Dobergmuseum: Geschichte eines markanten Fundstücks ist nun bekannt
Rätsel um Auerochsenschädel gelöst

Bünde  (WB). Spricht man vom Dobergmuseum, denkt man zu allererst an das Skelett der Seekuh, das Anfang des vergangenen Jahrhunderts im Bünder Stadtteil Südlengern entdeckt wurde. Dass das Museum aber auch weitere Fundstücke zeigt, die in der Fachwelt für Aufsehen sorgen, ist nicht jedem bekannt. So wird in der Dauerausstellung im Kellergeschoss der Schädel eines Auerochsen präsentiert, der extrem gut erhalten ist. Wer die Knochen wann und wo entdeckt hatte, darüber gab es nach dem Bau des Dobergmuseums und der Neugestaltung der Dauerausstellung lediglich Vermutungen. Jetzt konnte der Ursprung in detektivischer Kleinarbeit nachgewiesen werden. Dabei stellte sich heraus, dass dieser Auerochsenschädel aufgrund seines hervorragenden Zustandes einzigartig in Westfalen ist.

Donnerstag, 09.07.2020, 12:00 Uhr aktualisiert: 13.07.2020, 16:36 Uhr
Dr. Rainer Ebel (rechts) und Fritz Hasenburger vom Paläontologischen Arbeitskreis begutachten den Auerochsenschädel, der im Dobergmuseum ausgestellt ist. Jetzt ist bekannt geworden, wer diesen Schädel wann gefunden hat. Foto: Hilko Raske
Dr. Rainer Ebel (rechts) und Fritz Hasenburger vom Paläontologischen Arbeitskreis begutachten den Auerochsenschädel, der im Dobergmuseum ausgestellt ist. Jetzt ist bekannt geworden, wer diesen Schädel wann gefunden hat. Foto: Hilko Raske

Fritz Langhorst, langjähriger Ortsheimatpfleger in Preußisch Ströhen, ist es zu verdanken, dass Licht in die Fundgeschichte des Auerochsenschädels gekommen ist. Es sei ihm ursprünglich darum gegangen, nur ein Bild und ein paar Informationen über einen vom Hörensagen bekannten „Auerochsen aus Preußisch Ströhen im Bünder Tabakmuseum“ zu bekommen, sagt Langhorst. Im vergangenen Jahr nahm er deshalb den Kontakt zum Bünder Museum auf. Anhand der Unterlagen des ehemaligen Ortsheimatpflegers bestätigte Museumsleiter Michael Strauß, dass als Fundort Preußisch Ströhen zutreffen müsste.

Durch das Naturkundemuseum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe in Münster kam Langhorst an weitere Informationen über den Fund. Vom zuständigen Paläontologen Dr. Achim Schwermann erhielt er einen Katalog, den der ehemalige Bünder Museumsleiter Dr. Eberhard Pannkoke im Jahr 1979 verfasst hatte. In seiner Abhandlung „Der Doberg bei Bünde“ hatte Pannkoke den Schädel als Moorfund aus dem Jahr 1929 beschrieben.

Langhorst setzte sich in der Folge mit Fritz Hasenburger, ehrenamtlicher Mitarbeiter des Bünder Museum und Mitglied im Paläontologischen Arbeitskreis, in Verbindung. Der freut sich über die Informationen, die der ehemalige Ortsheimatpfleger akribisch zusammengetragen hatte. „Schließlich wussten wir vorher nichts Genaues“, sagt Hasenburger.

1915 im Moor gefunden

Auf einem Foto aus dem Jahr 1928, das Professor Langewiesche, den Gründer des Museums, in seinem legendären „Steinzimmer“ zeigt, könne man zwar den Auerochsenschädel sehen. Das sei aber schon so ziemlich alles gewesen, was man an Informationen hatte. Schriftliche Aufzeichnungen von Professor Langewiesche seien dazu nicht gefunden worden. „Fritz Langhorst hat nachweisen können, dass der Schädel 1915 von französischen Kriegsgefangenen während der Anlage von Entwässerungsgräben in Preußisch Ströhen entdeckt wurde“, sagt Hasenburger. Aus den zeitgenössischen Berichten gehe auch hervor, dass die Kriegsgefangenen mehr als nur den Schädel ausgegraben haben.

Es bestehe durchaus die Möglichkeit, dass weitere Knochen des Auerochsen in einem Archiv gelagert würden und nur auf ihre Entdeckung warteten, so Hasenburger. „Das passiert relativ häufig“, sagt Fritz Hasenburger, der die Fossilienabteilung im Archiv des heimischen Museums betreut.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7486077?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514621%2F
Auch in der Bundesliga mutig sein
DSC-Trainer Uwe Neuhaus (blaues Shirt) begrüßte seine Bundesligamannschaft zum ersten Training. Foto: Thomas F. Starke
Nachrichten-Ticker