Corona: Karlchen’s Backstube verzeichnet bis zum 30 Prozent Umsatzeinbruch
Wie die Mehrwertsteuersenkung bei den Kunden von Karlchen’s Backstube ankommen soll

Löhne (WB). Mit mehr als 60 Filialen in den Kreisen Herford, Minden-Lübbecke und Lippe sowie in Bielefeld und mehr als 650 Mitarbeitern zählt Karlchen’s Backstube längst zu den Großbäckereien in OWL. Doch das hat das Familienunternehmen aus Löhne nicht vor einem schwierigen ersten Halbjahr durch das Coronavirus bewahrt.

Donnerstag, 25.06.2020, 04:50 Uhr aktualisiert: 25.06.2020, 05:00 Uhr
Mit dieser Karte möchte Geschäftsführerin Simone Böhne den Kunden von Karlchen’s Backstube die Mehrwertsteuersenkung hauptsächlich weitergeben. Zehn Prozent schenkt das Unternehmen jedem Karteninhaber bei der Einzahlung vom 1. Juli an. Foto: Louis Ruthe
Mit dieser Karte möchte Geschäftsführerin Simone Böhne den Kunden von Karlchen’s Backstube die Mehrwertsteuersenkung hauptsächlich weitergeben. Zehn Prozent schenkt das Unternehmen jedem Karteninhaber bei der Einzahlung vom 1. Juli an. Foto: Louis Ruthe

Bis zu 30 Prozent ist der Umsatz laut Geschäftsführerin Simone Böhne (46) zum Anfang des Lockdowns Mitte März eingebrochen. Für 2020 rechnet die Geschäftsführerin mit Umsatzeinbußen von etwa fünf Prozent im Vergleich zu 2019 (etwa 30 Millionen Euro Umsatz). Und nun kommt zum 1. Juli die Mehrwertsteuersenkung, „die für einen Betrieb mit hunderten Produkten im Cent-Bereich nicht Eins-zu-Eins umsetzbar ist“.

Doch von der Treue in schwierigen Zeiten sollen die Kunden profitieren – zwar nicht bei jedem Produkt, „aber wer clever kauft, spart bei uns“, berichtet Simone Böhne. Mit Sonderrabatten auf einzelne Produkte möchte sie den Kunden spürbar etwas mehr Geld im Portemonnaie verschaffen. So soll im Juli beispielsweise das Brötchen „Krusti“ statt 50 Cent nur noch 45 Cent kosten, beim Brot „Körner-Karl“ soll der Preis von 4,20 Euro auf 3,95 Euro fallen.

Neben der „Mehrwert-Karte“ sollen einzelne Produkte rabattiert werden, so dass die Kunden sichtbar etwas von der Senkung haben.

Neben der „Mehrwert-Karte“ sollen einzelne Produkte rabattiert werden, so dass die Kunden sichtbar etwas von der Senkung haben. Foto: Louis Ruthe

„Wir können nicht einfach bei jedem Produkt die Mehrwertsteuer senken“, sagt Simone Böhne. Dafür sei schlichtweg das Kassensystem nicht ausgelegt, und in der Warentheke würden die Preise für den Verbraucher unübersichtlicher werden. „Bei einem normalen Schnittbrötchen müssten wir 0,8 Cent erlassen“, sagt sie.

Bonusguthaben statt Steuersenkung

Die Lösung von Karlchen’s Backstube, damit jeder Kunde, egal, was er kauft und wo er es in den 64 Filialen kauft, von der Mehrwertsteuersenkung profitiert, ist die „Mehrwert-Karte“. „Es ist eine Bezahlkarte mit QR-Code, die ursprünglich mal als Geschenkgutscheinkarte gedacht war“, berichtet Simone Böhne. Zehn Prozent sollen die Kunden vom 1. Juli an vorerst bis Ende des Monats zu jeder Einzahlung auf die „Mehrwert-Karte“ von der Bäckerei geschenkt bekommen.

