CDU und FDP wollen Gewerbe, SPD öffentliche Einrichtungen
Zoff um Nutzung des Cordes-Gelände

Bünde  (WB). Gewerbliche Nutzung oder doch eher neuer Standort für einen noch zu bauenden Gebäudekomplex, der Stadtbücherei, Kinder- und Jugendzentrum sowie einen Treffpunkt für Senioren beherbergt? An dieser Frage scheiden sich die (politischen) Geister, wenn es um das Cordes-Gelände an der Wasserbreite geht. Das zeigte sich nun deutlich in der Sitzung des Wirtschaftsförderungsausschusses.

Samstag, 27.06.2020, 09:00 Uhr
Seit dem Abbruch der alten Cordes-Fabrik vor einigen Jahren hat sich auf dem Gelände an der Wasserbreite nicht viel getan. Während CDU und FDP hier Gewerbe ansiedeln möchten, favorisiert die SPD den Bau öffentlicher Gebäude. Foto: Daniel Salmon
Seit dem Abbruch der alten Cordes-Fabrik vor einigen Jahren hat sich auf dem Gelände an der Wasserbreite nicht viel getan. Während CDU und FDP hier Gewerbe ansiedeln möchten, favorisiert die SPD den Bau öffentlicher Gebäude. Foto: Daniel Salmon

So hatten CDU und FDP den gemeinsamen Antrag gestellt, dass die Verwaltung damit beauftragt werden soll, auf dem Cordes-Gelände die Schaffung von Arbeitsplätzen voranzutreiben. „Aufgrund der zentralen Lage ist die Art der Bebauung im städtebaulichen Kontext neben einem ausgewogenen Gewerbemix in Bünde bei der Investorenwahl zu berücksichtigen“, heißt es im Antrag. CDU und FDP begründen ihren Vorstoß damit, dass es sich bei dem Areal um eines der letzten innerstädtischen Gewerbegebiete in Bünde handeln würde. Die gute Erreichbarkeit und die Nähe zum ÖPNV machten diesen Bereich attraktiv für Unternehmen aller Art – die guten Standortfaktoren müssten genutzt werden, um neue Arbeitsplätze zu schaffen. Eine Nutzung für öffentliche Zwecke – insbesondere vor dem Hintergrund der angespannten Situation auf dem Arbeitsmarkt und dem Mangel an geeigneten Gewerbeflächen in Bünde – sei nicht vertretbar, so CDU und FDP.

Ganz anderes deuten das die Sozialdemokraten. Sie hatten bereits im August des vergangenen Jahres vorgeschlagen , dieses zentral gelegene Areal für städtische Einrichtungen zu nutzen. Immerhin sei die Standortfrage für ein neues Kinder- und Jugendzentrum immer noch ungeklärt, laufe der Mietvertrag für die Stadtbücherei in naher Zukunft aus. Unterstützung erhalten sie dabei von den Grünen. „Nach wie vor gibt es keine Antwort darauf, wo diese Einrichtungen untergebracht werden können. Der Antrag von CDU und FDP kommt aus meiner Sicht zur Unzeit. Wir befinden uns zu Beginn einer schweren Wirtschaftskrise – da werden uns die Investoren wegen dieses Grundstücks sicher nicht die Bude einrennen“, kritisierte SPD-Fraktionschefin Andrea Kieper den Vorstoß von CDU und FDP.

Das wollte CDU-Ratsmitglied Martin Schuster so nicht stehen lassen. Er verwies darauf, dass es in der Corona-Krise durchaus Unternehmen gebe, die vorangekommen seien. Die Aufgabe der Politik sei es zudem, Entscheidungen zu treffen, damit es in Bünde vorangehe. „Ihre Auffassung ist das Gegenteil davon“, gab er Kieper mit auf den Weg. Als Alternative für die Stadtbücherei und das Jugendzentrum nannte er das Bonhoeffer-Haus neben der Laurentiuskirche. Das befindet sich im Kirchenbesitz, soll aber abgerissen werden. Generell schließe der Antrag von CDU und FDP aber andere Nutzungen des Cordes-Gelände nicht aus.

Das stieß gleich auf Widerspruch. „Wenn das hier keine Festlegung ist, dann müssen wir darüber erst gar nicht sprechen“, konterte Dr. Kai Unzicker (SPD). Er stellte die Frage, weshalb man überhaupt Anträge benötige, um auf ein Gewerbegebiet aufmerksam zu machen. Auf einen anderen Aspekt machte Christian Rüter (SPD) aufmerksam. Man müsse berücksichtigen, dass die Verwaltung einen großen Bedarf an Räumlichkeiten habe. „Es sind erst gerade Büros für teures Geld im Woolworth-Komplex angemietet worden.“ Stattdessen sollte die Stadt eigene Werte schaffen und bauen, so seine Empfehlung.

Bei der Abstimmung votierten sieben Kommunalpolitiker für den Antrag, sieben dagegen. Damit gilt der Antrag als abgelehnt.

Kommentare

Axel Zobel  schrieb: 27.06.2020 12:50
Neue Gewerbe trotz massivem leerstand?
Wozu brauchen wir noch mehr Flächen für Gewerbe? Wir haben massive Leerstände im Stadtbereich. Eschstr. Bahnhofstr. Severin Gebäude, und und und. Man sollte den Platz für sinnvolle öffentliche Gebäude nutzen.
Und man sollte eine Stelle schaffen mit einer Person die aktiv Firmen und gewerbetreibende angeht und die bestehenden Leerstände in bünde vermittelt.
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