Zwei Vorfälle am Bünder Bahnhof – Feuerwehr seit 2019 zehn Mal ausgerückt
Schon wieder: Aufzüge stecken fest

Bünde (WB). Die unendliche Geschichte um die Fahrstühle im Bünder Bahnhof geht weiter: Episoden neun und zehn. Denn so oft hat sich allein die Feuerwehr Bünde mit Einsätzen rund um die Aufzüge befasst. Sowohl am Samstag als auch am Montag sind Reisende stecken geblieben.

Mittwoch, 17.06.2020, 07:00 Uhr aktualisiert: 17.06.2020, 10:26 Uhr
Erneut sind die Fahrstühle am Bünder Bahnhof stecken geblieben. Foto: Daniel Salmon
Erneut sind die Fahrstühle am Bünder Bahnhof stecken geblieben. Foto: Daniel Salmon

Als die Feuerwehr am Samstag gegen 10.55 Uhr verständigt wurde, saß eine Person im Fahrstuhl fest. Helfen konnten die drei Kräfte der hauptamtlichen Wache aber nicht. „Der Fahrstuhl war zwischen zwei Etagen zum Stehen gekommen“, sagt Rüdiger Meier, Chef der Bünder Feuerwehr. Zuständig in einem solchen Fall ist ein Sicherheitsdienst, der per Knopf im Aufzug verständigt wird. „Fast immer aber werden wir mitverständigt. Wir sind meist schneller vor Ort. Am Samstag dauerte es ab unserer Alarmierung 45 Minuten, bis der Sicherheitsservice vor Ort war“, so Meier weiter.

Feuerwhr rückt aus

Die Feuerwehr konnte die Person im Fahrstuhl nicht sehen, nur hören. Man habe miteinander gesprochen, bis die Servicetechniker da waren. Diese haben einen Schlüssel für den Schaltschrank und konnten dann den Passanten befreien. In vielen Fällen – wie auch am Montag gegen 10 Uhr, als zwei Personen mit einem Tandem festsaßen – blieb der Aufzug so stecken, dass die Feuerwehr an die Türen herankam und sie von Hand notentriegeln konnte.

„In Situationen wie am Samstag hingegen, wenn der Aufzug zwischen den Etagen feststeckt, können wir nur mit brachialer Gewalt etwas erreichen. Da die Person aber keine Gesundheitsprobleme hatte, sind wir einfach vor Ort geblieben, haben miteinander geredet und gemeinsam auf den Service gewartet“, berichtet Meier. Nicht vorzustellen aber sei, was passiere, wenn wirklich mal jemand mit einem akuten gesundheitlichen Notfall dort festsäße.

Nach dem Vorfall am Samstag waren die zwei Lifte zunächst außer Betrieb genommen worden, wurden dann aber wieder in Gang gesetzt – bis zum zweiten Vorfall am Montag. Auch jetzt sind sie wieder nutzbar.

Das meint der Bürgermeister

Bürgermeister Wolfgang Koch sagte Dienstag auf Anfrage zu der sich wiederholenden Problematik: „Das kann doch nicht wahr sein. Mir fehlen da wirklich die Worte.“ Es sei ihm unbegreiflich, warum das technisch nicht in den Griff zu bekommen sei. „Aufzüge sind doch kein Hexenwerk.“ Wenn der Bahnhofsmanager einen Anruf aus Bünde bekäme, dürften ihm sicher schon die Haare zu Berge stehen.

Das sagt die Bahn

Ein Bahnsprecher bestätigte die Vorfälle. „Das Steckenbleiben ist sehr ärgerlich. Nach so einem Vorfall wird der Fahrstuhl immer erst außer Betrieb gesetzt und überprüft. Nach dem zweiten Fall ist er wieder nutzbar. Wir hoffen, dass er nun fehlerfrei weiterläuft.“

Der Fahrstuhl-Frust an den Bünder Bahnsteigen hatte zuletzt sogar die Bundesregierung beschäftigt. Der heimische Bundestagsabgeordnete Frank Schäffler (FDP) wollte wissen, wie oft die Aufzüge seit ihrer Inbetriebnahme nicht verfügbar waren. Nach Antwort des Bundesverkehrsministeriums lag die Verfügbarkeit der Aufzüge im Betrachtungszeitraum von der Inbetriebnahme im Jahr 2019 bis zum 17. Februar diesen Jahres bei 95,1 Prozent für den Aufzug zu Gleis 2 und bei 96,4 Prozent für den Lift, der zu den Gleisen 3 und 4 führt.

Besonders bitter was das Feststecken am 7. Februar für einen Rollstuhlfahrer (wir berichteten exklusiv). Er hatte auf dem hinteren Bahnsteig festgesteckt, weil der Lift nicht funktionierte. Nur dank der Feuerwehr und einer Rettungswagenbesatzung, die ihn und seinen 200-Kilo-Rolli in den Passagiertunnel schleppten, konnte er das Bahnhofsgelände überhaupt verlassen. Knapp eine Woche stand der Lift damals insgesamt still.

Kommentar

Da kann man Bürgermeister Wolfgang Koch bei seiner Wortwahl nur beipflichten: Es ist unbegreiflich, warum die Fahrstühle technisch nicht in den Griff zu bekommen sind. Die Bahn selber kann nichts dafür, sehr wohl aber sollte sie sich dringend mit dem Hersteller der Aufzüge in Verbindung setzen und dieses Problem für ein und alle Male beheben lassen. Nicht auszudenken, wenn jemand einmal richtig Panik in einem festsitzenden Lift bekommt oder sich gar ein medizinischer Notfall ereignet und nicht rechtzeitig geholfen werden kann.

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