Kreisfeuerwehrverband Herford stellt Jahresbericht vor – Millioneninvestition nötig
Aufrüsten gegen die Waldbrandgefahr

Herford (WB). Der Kreis Herford ist der waldärmste Kreis in Nordrhein-Westfalen und trotzdem bezeichnet Kreisbrandmeister Bernd Kröger die Wälder als „riesiges Problem der kommenden Jahre“. Wie er zu dieser Einschätzung kommt, lässt sich den Zahlen des Jahresberichts des Kreisfeuerwehrverbandes entnehmen.

Samstag, 13.06.2020, 12:17 Uhr aktualisiert: 13.06.2020, 12:20 Uhr
8000 Liter Wasser fasst der Abrollbehälter (AB) Wasser im Hintergrund – geländegängig ist er aber nicht und damit für Einsätze bei Waldbränden nur bedingt geeignet. Weil die in Zukunft wahrscheinlicher werden, hat die Feuerwehr erstes Equipment angeschafft. Kreisbrandmeister Bernd Kröger (rechts) hält einen dünnen B-Schlauch, sein Stellvertreter Holger Klann (2. von rechts) einen der neuen Löschrucksäcke. Landrat Jürgen Müller und Ordnungsamtsleiterin Silke Vahrson-Hildebrand loben die Einsätzstärke der Feuerwehr im Kreis. Foto: Peter Monke
8000 Liter Wasser fasst der Abrollbehälter (AB) Wasser im Hintergrund – geländegängig ist er aber nicht und damit für Einsätze bei Waldbränden nur bedingt geeignet. Weil die in Zukunft wahrscheinlicher werden, hat die Feuerwehr erstes Equipment angeschafft. Kreisbrandmeister Bernd Kröger (rechts) hält einen dünnen B-Schlauch, sein Stellvertreter Holger Klann (2. von rechts) einen der neuen Löschrucksäcke. Landrat Jürgen Müller und Ordnungsamtsleiterin Silke Vahrson-Hildebrand loben die Einsätzstärke der Feuerwehr im Kreis. Foto: Peter Monke

Demnach hat sich die Zahl der Brände in Wald/Heide/Moor deutlich erhöht: von etwa 50 Einsätzen im Jahr 2017 auf 150 beziehungsweise 120 in den beiden vergangenen Jahren. Der Grund liegt auf der Hand, beide Sommer waren ungewöhnlich trocken und heiß.

„90 Prozent des Fichtenbestandes im Wiehengebirge, im Stuckenberg oder auch rund um Vlotho sind tot oder stark geschädigt“ , erläutert Kröger. Da die Preise für Holz im Keller seien und es auch nicht genügend Personal gebe, um die Bestände zeitnah zu roden, seien die Wälder voll mit Totholz. „Und wenn solche Fichten Feuer fangen, brennen sie wie Fackeln hoch bis in die Wipfel“, sagt Kröger. Davon habe er sich beim Waldbrand im Teutoburger Wald Ende April ein eindrucksvolles Bild machen können.

Löschrucksäcke und dünnere Schläuche

Um für solche Einsätze gerüstet zu sein, brauche es neues Material und vor allem geländegängigere Fahrzeuge, mit denen große Wassermengen schnell auch an entlegene Stellen gebracht werden können.

Ein so genanntes Waldbrandmodul gibt es in der Leitstelle in Eilshausen bereits. Darin enthalten sind zum Beispiel deutlich dünnere Schlauchsysteme, die sich durch eine gewollte minimale Undichtigkeit permanent selbst kühlen können. Außerdem sind sie leichter und damit im Gelände flexibler einsetzbar. Zum Equipment gehören aber auch Löschrucksäcke, in die 19 Liter Wasser passen und mit denen man zum Beispiel den Waldboden punktgenau nachlöschen kann.

