Nabu mobilisiert 100 Teilnehmer für Protest – Diskussion mit Bürgermeisterkandidaten
Demo gegen Friedhofsbebauung

Bünde  (WB). Die geplante Bebauung des Feldmarkfriedhofs bringt die Bünder jetzt sogar auf die Straße: Mit einer Demo und einer besonderen Aktion hat der Nabu einmal mehr dafür geworben, das 9000 Quadratmeter große Areal als baumbestandene Grünfläche zu erhalten.

Freitag, 14.08.2020, 20:00 Uhr
Gegen die geplante Bebauung eines Teilstücks des Feldmarkfriedhofs protestiert der Nabu. Etwa 100 Interessierte kamen am Donnerstagabend zur Kundgebung. Foto: Daniel Salmon
Gegen die geplante Bebauung eines Teilstücks des Feldmarkfriedhofs protestiert der Nabu. Etwa 100 Interessierte kamen am Donnerstagabend zur Kundgebung. Foto: Daniel Salmon

Fast 100 Interessierte – darunter mit Stefanie Janßen-Rickmann (Grüne) und Martin Schuster (CDU) zwei der fünf Bünder Bürgermeisterkandidaten – kamen am Donnerstagabend trotz schwüler 30 Grad zu der Kundgebung. „Das beweist, wie wichtig und emotional dieses Thema ist“, zeigte sich Nabu-Kreischef Friedhelm Diebrok mit der Resonanz zufrieden. Er betonte, dass man für das Projekt auch andere Flächen in der Stadt ins Visier nehmen könne, die ökologisch weniger wertvoll seien.

Um nun das Ausmaß des in der Diskussionen stehenden Baugebiets (bis zu 60 Wohnungen) zu verdeutlichen, hatten die Naturschützer die Fläche auf dem Friedhof mit Flatterband abgesteckt. Aus großen Pappkartons hatte der Nabu zudem symbolische Wohnhäuser gebastelt und daraus auf dem Friedhof eine kleine Siedlung gebaut. „Wir wollen mit der Aktion klarmachen, dass wir Grün gegen Grau eintauschen, wenn an dieser Stelle ein Wohngebiet entsteht“, so Nabu-Mitglied Uwe Marquardt, der die Protestaktion bei der Polizei angemeldet hatte. Stattdessen plädierte er dafür, dass die Bünder Politik den Heidesportplatz an der alten Bünder Hauptschule für den Wohnungsbau ins Visier nimmt: „Diese Fläche ist sowieso schon versiegelt. Die sollten wir aufwerten und dafür andere hochwertige Fläche, wie eben den Friedhof, für die Natur erhalten.“

Der nur wenige hundert Meter entfernte Sportplatz war dann auch die zweite Station der Kundgebung und Ziel des Demo-Zuges. Hier kam es zu interessanten Diskussionen, in die sich neben den beiden Bürgermeisterkandidaten auch die Bürger selbst einschalteten. „Wenn der Sportplatz bebaut werden dürfte, hätte die Stadt die Chance, einen wachsenden Schandfleck zu beseitigen“, argumentierte eine Bürgerin.

Stefanie Janßen-Rickmann machte indes die Position ihrer Partei noch einmal klar. So hatten die Grünen 2017 die Bebauung der ungenutzten Friedhofsfläche noch befürwortet, kürzlich in der Sache aber einen Richtungswechsel vollzogen. Auf Antrag der Partei soll der damals gefasste Aufstellungsbeschluss nochmals politisch diskutiert werden. Seinerzeit sollten auf dem Areal noch ausschließlich Sozialwohnungen entstehen. „Jetzt ist nur noch von 20 Prozent Sozialwohnungen die Rede. Das sind neue Voraussetzungen für uns. Wir finden, das Thema muss noch mal neu diskutiert werden. Wir werden den anderen Parteien in der Sache noch mal in Gewissen reden“, betonte Janßen-Rickmann. Sie forderte die Demo-Teilnehmer auf, auch bei den kommenden Sitzungen des Planungsausschusses und des Stadtrates Präsenz zu zeigen und für das Anliegen des Nabu zu werben.

Auch Martin Schuster gab seine Meinung zu dem Thema zum besten. So betonte der CDU-Mann, dass der Heidesportplatz besser als Reservefläche für einen möglichen Ausbau der Forscherhaus-Gesamtschule infrage komme als als Wohngebiet. „Ich glaube, es gibt Flächen in der Innenstadt aber auch außerhalb, wo bezahlbarer Wohnbau entstehen kann.“ Konkret wollte er nicht ausschließen, dass auch die Friedhofserweiterungsfläche für den Bau von Wohnhäusern genutzt. „Da muss eine Entscheidung getroffen werden. Und wenn die Politik mehrheitlich dafür votiert, dass das Areal als Grünfläche erhalten bleibt, dann ist das für mich auch okay“, so Schuster, der auch betonte: „Ich finde es gut, dass es hier ein so großes Interesse am Erhalt der Grünfläche gibt.“ Allerdings müsse nicht nur das Interesse der nahen Anlieger, sondern die Bedeutung für die gesamte Kommune berücksichtigt werden.

Kommentar von Daniel Salmon

Die Diskussion um eine Bebauung auf dem Feldmarkfriedhof wird mehr und mehr zum Wahlkampfthema. Immerhin knapp 100 Bünder sind zu der Nabu-Demo gekommen. Das sind wahrscheinlich mehr Teilnehmer, als eine Partei unter den aktuellen Corona-Bedingungen für eine eigene Veranstaltung mobilisieren kann. Das haben Stefanie Janßen-Rickmann und Martin Schuster als einzige Bürgermeisterkandidaten erkannt. Sie machen ihre Standpunkte klar, zeigen klare Kante. Und auch wenn sie nicht für jede Aussage Applaus bekommen, demonstrieren sie doch eins: Bürgernähe. Die drei übrigen Bewerber um den Rathaus-Chefsessel haben hingegen mit ihrer Abwesenheit eine Chance verpasst, ihr Profil zu schärfen. Schade.

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