Nabu setzt sich für Erhalt des Grünbereichs ein – moderne Bestattungsformen diskutiert
Lebensbäume für den Feldmarkfriedhof?

Bünde(HK). Die grüne Fläche zwischen Feldmarkfriedhof und Herforder Straße könnte für moderne Arten der Bestattung genutzt werden. Der Nabu setzt sich dafür ein, dass der parkähnliche, 9000 Quadratmeter große Streifen nicht 60 Wohnungen, die die Stadt Bünde dort plant, zum Opfer fällt. Jetzt haben sich die Naturfreunde Unterstützung seitens eines Bestattungshauses geholt und gemeinsam über eine mögliche, naturnahe Nutzung des Bereichs gesprochen.

Mittwoch, 29.07.2020, 05:40 Uhr
Haben sich über alternative Bestattungsformen ausgetauscht: Nele Linke, Friedhelm Diebrok, Anja Reckeschat (alle Nabu) und Bestatterin Anja Breder (von links). Foto: Kathrin Weege
Haben sich über alternative Bestattungsformen ausgetauscht: Nele Linke, Friedhelm Diebrok, Anja Reckeschat (alle Nabu) und Bestatterin Anja Breder (von links). Foto: Kathrin Weege

Anja Breder von Bestattungen Homburg und Mansfeld stellte „Tree of Life“ – den Baum des Lebens – vor. „Wir schicken eine Urne nach Holland. Dort wird sie unter notarieller Aufsicht geöffnet, die Asche mit Pflanzenerde vermengt. In das Gemisch wird ein Baum eingesetzt, der den Angehörigen nach etwa einem halben Jahr zugesandt wird“, so Breder. Doch längst nicht alle Bürger hätten einen eigenen Garten dafür. Die Bäume könnten in dem parkähnlichen Bereich des Feldmarkfriedhofes, aber auch auf anderen Friedhöfen gepflanzt werden. 14 Bünder haben sich im vergangenen Jahr für einen solchen Tree of Life entschieden. „Die Menschen haben das Gefühl, dass ihre Liebsten dann weiterleben“, sagt die Bestatterin. So habe eine ältere gehbehinderte Dame ihren Mann so bestatten lassen und den Baum im Garten gepflanzt. „Er war in dem Haus geboren, hatte dort gelebt und war da auch gestorben“, erinnert sich Breder. Angehörige eines Jägers hätten seinen Baum neben einem Hochsitz eingesetzt.

Aschewiese als Bestattungsform

Sollten solche Bäume eine Option für den Feldmarkfriedhof sein, müsste man sich möglicherweise bei den Baumarten festlegen. Breder: „Sonst kann man da recht frei wählen.“ Der Vorteil sei, dass so ein Baum durchaus 400 Jahre alt werden könnte und nicht wie eine Grabstelle nach 30 Jahren auslaufe, sofern sie nicht verlängert würde.

Nele Linke (NABU) schlug eine Aschewiese als naturnahe Bestattungsform vor. In einem abgetrennten Bereich könnte höheres Gras oder eine Art Blumenwiese entstehen, auf der die Asche verteilt wird. „Wir wünschen uns mehr Leben auf dem Friedhof: Bessere Aufenthaltsqualität soll Bürger in den parkähnlichen Bereich bringen, es sollen mehr Tiere hier leben und mehr Pflanzen wachsen“, so Nabu-Kreisvorsitzender Friedhelm Diebrok.

„Trauernde auf Präsentierteller“

Fiele der grüne Streifen weg, würde die Wohnbebauung dicht an den Friedhof rücken. „Ich finde es schon befremdlich, wenn da Leute auf den Balkonen grillen und runter blicken auf Beerdigungen. Die Trauernden, die eigentlich ihren geschützten Raum brauchen, sind dann wie auf dem Präsentierteller“, meint die Bestatterin. Sie ist der Meinung, dass für die Bünder Friedhöfe – 14 in städtischer Hand sind es genau – neue Konzepte erarbeitet werden müssten. Die Trauerkultur habe sich gewandelt. Immer mehr Angehörige wünschen sich alternative Bestattungsmethoden, die weniger Pflege erfordern. Gefragt seien Bestattungen unter Bäumen. „Auch da bietet der Friedhof an der Herforder Straße bereits schöne große Bäume, unter denen das möglich sein könnte“, findet Breder. Das sei zwar kein Friedwald, aber für viele durchaus attraktiv. Das Bestattungshaus Homburg und Mansfeld sei immer wieder mit Waldbesitzen in Kontakt. Bisher habe sich aber leider noch keine Kooperationsmöglichkeit für Waldbestattungen ergeben.

Online-Petition

Der Nabu will auf Veranstaltungen Karten verteilen – sie sind auch in der Geschäftsstelle erhältlich –, auf denen Bürger notieren sollen, warum der grüne Streifen auf dem Feldmarkfriedhof erhalten bleiben soll. Die Karten sollen später an den Bürgermeister übergeben werden. Gleichzeitig haben die Naturfreunde eine Online-Petition zum Erhalt des Naherholungsbereichs auf dem Friedhof gestartet. Bisher haben 118 Bürger – davon 78 aus Bünde – unterzeichnet. Die Petition ist zu finden auf der Nabu-Internetseite.

 

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