Die Umrüstung der Fahrzeugflotte wird dagegen Zeit brauchen: „Die Lieferfristen liegen bei etwa zwei Jahren“, sagt Kröger und betont, wie wichtig es auch in diesem Zusammenhang ist, dass die Feuerwehren immer stärker zusammenarbeiten. „Unser Ziel ist es, dass jede Kommune im Kreis Herford ein geländegängiges Tanklöschfahrzeug anschafft, das bei Bedarf angefordert werden kann.“ Anders sei das finanzielle Volumen – ein neues Feuerwehrfahrzeug kostet schnell 400.000 Euro – auch nicht zu stemmen.

Atlas zeigt alle Zufahrtswege in Waldgebiete

Wie man im Gelände mit solch schweren Fahrzeugen sicher voran kommt, muss natürlich geübt werden. Erste Ausbildungseinheiten mit der Fahrschule der Bundeswehr auf dem Truppengelände in Augustdorf wurden im vergangenen Jahr bereits absolviert. Weitere sollen folgen.

Und damit die Einsatzkräfte im Fall der Fälle wissen, wie sie zur Brandstelle kommen, wird derzeit zusammen mit dem Katasteramt und den Forstbehörden außerdem ein Atlas erstellt, der alle Waldgebiete mit den entsprechenden Zufahrtswegen ausweist. Hier ist ebenfalls Networking angesagt – in diesem Fall mit den Feuerwehren im Kreis Minden-Lübbecke. Denn es mache ja keinen Sinn, zum Beispiel im Wiehengebirge an der Kreisgrenze in Rödinghausen Halt zu machen. „Der Blick geht da natürlich weiter nach Preußisch Oldendorf“, verdeutlicht Bernd Kröger.

 

Daten, Fakten und Zahlen aus dem Jahresbericht

Im Schnitt ist die Feuerwehr im Kreis Herford im Jahr 2019 jeden Tag neun Mal ausgerückt – 3182 Einsätze (Vorjahr 3705) kamen so zusammen. Doch nur 17 Prozent davon waren Brandeinsätze. In mehr als der Hälfte der Fälle musste technische Hilfe geleistet werden (zum Beispiel eingeklemmte Unfallopfer befreien oder Sturmschäden beseitigen).

Die Zahl der Fehlalarme bleibt hoch (636 Einsätze). Defekte Rauchmelder tragen viel dazu bei. Oft ist hierbei nur die Batterie leer.

185 Menschen (Vorjahr 327) wurden bei Feuerwehreinsätzen gerettet, für 26 Personen (Vorjahr 34) kam jede Hilfe zu spät. „Die Zahl der Toten ist hoch“, urteilt Kreisbrandmeister Bernd Kröger. Es gelte aber auch: „Wo ein Rauchmelder installiert war, sind die Verletzung von Menschen tendenziell geringer.“

Mit 2752 Mitgliedern verzeichnet der Kreisfeuerwehrverband den höchsten Wert seit seiner Gründung 1988. In den neun Freiwilligen Feuerwehren im Kreis Herford stellen 1568 Aktive den abwehrenden Brandschutz sicher, darunter sind 167 hauptamtliche Kräfte in drei Feuerwehren und der Kreisleitstelle. Froh ist man über einen relativ hohen Anteil an Frauen (11,4 Prozent).

Kirchlengern und Rödinghausen haben bereits eine Kinderfeuerwehr, weitere sollen folgen. „Das Projekt ist ein großer Erfolg. Es wollen so viele mitmachen, dass wir zwischenzeitlich einen Aufnahmestopp machen mussten“, sagt Kröger. Die nächste Kinderfeuerwehr soll bei der Feuerwehr Herford entstehen. Auch in Enger sind die Pläne schon fortgeschritten.

16,3 Millionen Euro (Vorjahr 14,9) mussten Städte und Gemeinden für den Feuerschutz aufwenden. Das Plus ist auf gestiegene Personalkosten durch zusätzliche hauptamtliche Kräfte und Investitionen in die Modernisierung von Wachen zurückzuführen.

 

 

 

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