Ralph Brinkhaus erfährt, warum viele Besucher noch auf Kultur verzichten
Der Neustart fällt schwer

Bünde/Enger (WB). „Hundsmiserabel!“ Auf diesen Nenner bringt Universum-Chef Dirk Kaiser den Vorverkauf für die nächsten Veranstaltungen. Am 24. September feiert Ingo Oschmann in Bünde Premiere mit seinem neuen Programm. Normalerweise ist der Comedian aus Bielefeld ein Garant für ein volles Haus. Aber normal ist in Corona-Zeiten nichts – erst recht nicht in der Kultur.

Sonntag, 06.09.2020, 06:00 Uhr
Bretter, auf denen Größen wie Atze Schröder, Dieter Hildebrandt und Johann König standen: Ralph Brinkhaus (Mitte) lässt sich von Marcus und Dirk Kaiser durchs Universum führen. Mit dabei sind Bundestagsabgeordneter Tim Ostermann, Landratskandidatin Dorothee Schuster und Bürgermeisteranwärter Martin Schuster. Foto: Moritz Winde
Bretter, auf denen Größen wie Atze Schröder, Dieter Hildebrandt und Johann König standen: Ralph Brinkhaus (Mitte) lässt sich von Marcus und Dirk Kaiser durchs Universum führen. Mit dabei sind Bundestagsabgeordneter Tim Ostermann, Landratskandidatin Dorothee Schuster und Bürgermeisteranwärter Martin Schuster. Foto: Moritz Winde

Was klingt wie ein schlechter Witz, ist Tatsache: Für Oschmann seien gerade einmal 50 Tickets abgesetzt worden. „Es traut sich doch niemand, Karten zu verschenken. Die Verunsicherung ist riesig.“ Um die Sorgen und Ängste der Universum-Macher zu hören, legte der CDU-Fraktionschef im Bundestag, Ralph Brinkhaus, am Freitag einen Zwischenstopp in Bünde ein. Der 52-jährige Gütersloher tourt derzeit durch seine Heimatregion und versucht auf der Zielgeraden im Kommunalwahlkampf seinen Parteifreunden vor Ort Rückenwind zu geben.

Wie alle privaten Bühnen geht es auch bei den Universum-Betreibern um die wirtschaftliche Existenz. „Wir dürfen zwar wieder spielen, aber das Vertrauen der Leute ist nicht da“, klagt Dirk Kaiser und blickt in den leeren Saal. Die 250 Stühle waren zuletzt Anfang des Jahres besetzt. Zu Sascha Korff – sein Auftritt vom Sommer wurde verschoben – seien Donnerstag immerhin 120 Zuschauer gekommen. Das Interesse an den nächsten Live-Acts aber sei sehr überschaubar.

Dabei hat das Universum viel Zeit und Geld (55.000 Euro) in entsprechende Schutzmaßnahmen investiert. „Unsere Lüftungsanlage tauscht dreimal stündlich die Luft komplett aus. Jetzt wird sie noch einmal verbessert“, sagt Junior-Chef Marcus Kaiser. Doch was nützen modernste Technik und ausgeklügelte Abläufe, wenn die Angst vor einer Ansteckung größer ist. Wie soll das Vertrauen zurückgewonnen werden? Auch Ralph Brinkhaus hat dafür kein Patentrezept. „Das braucht sicher Zeit.“ Der Christdemokrat appelliert an den Verantwortungssinn jedes Einzelnen. „Ohne Disziplin wird es nicht gehen. Wer Kinder mit Fieber zu Hause hat, sollte lieber nicht hierher kommen“, sagt der prominente Gast aus Berlin.

Würde sich der CDU-Vorsitzende ins volle Universum setzen? „Da müsste ich mir genau das Hygienekonzept anschauen”, sagt er und gibt zu bedenken, dass er aufgrund seiner Funktion besonders vorsichtig sein muss. Generell sei er eher der vorsichtige Typ.

Den Kulturmachern wird nichts anderes übrig bleiben, als ein langer Atem. Bleibt nur die Frage: Wie vielen wird die Luft ausgehen?

Brinkhaus besuchte auch die Nachbarstadt Enger. Über die Situation der Handwerker, vor allem auch nach dem Corona-Lockdown, haben sich CDU-Bürgermeisterkandidat Philip Kleineberg, Landratskandidatin Dorothee Schuster, Handwerkspräsident Peter Eul mit dem Abgeordneten in den Geschäftsräumen von Land- und Gartentechnik Evering in Dreyen ausgetauscht. „Das Handwerk in OWL ist mit einer leicht geröteten Wange durch die Corona-Zeit marschiert und wir tun alles dafür, dass sie wieder abschwillt“, zog Peter Eul ein kurzes Fazit.

Coronabedingt habe es kaum Insolvenzen gegeben. „Gerade Handwerker hatten vor der Krise einen derartigen Terminstau, dass sie während des Lockdowns erst einmal Aufträge abarbeiten konnten“, sagte Eul. Brinkhaus ergänzte, dass der Bund den Kommunen viel Geld an die Hand gegeben habe, um diese in der Krise investitionsfähig zu halten.

Peter Eul gab darüber hinaus einen kurzen Einblick in den Ausbildungsmarkt. Nachdem man in den vergangenen zwei Jahren leicht steigende Zahlen habe verzeichnen können, habe es durch Corona wieder einen kleinen Einbruch gegeben, sagte er. Der Handwerkspräsident wirbt bei Jugendlichen dafür, auch kurzfristig noch eine Ausbildung zu beginnen. „Jeder Auszubildende ist eine Fachkraft, die uns andernfalls später fehlt“, sagte Eul auch im Hinblick auf die etwa 5000 Betriebe in OWL, in denen in den nächsten vier Jahren altersbedingt eine Nachfolgeregelung getroffen werden müsse.

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