„Das heißt, wenn 50 Euro eingezahlt werden, bekommt der Kunde von uns fünf Euro geschenkt“, sagt Simone Böhne. Somit obliege es der Kundschaft, bei welchen Produkt der Bonus als Mehrwertsteuersenkung eingesetzt werde. Mit der Bonuskarte verfolgt die Geschäftsführerin ein weiteres Anliegen, das für Entlastung im Unternehmen sorgen soll. „Je weniger Leute bei uns mit Bargeld zahlen, desto besser ist es für uns“, sagt Simone Böhne.

Seit Beginn der Corona-Pandemie sei der digitale Zahlungsverkehr von etwa sieben Prozent bis auf 50 Prozent in Spitzenzeiten gestiegen. Mittlerweile würden etwa 35 Prozent der Kunden im Durchschnitt mit Karte zahlen. „Das erspart uns das Vorhalten von Wechselgeld, ist hygienischer und schützt so unsere Mitarbeiter vor einer Infektion“, sagt Simone Böhne.

Deutliche Einbußen im Snack-Geschäft

Neben dem Anstieg des digitalen Zahlungsverkehrs zieht Simone Böhne besonders beim Zusammenhalt ihrer Mitarbeiter ein positives Fazit. „Ich bekomme Gänsehaut, wenn ich daran denke, wie viel Zuspruch wir von unseren Mitarbeitern und Kunden in dieser schwierigen Zeit erfahren haben“, sagt Simone Böhne.

Durch den Wegfall des Café-Betriebes an allen Standorten sowie einen deutlichen Rückgang im Snack-Bereich und erhöhten Kosten bei der Beschaffung von Hygieneartikeln habe die Bäckerei im März, April und Mai mit etwa 30 Prozent Umsatzeinbußen zu kämpfen gehabt. Die Beantragung von Kurzarbeit in der Produktion und im Verkauf sei somit unumgänglich gewesen. Nach Angaben der Geschäftsführerin sind die Bezüge jedoch durch die Bäckerei auf 100 Prozent aufgestockt worden.

„Auch das Sortiment ist reduziert worden, und wir mussten einiges an Rohstoffen in den Müll werfen“, berichtet Simone Böhne. Sie sei froh, dass die Geschäfte im Januar und Februar so gut gelaufen seien, dass die zweieinhalb Monate Lockdown für die Cafés aufgefangen werden konnten. Für das gesamte Jahr prognostiziert sie trotzdem ein positives Ergebnis. „Etwa vier bis fünf Prozent werden wir aber im Vergleich zum Vorjahr einbüßen“, sagt Simone Böhne – immer unter der Voraussetzung, dass der derzeitige Betrieb so weiterlaufen kann, wie seit der Lockerungen der Corona-Schutzregeln.

2021 wird weiter expandiert

Das schwierige erste Halbjahr hält Simone Böhne nicht davon ab, positiv in die Zukunft zu schauen. Neben dem geplanten Neubau der Vertriebs- und Produktionsstätte an der Oeynhausener Straße – sechs Millionen Euro soll der Neubau kosten – ist auch eine weitere Expansion im Norden des Mühlenkreises geplant.

„Wir hoffen, noch in diesem Jahr mit dem Spartenstich zu starten“, sagt Simone Böhne. Den Plan, Mitte 2021 schon an neuer Stätte die Produktion aufzunehmen, hält sie jedoch nicht für realistisch. „Coronabedingt hat sich einiges in der Planung verschoben, zudem prüft die Stadt derzeit, ob ein anderes Grundstück an der Oeynhausener Straße noch für uns zur Verfügung steht“, berichtet sie.

Solidarischer Notfallplan

Für den Fall, dass eine Bäckerei coronabedingt die Produktion hätte einstellen müssen, hat es laut Simone Böhne eine Absprache unter fünf Großbäckereien der Region gegeben. „Ein Sortiment und die dazugehörigen Preise sind abgesprochen worden, falls eine Bäckerei die Produktion des anderen Hauses hätte übernehmen müssen“, sagt Simone Böhne. Das sei ein einmaliger solidarischer Zusammenschluss, den die Bäckereien im Vorfeld getroffen hätten.

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