Viele Anfragen beim Tierheim in Bünde – weiterhin keine festen Öffnungszeiten
Corona: Mehr Bürger wollen ein Haustier

Bünde (WB). „Ich habe nun ein halbes Jahr Kurzarbeit. Daher möchte ich mir eine Katze anschaffen.“ Oder: „Meinen Kindern ist in der Corona-Zeit langweilig, darum möchten wir ein Haustier.“ Mit solchen Anfragen hat sich das Tierheim in Ahle in der letzten Zeit verstärkt konfrontiert gesehen. „Natürlich geben wir so keine Tiere ab. Allerdings sagen nicht alle Interessenten auch so deutlich, dass sie wegen Corona ein Tier haben möchten“, berichtet Renate Siekkötter, Vorsitzende des Tierschutzvereins Kreis Herford.

Samstag, 20.06.2020, 14:04 Uhr aktualisiert: 20.06.2020, 14:10 Uhr
In der Corona-Zeit interessieren sich viele Menschen für ein neues Haustier. Vor allem Katzen sind gefragt. Foto: Kathrin Weege
In der Corona-Zeit interessieren sich viele Menschen für ein neues Haustier. Vor allem Katzen sind gefragt. Foto: Kathrin Weege

Da der Verein Hunde, Katzen und Kleintiere dauerhaft in ein schönes Zuhause vermitteln möchte, schauen Renate Siekkötter und ihr Team ganz genau hin. „Wir fragen nach, wie lange der Wunsch nach einem Haustier schon besteht und ob sich die Leute schon über die Rasse erkundigt haben“, erzählt Siekkötter.

Abwechslung

In den vergangenen Monaten gab es auch Anfragen, ob man nicht einen Hund vorübergehend bei sich aufnehmen könnte. So hätte der Hund ein schönes Plätzchen während Corona und die Menschen hätten Abwechslung im Alltag. „So etwas kann man den Tieren natürlich nicht antun, sie dann wieder aus einem Zuhause reißen. Außerdem ist so ein vorübergehender Aufenthalt auch versicherungstechnisch gar nicht denkbar“, sagt die Tierschützerin.

Bei ihr haben sich auch Bürger gemeldet, die gerne mit den Tierheimhunden Gassi gehen möchten. „Wir haben ausreichend Helfer. Vor allem aber können wir wegen der Corona-Pandemie aktuell niemanden ausbilden. Daher ist Gassigehen auch nicht so ohne Weiteres möglich“, so Siekkötter.

Publikumsverkehr

Seit Anfang des Jahres hat die Einrichtung in Ahle 99 Tiere, vor allem Katzen, aber auch Hunde und Kleintiere vermittelt. „Es gab wegen der Corona-Krise mehr Anfragen als üblich“, stellt Renate Siekkötter fest. Die Vermittlung gestaltet sich allerdings seither anders. Bis auf Weiteres wird das Tierheim nicht normal zu festen Zeiten für den Publikumsverkehr öffnen. Interessentenbögen und Beratungsgespräche verlaufen kontaktlos per Telefon. Erst wenn feststeht, dass die Einrichtung ein passendes Tier für den Kunden hat, kann er vorbeikommen.

„Wir haben gerade in einer Versammlung besprochen, dass wir auch den zweiten Tag der offenen Tür in diesem Jahr – er sollte am 4. Oktober stattfinden – ausfallen lassen werden“, sagt Siekkötter. Da die Risiken und Vorschriften nicht abzusehen seien, wolle man darauf verzichten.

Handaufzucht

Renate Siekkötter musste bereits bis Mai schon drei tragende Katzen aufnehmen. So viele seien es zu einem so frühen Zeitpunkt im Jahr lange nicht gewesen. Sie vermutet, dass einige Besitzer die Corona-Krise vorschieben, um ihre Tiere nicht kastrieren zu lassen. Das sei natürlich bedenklich.

Einige der Kitten werden von Hand aufgezogen. Kürzlich hatte es einen Unfall auf der Rödinghauser Straße gegeben. Eine aufmerksame Passantin sah eine tote Katze an der Straße liegen. „Die Babys saßen daneben. Sie werden nun in einer Pflegestelle von Hand aufgezogen“, sagt Renate Siekkötter. Noch sind alle Kitten beim Tierschutz zu jung, um vermittelt zu werden. Bald aber können sich Interessenten beim Tierheim für sie melden.

Feldhasen-Baby

Kürzlich musste Siekkötter wieder ein Feldhasen-Baby aufnehmen. „Die Mütter legen ihre Kleinen verteilt ab – so sind sie besser vor Feinden geschützt – und kommen nur ein paar Mal am Tag vorbei, um sie zu säugen. Immer wieder denken Spaziergänger, die Häschen seien verwaist und nehmen sie mit“, sagt Siekkötter. Das sollte man aber besser lassen, die Mütter kämen zurück. Das Hasenjunge muss nun ebenfalls von den Tierschützern per Hand aufgezogen werden.

Kommentar

Wenn man sich ein Tier anschafft, dann muss man sich das gut überlegen. Immerhin kann eine Katze locker 15 Jahre alt werden, manche machen sogar die 20 voll. Daher ist es nur korrekt, dass die Tierheim-Mitarbeiter gerade in der Corona-Zeit, in der viele Menschen durch Kurzarbeit mehr Zeit haben oder wegen Kontaktbeschränkungen einsam sind, genau hinsehen, wer ein Tier zu sich nehmen möchte. Das Hinterfragen ist absolut sinnvoll. Schließlich sollen Hund, Katze oder Kleintier ein Zuhause auf Dauer haben. Nach Corona zurück ins Tierheim – das wäre schlicht grausam. Kathrin Weege

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