Wahrzeichen im Kreis Herford bei der „Night of light“ rot angestrahlt
„Flammender Appell“ aus vielen Branchen

Kreis Herford (WB). So eng zusammengestanden haben Veranstalter, Gastronomen, Diskothekenbetreiber oder Caterer aus dem Kreis Herford wohl noch nie. Am Montagabend setzten viele von ihnen gemeinsam ein Zeichen und machten in der „Night of light“ auf ihre nach wie vor bedrohliche Situation aufmerksam.

Mittwoch, 24.06.2020, 16:12 Uhr aktualisiert: 25.06.2020, 10:16 Uhr
Das Herforder Rathaus erstrahlt bei der Aktion „Night of light“ in Rot. Diesen seltenen Anblick nutzen einige Passanten für einen Schnappschuss mit dem Smartphone. Foto: Thomas Meyer
Das Herforder Rathaus erstrahlt bei der Aktion „Night of light“ in Rot. Diesen seltenen Anblick nutzen einige Passanten für einen Schnappschuss mit dem Smartphone. Foto: Thomas Meyer

Bünde

Drei Wahrzeichen wurden mit roten Scheinwerfern angestrahlt. Stadtgarten, Universum und Tabakspeicher sorgten für viele interessierte Blicke. Und damit hatten die Unterstützer genau das erreicht, was diese Aktion bezwecken sollte. „Wir wollen ein Zeichen setzen und nach außen zeigen, dass es uns noch gibt“, sagte David Kuhlmann von der Firma Professional Event Solution. Er hatte Scheinwerfer auf den Tabakspeicher gerichtet.

 

Dirk und Marcus Kaiser beleuchteten Stadtgarten und Universum. „Dies soll ein flammendes Mahnmal sein. Ein Appell an alle, die dazu beitragen können, dass unsere Branchen überleben“, sagte Kaiser.

Zu den „stillen Protestlern“ gehörte auch Veranstaltungstechniker Florian Settnik. „Seit Mitte März haben wir ja quasi ein Arbeitsverbot. Das trifft unglaublich viele Menschen ganz schön hart“, sagte er. So auch die Diskothekenbetreiber. „Für uns gibt es momentan keine Aussicht auf Besserung. Die Hoffnung, dass es bald wieder bergauf gehen könnte, gibt es momentan nicht“, sagte Nicole Glösemeier, Betreiberin der Diskothek Wilhelmshöhe.

Herford

Zu den angestrahlten Objekten der Stadt gehörte unter anderem der Veranstaltungstechnik-Anbieter „Avltimmermeister“ an der Salzufler Straße. Radler und Passanten nutzen die Gelegenheit für einen Handy-Schnappschuss oder nahmen einen Aktions-Flyer mit. Inhaber Andre Timmermeister: „Wir setzen damit ein Zeichen für die gesamte Messe- und Veranstaltungsbranche, die weitere 100 Tage unter aktuellen Beschränkungen nicht überleben wird. Wir benötigen einen politischen Dialog über die Zukunft von hunderttausenden in der Veranstaltungswirtschaft kreativ schaffenden Fachkräften.“

Seine Befürchtung: „Ohne sofortige Hilfsprogramme wird bald in vielen Betrieben das Licht ausgehen.” Auch das Rathaus und die Markthalle gehörten zu Objekten der „roten Nacht“.

Enger

Die Mühle auf dem Liesberg leuchtete wie entflammt, das Team von Professional Event Solutions setzte Engers Wahrzeichen prächtig in Szene. Acht rote Scheinwerfer und drei weiße Skybeamer hatten Veranstaltungstechnik-Meister Carsten Müller und sein Team um das Bauwerk drapiert.

„Ich bin begeistert, dass so viele Leute gekommen sind, um zu schauen und Fotos zu machen“, sagte Müller, der an der Mühle auch für Gespräche zur Verfügung stand. „Viele Besucher haben genauer nachgefragt, warum wir so schwer von der Corona-Krise betroffen seien. Es zeigt sich, dass viele Zweige unseres Berufsfeldes hinter den Kulissen tätig und damit einfach unsichtbar sind.”

Es sei das „First-in-last-out-Prinzip“, das für die komplette Branche gelte – immerhin einer der sechs größten Wirtschaftszweige in Deutschland. Seit Mitte März seien sämtliche Veranstaltungen bedingungslos abgesagt und ein Verbot für Großveranstaltungen gilt bis Ende Oktober. Das treffe verschiedene Arbeitsbereiche wie den Messebau, Discobetreiber, Caterer, Kongresshotels, Künstler, Veranstaltungstechniker und viele mehr.

Fast 9000 Gebäude in bundesweit mehr als 1500 Städten wurden in der Nacht von Montag auf Dienstag von mehr als 8000 teilnehmenden Unternehmen für drei Stunden in rotes Licht getaucht, darunter auch der Kölner Dom und die Messehallen Berlin.

Durch die „Night of Light“ habe man die Aufmerksamkeit der Politik auf die Branche richten wollen, denn die derzeit gebotenen Finanzhilfen seien kein adäquates Mittel, um Unternehmen am Leben zu erhalten. „Weil die Kredite nicht wertschöpfend investiert werden können”, hieß es seitens der Initiatoren.

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