33-Jähriger aus Bünde gibt illegalen Waffenbesitz zu, leugnet aber Handel mit Drogen
Nacktfotos für Kokain-Lieferung gefordert?

Bünde (WB). Hat ein 33 Jahre alter Bünder über Monate seine damalige Geliebte kostenfrei mit Kokain versorgt und zum Schluss Nacktfotos von ihr für die Drogenlieferung verlangt? Der Prozess vor Amtsrichterin Beatrice Schiwon konnte am Donnerstag noch keine Antwort auf die brisante Frage geben.

Freitag, 05.06.2020, 09:00 Uhr
Auf dem Parkplatz des Autohofes und des nahen Casinos soll der Angeklagte seiner damaligen Geliebten Kokain übergeben haben. Der 33-Jährige bestreitet das allerdings vehement. Foto: Salmon
Auf dem Parkplatz des Autohofes und des nahen Casinos soll der Angeklagte seiner damaligen Geliebten Kokain übergeben haben. Der 33-Jährige bestreitet das allerdings vehement. Foto: Salmon

Bereits nach wenigen Minuten wurde die Verhandlung vertagt, da der Angeklagte die ihm vorgeworfene Dealertätigkeit brüsk von sich wies. Er war ohne Anwalt erschienen und nahm seine Verteidigung selbst in die Hand. „Sie lügt“, warf er seiner Ex-Geliebten in Abwesenheit vor. Sie hatten den Fall ins Rollen gebracht. Da kein Licht ins Dunkel zu bringen war, soll zu einem späteren Termin die Anzeigenerstatterin als Zeugin geladen werden. Gegen sie läuft bereits ein gesondertes Verfahren.

Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft haben es in sich: Laut Anklage soll der Bünder von Mitte August 2018 bis Ende 2018 seine damalige Geliebte 80-mal mit Kokain beliefert haben. Jeweils 0,5 Gramm soll er ihr auf dem Parkplatz am Autohof beziehungsweise am nahen Casino Bünde übergeben haben. „Ohne Gegenleistung“, wie die Anklagebehörde betont. Erst später habe er für seine illegalen Dienste Nacktfotos von der jungen Frau gefordert.

Polizei stellte Drogen und Waffen sicher

Bei einer Durchsuchung der Wohnung des Angeklagten stellte die Polizei 11,9 Gramm Amphetamine und gut fünf Gramm Marihuana sowie eine Feinwaage sicher. Zudem stießen die Beamten auf drei illegale Wurfsterne und einen ebenfalls nicht erlaubten Schlagring. Somit lautete die Anklage auf Verstoß gegen das Betäubungsmittel- und das Waffengesetz.

Den Besitz der illegalen Waffen gab der Bünder unumwunden zu. Auch den Drogenfund wollte er nicht leugnen. „Aber ich habe nicht mit Drogen gehandelt.“ Die Amphetamine und das Marihuana habe er für den Eigenbedarf vorrätig gehabt. „Und mit Kokain habe ich nie etwas zu tun gehabt“, erklärte er Amtsrichterin Schiwon sichtlich erregt. „Ich würde hier sofort eine Blutprobe abgeben, um das zu beweisen.“ Der Vorwurf der Kokainabgabe – er dürfte strafrechtlich am schwersten wiegen – sei nichts anderes als eine Vergeltungsaktion seiner Ex-Geliebten.

„Arm wie eine Kirchenmaus“

„Ich kenne sie schon etwas länger. Erst waren wir gute Freunde. Ich hatte mit ihr dann damals aber eine Affäre, keine richtige Beziehung, so ein Techtelmechtel halt“, rang er um die richtige Bezeichnung für die Verbindung zu der Frau. Seine Geliebte habe jedoch einen festen Partner gehabt. Als dieser offenbar von der Affäre mit dem Bünder erfahren habe, habe die junge Frau sich vermutlich genötigt gesehen, durch eine Anzeige gegen den Nebenbuhler ihrem festen Freund ihre Loyalität beweisen zu müssen. Das zumindest vermutete der Angeklagte vor Gericht.

Denn die Sache mit den Nacktfotos hätte für die Frau heikel werden können. „Ja, die gibt es. Aber die hat sie mir freiwillig geschickt. So etwas hätte ich nie von ihr verlangt.“ Kokain könne sowieso nur jemand abgeben oder damit handeln, der Geld habe. „Ich habe nichts, ich bin arm wie eine Kirchenmaus“, gab der Angeklagte freimütig zu, der nie eine Berufsausbildung gemacht hat. Ein Termin für die Fortsetzung des Prozesses steht noch nicht fest.

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