen andere Erkrankungen nicht behandeln lassen. Foto: dpa

In einer öffentlichen Stellungnahme regen Chirurg Dr. Hans-Jürgen Beckmann, Orthopäde Dr. Norbert Beil, Urologe Dr. Heinz Georg Beneke sowie die Allgemeinmediziner Dr. Robert Kluger und Dr. Bruno Weil an, die weiteren Maßnahmen zur Rückkehr in ein „normales“ Leben sehr sorgfältig und nicht nur aus Sicht von Virologen anzupassen. Die massiven Kontaktbeschränkungen, die seit Mitte März gelten, stellen die Bünder Ärzte zwar keineswegs infrage. Sie seien zu dem Zeitpunkt, als sie veranlasst wurden und unter Berücksichtigung der seinerzeit vorliegenden Erkenntnisse auch aus Sicht der Bünder richtig gewesen.

 

Keine Überlastung erkennbar

„Aber: Die ‚magische Zahl‘ der Verdopplungszeit der Infektionen – angestrebt waren seitens der Bundesregierung noch Anfang April 10 bzw. 14 Tage – ist inzwischen auf aktuell 55,7 Tage gesunken. In Bünde sind derzeit 16 Menschen mit dem Virus infiziert“, so die Verfasser der Stellungnahme. Von einer Überlastung des Gesundheitssystems könne bei einer Belegung der regionalen Kliniken von unter 50 Prozent keine Rede sein.

„Gerade wir als Ärzte sehen uns täglich mit Fragen zu unserer Einschätzung der Lage konfrontiert und nehmen das zum Anlass, unsere persönliche Auffassung, die nicht in allen Punkten der veröffentlichten Meinung der federführenden wissenschaftlichen Regierungsberater entspricht, öffentlich darzustellen“, teilen die Bünder Mediziner mit. Laut ihrer Aussage seien es derzeit in der Öffentlichkeit stehende Wissenschaftler – wie etwa Prof. Dr. Christian Drosten – gewohnt, ihren Fokus voll und ganz auf „das eigene, meist sehr kleine, Fachgebiet zu richten“. „Als Mediziner haben wir allerdings in Jahrzehnten der aktiven Tätigkeit gelernt und verinnerlicht, dass es gerade in unserem Beruf einer ganzheitlichen Betrachtung des Patienten bedarf“, so Dr. Beneke und seine Kollegen. Jede Diagnose betreffe nicht nur ein Organ, sondern den gesamten Menschen. Jede Therapie gehöre hinsichtlich Nutzen und Risiken geprüft und individuell an die jeweilige Situation angepasst.

Was sinnvoll ist, muss getan werden

Das bedeute mit Blick auf die Corona-Krise: „Natürlich muss alles, was sinnvoll ist, getan werden, um eine Ausbreitung der Pandemie, soweit das eben geht, einzudämmen. Aber den Fokus auf die genetische Struktur des Virus, die Geschwindigkeit seiner Ausbreitung oder seine Reproduktionszahl zu legen, ist aus unserer Sicht nur ein Teil der ‚Therapie‘.“ Zusätzlich sollte man als Mediziner – und auch Virologen seien Ärzte – auch die Nebenwirkungen und Risiken seiner fachlichen Empfehlungen in seine Überlegungen einbeziehen. Dabei haben die Bünder insbesondere die möglichen gesundheitlichen Kollateralschäden im Blick, die eben nicht direkt mit einer Corona-Infektion zusammenhängen.

Konkret meinen die fünf Ärzte damit die „aus Angst und wegen behördlicher Auflagen ausbleibenden Behandlungen anderer Erkrankungen (rückläufigen Zahle von Notaufnahmen wegen Herzinfarkt oder Schlaganfall), die psychosozialen Schäden durch Isolation von alten und pflegebedürftigen Menschen, die krankmachenden Sorgen um die berufliche Existenz, die Absage von erforderlichen Physio- und Psychotherapien, die von diffuser Angst geprägte öffentliche Debatte, die Zunahme von häuslicher Gewalt, die besorgniserregende Fakten mit unabsehbaren Folgen“ seien.

Keine Denkverbote

„Was wir bei einigen der meinungsbildenden Wissenschaftler ausdrücklich vermissen, ist der ärztliche Blick über den Tellerrand des eigenen Fachgebietes. Volkswirtschaftliche Bewertungen erwarten wir ja gar nicht. Aber ist es nicht auch zentraler Gegenstand des ärztlichen Berufs, Hoffnung und Perspektive zu bieten und Ängste zu nehmen, statt sie zu schüren?“, fragen Weil, Beneke, Kluger, Beckmann und Beil. Daher regt das Quintett an, eine Diskussion um mögliche Maßnahmen zurück zu einem „normalen“ Alltag, „unter Beteiligung auch vermeintlich unbequemer Meinungen und ohne Denkverbote“ zu führen: „Wir erwarten von Politik und Medien, nicht nur Angst und Schrecken, sondern auch Hoffnung und Perspektive aufzuzeigen.“

Kommentare

Oliver  schrieb: 29.04.2020 14:48
Wo bleibt die Ehre des Journalisten
Flüchtlingslager Moria: 20.000 Menschen. Es droht die Katastrophe. Aber wo bleibt Diese denn.
Wir können davon ausgehen, das in Moria relativ wenige multimorbide Menschen leben, die diese Beschwerliche Reise dorthin auf sich genommen haben.
Diese Keimzelle soll bis heute von dem Virus verschont geblieben sein?

Wo bleiben Zahlen.
Anzahl der getesteten zu der Zahl der Infizierten
Wieviel Gestorbene hatten keine Vorerkrankung.
Wie alt waren die Gestorbenen im Schnitt.

Warum werden keine Relativen Zahlen gegeben.
wie zum Beispiel - "3000 Menschen gestorben im gleichen Zeitraum 2019 sind x Menschen gestorben".

Wieviel Menschen (ohne Vorerkrankung) werden sich 2021 Das leben nehmen, weil Ihnen die Lebensgrundlage entzogen wurde?
Bernd Namendorf  schrieb: 28.04.2020 17:55
Endlich
Da kann ich nur zustimmen. Ohne Not wurden "Maßnahmen" getroffen, ohne die Folgen zu berücksichtigen. Nun - lange nach Ausbruch der Pandemie, die Maulkorb.Pflicht. Der Mundschutz schadet (dem Träger) mehr als er nutzt.

Von der Wirtschaftskrise 2008 hatte sich die BRD noch nicht wieder erholt, nun wird die Wirtschaft vollends abgewürgt. Wer Arm ist , stirbt einige Jahre früher, weil er sich nicht so gut ernähren kann und mehr Streßfaktoren ausgesetzt ist. Die Folgen spüren noch unsere Kinder ökonomisch und gesundheitlich - Kinder schlecht ernährter Mütter leiden häufiger an Herz-Kreislauf-Erkrankungen (das Thema beschäftigte mich, weil mein Vater Anfang 1919 geboren wurde und davon betroffen war)
2 Kommentare
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