Nach CDU-Statement: Bünder FDP und Linkspartei beziehen Stellung
Diskussion um bezahlbaren Wohnraum geht weiter

Bünde (WB/hr) Die Proteste gegen eine mögliche Bebauung am Feldmarkfriedhof haben sich inzwischen zu einer Grundsatzdiskussion um bezahlbaren Wohnraum in Bünde entwickelt. So warnte Martin Schuster, Bürgermeisterkandidat von CDU und FDP, dass der klassische soziale Wohnungsbau zu einer Stigmatisierung der Bewohner und einer Getto-Bildung führen könnte.

Montag, 17.08.2020, 05:03 Uhr aktualisiert: 17.08.2020, 05:10 Uhr
FDP-Orstverbandschef Martin Lohrie ist sich nicht mehr so sicher, dass auf dem Feldmarkfriedhof tatsächlich Wohnungen entstehen werden. Foto: Daniel Salmon
FDP-Orstverbandschef Martin Lohrie ist sich nicht mehr so sicher, dass auf dem Feldmarkfriedhof tatsächlich Wohnungen entstehen werden. Foto: Daniel Salmon

Zwischenzeitlich hat sich auch FDP-Ratsherr Martin Lohrie zu Wort gemeldet. Der Liberale attestiert der Stadt einen Mangel an bezahlbarem Wohnraum. „Mit einem Wohnberechtigungsschein liegt der Mietpreis bei unter fünf Euro pro Quadratmeter. Bei einer 70-Quadratmeter-Wohnung wäre das eine Kaltmiete von etwa 350 Euro. Wo gibt es solche Wohnungen in Bünde denn noch?“ In den vergangenen Jahren seien die Mieten stattdessen kontinuierlich gestiegen. Gerade Rentner oder auch Alleinerziehende könnten sich derartige Mieten oftmals nicht leisten. Lohrie nennt zwei Gründe, die aus seiner Sicht den Mangel an bezahlbarem Wohnraum herbeigeführt hätten. Zum einen sei der Bestand an Sozialwohnungen auch deshalb gesunken, da die Mietpreisbindung nach einer gewissen Frist auslaufe. Zum anderen seien die Baustandards inzwischen derart hoch getrieben worden, dass es sich kein Investor leisten könne, Wohnraum zu schaffen, der für fünf Euro pro Quadratmeter vermietet werden könne.

Die Schaffung von Sozialwohnungen stelle heutzutage ganz andere Anforderungen als vor einigen Jahrzehnten. „Wir sind uns doch alle einig, dass wir keine sozialen Brennpunkte schaffen wollen.“ Er könne sich nicht vorstellen, dass die Stadt Wohnquartiere entwickeln wolle wie die ehemalige Siedlung am Steinring in Ennigloh. Voraussetzung für eine soziale Integration sei immer auch eine gute Durchmischung eines Wohnquartiers, so Lohrie.

Und wie geht es weiter mit der Bebauung am Feldmarkfriedhof? „Ich bin mir nicht so sicher, ob da noch etwas entsteht“, meint Lohrie. Durch den Antrag der Grünen, das Projekt erneut im Planungsausschuss zu beraten, sei das Vorhaben erst einmal angehalten worden.

Linke fordern höhere Quote

In seinem Statement hatte Martin Schuster auch angeregt, bei der Schaffung von Wohnraum auf städtischen Grundstücken oder in neu ausgewiesenen Baugebieten 20 bis 30 Prozent sozialen Wohnungsbau einzufordern. Diese Aussage will die Linke in Bünde nicht unkommentiert stehen lassen. „Auch wir halten hier eine klare Quoten-Regelung in Bünde für richtig und absolut erforderlich. Wir halten es auch für wichtig, dass die Parteien Investoren gegenüber mit einer Stimme auftreten und dort diese Forderung an die städtebauliche Gestaltung im Sinne aller Einwohner in Bünde ganz klar zusammen vertreten“, sagt Thorsten Beuß, Bünder Spitzenkandidat der Linken bei der Kommunalwahl.

Was die Linke aber kritisch sehe, sei die Tatsache, dass in Bünde über Jahrzehnte eine „fehlgeleitete Wohnungsbaupolitik“ betrieben worden sei und diese nur mit einer kleinen Quote allein niemals aufgeholt werden könne. Die Menschen bräuchten jetzt Wohnungen und könnten nicht noch viele Jahre darauf warten. „Auch in den kommenden Jahren werden viele aktuell noch preisgebundene Wohnungen aus der Preisbindung herausfallen und dann möglicherweise als preisgünstige Wohnungen verloren gehen“ so Beuß weiter. „Wie die CDU endlich richtig erkannt hat, haben in Bünde viele Menschen Anrecht auf eine preisgebundene Wohnung. Eine geringe Quote von 20 bis 30 Prozent bei größeren Neubauten allein wird den aktuell massiven Mangel an günstigen Wohnungen in Bünde aber weder kurz- noch mittelfristig beheben, wenn man zusätzlich auch noch bedenkt, dass weitere Preisbindungen auslaufen. Uns läuft schlicht und einfach die Zeit weg”, so Beuß. Es sei daher wichtig, zusätzlich zu den gemischten Planungen ergänzend auch reinen sozialen Wohnungsbau zu betreiben.

Keine Spreizung der Gesellschaft befürchtet

„Es ist auch in unserem Sinne, keine Großsiedlungen bestehend aus Sozialwohnblocks zu schaffen, darin dürften sich alle Parteien einig sein.“ Dennoch bestehen durchaus Möglichkeiten, Mehrfamilienhäuser für die alleinige Nutzung als sozialen Wohnungsbau zu schaffen. In Bünde gebe es dazu bereits viele Stellen, an denen etwa durch die B&S größere Objekte mit sechs bis zehn Wohnungen in Bebauungen aus Ein- oder Zweifamilienhäusern eingefügt worden sei. In diesem Fall sei die soziale Integration ebenfalls gewährleistet und eine „Spreizung der Gesellschaft“ nicht zu befürchten, so der Linken-Sprecher, der für eine Quote von rund 50 Prozent bei der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum eintritt.

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