Bünder Weinhandlung Lange nur noch bis zum 30. Juni geöffnet
Nach 57 Jahren ist Schluss

Bünde (WB). Sie ist ein Institution in Bünde: die Weinhandlung Lange in der Bahnhofstraße. 1963 als Lebensmittelgeschäft eröffnet, erfolgte in den 1970er Jahren die Spezialisierung auf exquisite Weine, Spirituosen und Feinkost. Nicht nur für Freunde edler Tropfen galt die Weinhandlung als erste Adresse und beliebter Treffpunkt. Doch damit ist nun Schluss. Das Fachgeschäft schließt nach 57 Jahren am Dienstag, 30. Juni.

Freitag, 26.06.2020, 09:00 Uhr aktualisiert: 26.06.2020, 09:56 Uhr
Reinhard Lange (82) und Ehefrau Kitty Neumann-Lange (79): Die bekannte Wein- und Spirituosenhandlung schließt zum 30. Juni. Ein Grund dafür sind auch die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise. Foto: Hilko Raske
Reinhard Lange (82) und Ehefrau Kitty Neumann-Lange (79): Die bekannte Wein- und Spirituosenhandlung schließt zum 30. Juni. Ein Grund dafür sind auch die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise. Foto: Hilko Raske

Seit 1968 steht Reinhard Lange (82) im Laden. Dass er das Geschäft einmal von seinem Vater Ferdinand „Ferdi“ Lange übernehmen würde, war alles andere als selbstverständlich. Ende der 1950 Jahre beantragte er nämlich eine Green-Card, um in den USA unbefristet leben und arbeiten zu können.

Green-Card bewilligt

„Mein Vater war im Zweiten Weltkrieg Soldat, musste aufgrund von Verletzungen viele Operationen über sich ergehen lassen.“ Die Erzählungen seines Vaters vom Kriegsgeschehen hätten ihn geprägt. Als in der jungen Bundesrepublik wieder die Wehrpflicht eingeführt wurde, wollte er Deutschland verlassen. Der Antrag auf die Green-Card wurde bewilligt, 1959 reiste er nach Amerika – auch, um dort zu studieren.

Womit er allerdings nicht gerechnet hatte: Im Zeichen der Berlin-Krise – im August 1961 begann der Mauerbau – wurde er in die US-Army eingezogen und hatte zwei Jahre Wehrdienst zu leisten. Ironie des Schicksals: Versetzt wurde er nach Deutschland. „Ich kam in die selbe Einheit, in der kurz zuvor noch Elvis Presley gedient hatte“, erinnert sich Reinhard Lange. Nach zwei Jahren wurde der Bünder dann offiziell aus der Army entlassen. Auf eigenen Wunsch konnte er aber noch weitere zwölf Monate unter anderem als Dolmetscher für US-Offiziere arbeiten. Danach ging es wieder zurück in die Vereinigten Staaten – New York war das Ziel.

„Mein Vater hat 1963 das Lebensmittelgeschäft in der Bahnhofstraße eröffnet. Übernehmen sollte es dann einmal ein Dieter Winkelmann. Der verunglückte aber tödlich. Man Vater fragte mich deshalb, ob ich nicht wieder nach Bünde kommen könnte, um zu helfen.“ Das sei 1968 gewesen.

250 verschiedene Weine

In der Folge wurde aus dem Lebensmittelgeschäft, in dem man Mehl in Tüten und auch frischen Fisch kaufen konnte, ein Spezialitätenladen mit dem Schwerpunkt Weine und Spirituosen. „Bis zu 250 verschiedene Spitzenweine aus allen Anbaugebieten der Welt konnten wir anbieten“, erzählt Ehefrau Kitty Neumann-Lange (79). Viele der Winzer seien persönlich zu Gast in Bünde gewesen, darunter auch der Franzose Charles Mock, der 1983 von seinen Großeltern das Château de Capitoul übernahm und unter anderem einen gleichnamigen Wein kreierte. Im Gegenzug habe man Weinanbaugebiete in der ganzen Welt besucht – bis nach Südafrika führten die Reisen.

Doch das Geschäft sei mit den Jahren immer schwieriger geworden. Eine wesentliche Stütze sei der Verkauf von Präsentkörben in der Weihnachtszeit gewesen. Vor allem heimische Firmen hatten für langjährige und verdiente Mitarbeitet gerne derartige Geschenke in Auftrag gegeben. „Allerdings ist das Budget dafür in den vergangenen Jahren immer weiter zurückgegangen.“

Und dann sei auch noch die Corona-Krise gekommen. „Wir durften zwar öffnen – aber es hat sich so gut wie niemand in den hinteren Teil der Bahnhofstraße verirrt“, sagt Kitty Neumann-Lange. Für 10 bis 20 Euro Umsatz täglich habe es sich nicht mehr gelohnt, im Laden zu stehen. Und auch das Alter mache sich bemerkbar. So habe man sich entschlossen, das Geschäft zu schließen.

Und so geht’s weiter

Und wie geht es weiter? „Erst einmal ist Ausruhen angesagt. Und dann reisen wir in die Provence, wo wir zur Hochzeit von Charles Mock eingeladen sind“, so die Weinexpertin. Reinhard Lange wird man künftig in der neuen „Konditorei Sechszehn“ (vormals Alte Apotheke, Eschstraße 16) antreffen, wo er stundenweise den Betreibern Nicole Große-Johannböcke und Sascha Mitschka als Weinberater zur Seite stehen wird.

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