Homeoffice: Antrag der Bünder Grünen stößt auf Skepsis
Büros statt Ladengeschäfte?

Bünde  (WB). Die Corona-Krise hat das Arbeiten von zuhause aus populär gemacht. Auch in Bünde sind viele Menschen derzeit im Homeoffice, um möglichst eine Ausbreitung von Covid-19 zu verhindern. Die vergangenen Monate haben gezeigt, dass für viele Tätigkeiten zumindest teilweise ein dezentrales Arbeiten möglich ist. Arbeiten im Homeoffice ist allerdings nicht für alle Menschen optimal. Gerade für Frauen ist es nicht immer einfach, Haushalt und eventuell Kinder unter einen Hut zu bringen und dabei Arbeit vom Privaten klar abzugrenzen.

Montag, 29.06.2020, 10:00 Uhr aktualisiert: 29.06.2020, 10:16 Uhr
Nach Vorstellung der Grünen soll die Stadt Räume für das Homeoffice schaffen, die allgemein genutzt werden können. Der Fachausschuss war anderer Meinung. Foto: dpa
Nach Vorstellung der Grünen soll die Stadt Räume für das Homeoffice schaffen, die allgemein genutzt werden können. Der Fachausschuss war anderer Meinung. Foto: dpa

Hier will die Grünen-Fraktion im Stadtrat Abhilfe schaffen. Sie hat den Antrag gestellt, dass in der Innenstadt so genannte „Coworking Spaces“ geschaffen werden sollen. Dabei handelt es sich um anmietbare Büro-Arbeitsplätze mit professioneller Ausstattung und moderner Kommunikationstechnik. Nach Vorstellung der Bünder Grünen soll der Rat beschließen, dass Coworking-Angebote in der Innenstadt entstehen. Ferner soll die Verwaltung damit beauftragt werden, zu prüfen, wo und wie in der Innenstadt derartige Angebote aufgebaut und betrieben werden können.

Leerstände reduzieren

Aus Sicht der Grünen hätte dies gleich mehrere Vorteile. So würden Ansteckungsmöglichkeiten weiter reduziert, und ein dezentrales Arbeiten schone das Klima. „Außerdem könnten wir unsere Innenstadt revitalisieren“, betonte Uwe Mausch vor den Mitgliedern des Wirtschaftsförderungsausschusses. Leerstände, wie es sie in der Esch- und Bahnhofstraße gebe, könnten so reduziert werden. „Gaststätten und die kleinen Läden können davon sehr profitieren, denn bei einem Rundgang in der Mittagspause oder nach Arbeitsschluss werden vielleicht auch andere Waren in der Bünder Innenstadt gekauft werden“, heißt es weiter in der Begründung. Auch eine so genannte Starter-Szene könnte Interesse an solchen Angeboten haben, sagte Mausch.

Als begrüßenswert bezeichnete Jörn Döring (UWG) den Vorstoß der Grünen. Allerdings hat er auch Bedenken. „In den Immobilienmarkt einzugreifen, ist keine öffentliche Aufgabe. Derartige Impulse müssen aus der Wirtschaft heraus kommen.“ Die Verwaltung könne gerne die erforderlichen Informationen für ein solches Projekt zur Verfügung stellen – „aber das ist sowieso Aufgabe der städtischen Wirtschaftsförderung.“ Die Stadt solle nicht Immobilienmakler ersetzen, sagte Mausch. Vielmehr solle die Verwaltung recherchieren, was an Leerständen vorhanden sei. Das Anliegen der Grünen wertet auch Martin Schuster (CDU) generell positiv. Er sehe es aber eher als mögliches Netzwerk, um Interessenten und Anbieter zusammenzubringen.

Weitere Prüfung

Zurückhaltend äußerte sich Ralf Grund von der städtischen Wirtschaftsförderung zum Antrag der Grünen. Da gelte es ein dickes Brett zu bohren. Aus seiner Sicht sei das kein Thema für eine klassische Einkaufsstraße. „Für Ladenlokale gelten ganz andere Mietpreise als für Büroflächen.“ Das konnte Hartmut Bokel, Leiter der Wirtschaftsförderung, nur bestätigen. So werde in den Bünder Einkaufsstraßen für Ladenflächen pro Quadratmeter eine Miete zwischen 15 und 25 Euro verlangt, für Büroräume könnten Vermieter im Schnitt nur 4 bis 8 Euro pro Quadratmeter bekommen. Die Nachfrage nach Büroflächen in Bünde tendiere zudem gegen Null. „Wir mischen uns auch nicht in die Immobiliengeschäfte ein“, sagte Bokel.

Der Ausschuss einigte sich abschließend einstimmig darauf, dass nun geprüft werden soll, wo derartige Angebote in der Innenstadt möglich sind. Eine Festlegung im Sinne eines Ratsbeschlusses für die Schaffung von Coworking-Angebote war somit vom Tisch.

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